Kauferinger Kletter- und Boulderparadies legt los:

Taktik und Technik statt Hau-Drauf

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In drei Bereichen dürfen sich die "Kletterei"-Besucher austoben: Beim Bouldern, Klettern und im Kinderparadies.
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In drei Bereichen dürfen sich die "Kletterei"-Besucher austoben: Beim Bouldern, Klettern und im Kinderparadies.
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In drei Bereichen dürfen sich die "Kletterei"-Besucher austoben: Beim Bouldern, Klettern und im Kinderparadies.
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In drei Bereichen dürfen sich die "Kletterei"-Besucher austoben: Beim Bouldern, Klettern und im Kinderparadies.
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In drei Bereichen dürfen sich die "Kletterei"-Besucher austoben: Beim Bouldern, Klettern und im Kinderparadies.
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In drei Bereichen dürfen sich die "Kletterei"-Besucher austoben: Beim Bouldern, Klettern und im Kinderparadies.
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In drei Bereichen dürfen sich die "Kletterei"-Besucher austoben: Beim Bouldern, Klettern und im Kinderparadies.
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In drei Bereichen dürfen sich die "Kletterei"-Besucher austoben: Beim Bouldern, Klettern und im Kinderparadies.

Kaufering – Erst vor einem Jahr war Baubeginn, seit letzter Woche wird bereits fleißig gekraxelt: In der Kauferinger Viktor-Frankl-Straße hat Unter­nehmer Markus Wasserle eine der größten Kletter- und Boulderhallen der Region eröffnet. Seither kommen junge Familien, Freizeitkletterer und echte Profis in „Die Kletterei“, um sich auf 1.700 Quadratmetern Wand mühevoll den Weg nach oben zu erarbeiten.

Letzten Dienstag, 6 Uhr. Zu einer Zeit, wo ansonsten nur erste Pendler unterwegs sind, herrscht vor Kauferings neuem Kletter-Paradies bereits reger Betrieb. 15 Gäste wollen noch vor der Arbeit die Premiere der „Kletterei“ miterleben und erstmals über die Wände kraxeln. „Ein ganz schöner Ansturm“, freut sich Betreiber Markus Wasserle. Bis zum Ende des Starttags durfte er rund 350 Kletterer begrüßen.

Wer durch die Eingangstür geht, steht zunächst vor einem Check-In. Dort werden Daten abgefragt, die Geschäftsbedingungen der Kletterei bestätigt – „beides aus versicherungsrechtlichen Gründen“, sagt Wasserle. Wer Zeit sparen will oder mit einer größeren Gruppe klettert, kann seine Daten auch vorab bequem online übermitteln.

Danach geht‘s auch schon los. In welchen Bereichen, das verraten die verschiedenfarbigen Armbänder, die am Eingang vergeben werden: Zur Auswahl stehen der Kinder-Spielbereich, Bouldern oder Klettern.

Taktisch durchdacht

Wer sich fürs Bouldern entschieden hat, darf sich auf rund 600 Quadratmetern austoben – in einem Bereich, den Wasserle als „entspannt“ bezeichnet. Viele Boulderer kommen allein, kommen durch die Herausforderungen beim Klettern aber miteinander ins Gespräch. So auch ein Familienvater, vielleicht Mitte 30, der vor der Wand sitzt. Ausgeprägter Bizeps und extrem breiter Oberkörper lassen auf einen Hau-drauf-Typen schließen, der sich schnell ans Ziel hangeln will. Aber weit gefehlt: Mit viel Bedacht mustert sein Blick die vielen Griffe, erst von unten nach oben, dann wieder zurück. Sieben verschiedene Farben haben die Tritt- und Greifhilfen und sind in unterschiedlichen Formen und Abständen an der Wand verschraubt. Die Farbe, das weiß der junge Vater, gibt den Schwierigkeitsgrad der Route vor, auf der er nach oben klettern muss – und das ohne Seil oder Sicherung. Gelb kennzeichnet den leichtesten Weg, heißt in Kaufering deshalb „Des machst scho“. Schwarz dagegen ist „Brudahl“.

Immer noch vor der Wand sitzend, tüftelt der Mann nach dem bestmöglichen Weg von Griff zu Griff. Dass er nicht zum ersten Mal bouldert, das zeigen seine Schuhe. Diese hat er sich selbst mitgebracht, musste also nicht auf die Leihschuhe der Kletterei zurückgreifen.

Dann hat er offenbar eine Lösung gefunden, setzt sich direkt vor die Wand. Ganz unten legt er seine beiden Füße auf zwei Trittgriffe, die als Start mit einer kleinen, weißen Noppe markiert sind. Die Hände legt er auf zwei Griffe darüber. Kräftig schwingt er seine Füße dann mit einem Ruck nach oben in Richtung der nächsten beiden Griffe. Seine Hände verharren vorerst an den Startgriffen und halten das Kraftpaket an der Wand. Der Plan scheint aufzugehen, seine Füße verkeilen an den beiden angepeilten Griffen. Mit der Hand sucht er nach dem nächst­höheren Halt, findet ihn aber nur kurz. Er touchiert, kann sich mit seinen kreidebleichen Fingern aber nicht am Griff festkrallen. Aus rund eineinhalb Meter Höhe stürzt er auf den Boden. Verletzungsgefahr besteht aber keine, denn der Boden ist gut gefedert und auf die fallenden Kletterer vorbereitet.

Übrigens: Dass die Hände des Vaters so bleich sind, hängt nicht etwa mit mangelnder Bräune trotz auslaufendem Sommer zusammen. Boulderer haben ähnlich wie Turner einen Mag­nesiasack dabei, um besseren Grip mit den Fingern zu haben. Überhaupt komme es beim Bouldern auf Hände und Finger an, wie Wasserle erklärt: Schulter und Armmuskulatur sei zwar auch gefragt, aber vor allem Kraft in den Fingern sei für den Halt an den Griffen enorm wichtig.

Der gestürzte Vater berappelt sich derweil. Bevor er seinen nächsten Versuch wagt, durchdenkt er seine Taktik nochmal. Von einer Brücke aus, die oberhalb des Boulderbereichs vorbeiführt, können seine Kinder zuschauen und ihren Papa anfeuern, damit der nächste Versuch erfolgreicher wird. Gleichzeitig sind die Sprösslinge aber auf Sicherheitsabstand, um bei einem Sturz ihres Vaters von der Wand nicht versehentlich in die Schusslinie zu geraten.

Wenige Meter weiter unternimmt ein junges Paar seine ersten Gehversuche an der Kletterwand – Stefan Popp und Carolin Schwab aus München. Der Unterschied zum Bouldern: Hier ist man zu zweit, ist ständig per Seil und Klettergurt miteinander verbunden. Die Sicherheitsvorkehrungen sind an der 1.000 Quadratmeter großen Wand noch verschärfter. Unerfahrene dürfen nicht ohne Weiteres raufkraxeln, sondern werden zunächst theoretisch von Trainern des Deutschen Alpenvereins (DAV) angeleitet. Wolfgang Hurrle von der Kauferinger DAV-Sektion erklärt dem Paar aus München, das seinen ersten Grundkurs im Klettern belegt, zunächst einige Basics – etwa eine Stunde dauert das. Ziel der Einweisung: „Erstmal die Sicherheit“, sagt Hurrle. Ferner sei noch entscheidend, erste Automatismen zu entwickeln, um selbstständig klettern zu können.

Danach darf Popp schon hoch hinaus, etwa 15 Meter hat er an der Wand vor sich. Seine Freundin sichert ihn von unten. In der Kletterhalle ist es unterdessen mucksmäuschenstill. „Der Sicherer darf sich nicht ablenken lassen und muss sich die ganze Zeit auf den Kletternden konzentrieren“, erklärt Wasserle.

Ansonsten herrscht eine Menge Trubel in der Kletterei: Kinder springen durchs Bistro und durchs Kinderparadies. Laufend kommen neue Besucher durch die Eingangstür, wollen entweder nur einen Flyer oder gleich zur Tat schreiten. „Endlich gibt es so eine Halle auch bei uns im Landkreis“, sagt ein junger Kletterer und macht sich mit seinem Handtuch, fast wie in einem Fitnessstudio, auf in Richtung der Boulderwand.

Marco Tobisch

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