Energiespardorf:

Spielend zur besseren Energiebilanz

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Mit dem Modell eines Energiespardorfes, entwickelt von Peter Satzger (hinten, Bildmitte), sehen hier einige Lehrer bei einer Fortbildung, wie klimaschonendes Verhalten ganz konkret erprobt werden kann.

Landsberg – Wenn über Klimaschutz diskutiert wird, geschieht das oft recht abstrakt anhand von Zahlen und Diagrammen. Peter Satzger, Diplom-Physiker aus Landsberg, hat Abhilfe geschaffen. Für die Umweltbildung von Jugendlichen und Erwachsenen entwickelte er das Modell eines Energiespardorfes.

Das Dorf steht auf einem fünf mal 1,50 Meter großen Holzbrett. Es gibt Häuser, Betriebe und Felder. Energieverbrauch und Energieerzeugung werden in realer Funktion simuliert. Laufen in jedem Haus stromfressende Geräte, steigt der Verbrauch. Ersetzen alle ihre Kühl­- schränke durch energiesparende Modelle, ist die positive Auswirkung sofort sichtbar – auch in Euro. „Die Leute staunen dann immer, um welch hohe Beträge es da geht“, erzählt Satzger. Der vielzitierte Satz „Ich allein kann ja doch nichts bewirken“ wird ersetzt durch die Erkenntnis, dass abgestimmtes Handeln einer größeren Gruppe eine ganze Menge bewirken kann.

Auf die Hausdächer des Dorfmodells lassen sich Solarzellen montieren, in der Umgebung der Siedlung kann man Windräder aufstellen oder Biogasanlagen entstehen lassen. Im letzte­- ren Fall muss man in Kauf nehmen, dass gleichzeitig überall Maisfelder aus dem Boden schießen. Betreibt man stattdessen die Wiedervernässung von Moorböden, beobachtet man ungeahnte Effekte auf den Klimaschutz. „Es werden weniger Treibhausgase emittiert“, so Satzger. „Und wenn das Moor groß genug ist, wird sogar CO2 aufgenommen.“

Die Kursteilnehmer tun aber mehr, als ein bisschen mit dem Modell zu spielen. Sie übernehmen die Rolle von Bürgermeistern, Gemeinderäten, Land-wirten, Handwerkern, Umweltschützern. Gemeinsam versuchen sie, eine bessere Energie­- bilanz zu erzielen. „Und dann läuft es genauso wie in der Politik“, sagt Satzger. „Man muss Kompromisse machen.“ Schnell zeige sich in den Kursen, dass es keine Patentlösung gebe. „Es kommen immer andere Ergebnisse heraus.“

Das Modell wird auch in Lehrerfortbildungen eingesetzt, aber außerdem durften Schulklassen bereits damit arbeiten. Das Landratsamt ist ebenfalls hellhörig geworden und wünscht sich einen entsprechenden Kurs auch für Landsberger Lehrer – gerade vor dem Hintergrund der regionalen Klimaschutzkonferenz, deren zweiter Teil am kommenden Samstag in den Beruflichen Schulen Landsberg stattfindet. Dort soll es auch um das Thema Energiebildung gehen.

Die Idee zu dem Dorfmodell, an dem Satzger ein halbes Jahr lang tüftelte, entwickelte er gemeinsam mit dem Naturschutz- und Jugendzentrum Wartaweil. Die Holzarbeiten übernahm der Landsberger Schreiner Peter Strobl. Menschen, die im Zuverdienstbereich des sozialpsychiatrischen Dienstes der Caritas arbeiten, waren an der Montage der vielen Einzelteile beteiligt.

Das Dorf begeisterte bereits Bayerns Umweltminister Marcel Huber, der es beim Lernfest im Kloster Benediktbeuern sah. Und bei allen Gruppen, die seither damit arbeiteten, kam es super an.

Ulrike Osman

Spielend zur besseren Energiebilanz

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