Einzigartiges Projekt in Windach

Wenn es im Acker summt und brummt

Summender Acker - Windach - Erich Klas
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Mit reichlich Stolz vor seinem „summenden Acker“ und dem dazugehörigen Feldschild: Bio-Landwirt Erich Klas. Als nächstes möchte er 400 Obstbäume pflanzen.
  • Dr. Daniela Oesterle
    VonDr. Daniela Oesterle
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Windach – Es ist ein einzigartiges Projekt im Landkreis und wartet jetzt auch mit einem informativen Feldschild auf: der „summende Acker“ von Bio-Landwirt Erich Klas. Die im Süden Oberwindachs gelegenen Blumenwiese aus heimischen Wildblumenarten und Kulturpflanzen trägt einen wichtigen Beitrag zum Natur- und Klimaschutz bei und kann durch Patenschaften unterstützt werden.

Die Idee zu dem summenden Acker hatte der begeisterte Bio-Landwirt Klas vor zwei Jahren. Er erkundigte sich nach Saatgut und Förderungen und konnte ein motiviertes Team gewinnen, das mit ihm fürs Projekt www.summender-acker.de brennt. Vor einem Jahr dann wandelte Klas zwei seiner Bio-Ackerflächen in insgesamt vier Hektrar große Blühflächen um. Das Projekt am Rande der Gemeinde Windach wird für mindestens fünf Jahre laufen.

Um Wildbienen, Schmetter­lingen und anderen Insekten einen nicht nur hübschen, sondern reich gedeckten Futter­tisch zu präsentieren, verzichtete der Bio-Landwirt auf geförderte Saatmischungen. Der Mitt-Vierziger setzte auf Saatgut eines Freisinger Betriebs für naturnahes Grün. Darin sind ausschließlich heimische Wildblumenarten und Kulturpflanzen enthalten, denn nur regionale Blüten stehen auf dem Speiseplan unserer heimischen Insekten. Er bezahlte daher aus eigener Tasche.

Heute, genau ein Jahr später blüht die Wiese aus wilder Möhre, Kuckuckslichtnelke oder zottigem Klapperstock in voller Pracht und spendet reichlich Nektar für heimische Insekten. Die Ökolandfläche liefert außerdem Futter für Hasen und Lebens­raum für Spinnen. Wer sich genauer über die biologische Nische informieren möchte, findet lehrreiche Infotafeln, die von der Grafikdesignerin Veronika Peters entworfen wurden.

Patenschaften

Für das Projekt konnte sich von Beginn an die Windacherin Martina Knake begeistern und übernahm wie viele andere eine Patenschaft. Seitdem fotografiert sie jede Woche eine neu aufblühende Pflanze und erfreut sich an der Vielfalt der Insekten. „Manchmal summt es nicht nur, manchmal brummt es sogar“, so die Naturliebhaberin und meint die vielen Hummeln, die an windstillen Tagen recht zahlreich sein können.

Wenn an windstillen Tagen die Hummeln besonders aktiv sind, dann wird aus dem Summen ein Brummen.

Der summende Acker, der direkt am Radweg zwischen Finning und Windach gelegen ist, wird wegen seiner Einzigartigkeit auch wissenschaftlich begleitet. Das Wissenschaftszentrum Weihenstephan der TU München wird die Blühfläche regelmäßig kartieren und mit konventionellen Flächen vergleichen. So soll festgestellt werden, in welchem Rahmen die Artenvielfalt gefördert wird und wie die Pflanzenvielfalt von der Natur angenommen wird.

Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) hingegen interessiert sich für den Boden der Wiese und wird untersuchen, inwieweit Blühackerflächen den Humus aufbauen und wie viele Regenwürmer sich ansiedeln. Denn je mehr Würmer im Boden, desto besser wird er durchlüftet und kann Wasser aufnehmen. Außerdem bieten die Röhren und Hinterlassenschaften der Würmer geeignete Bedingungen für die Pflanzen zum Wurzeln.

Auch Windachs Bürgermeister befürwortet den summenden Acker. „Super, ich stehe voll dahinter“, sagt Richard Michl. „Die Gemeinde hat zwar auch Flächen, die in Blühwiesen umgestaltet werden, aber das Projekt summender Acker habe eine ganz andere Tiefe, weil es wissenschaftlich begleitet werde. Das könnten wir in der Größenordnung nicht leisten. Deshalb finde ich es gut, dass Herr Klas uns damit unter­stützt.“ Für die Gemeinde sei Naturschutz ein vielschichtiges Feld, weswegen kürzlich ein Umwelt­ausschuss für diese Bereiche gegründet wurde.

Von Seiten des Landratsamts Landsberg erhält Erich Klas ebenfalls viel Unterstützung. „Die Personen vom Naturschutz sind so nett und hilfsbereit. [Die Biodiversitätsberaterin] Rebecca Pilz ruft mich beispielsweise an und sagt, schauen´s da gibt´s wieder etwas Neues, vielleicht können wir hier irgendetwas machen.“ So eine Hilfsbereitschaft von Seiten der Behörden habe er selten erlebt.

Streuobst

In diesem Herbst wird Erich Klas noch einen Schritt weiter in Richtung artenreiche Zukunft gehen. Dann will er Streuobstbäume pflanzen, um die Natur noch wertvoller zu gestalten. Geplant sind insgesamt 400 Obstbäume, wobei auch hier an Artenvielfalt gedacht wurde. Denn für die Insekten sollen Zwetschgen, Sauerkirschen, Äpfel, Birnen, Quitten und Walnussbäume ausgebracht werden. „Streuobstwiesen sind die Regenwälder Europas“, so der begeisternde Erich Klas, der mit seinem Enthusiasmus einen wichtigen Beitrag zum Naturschutz leistet.

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