Wärme kommt im Tank

Klimaschutz und Kostenersparnis: LENA und der Wärmetransport

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Die drei Köpfe hinter dem Wärmetransport (von links): Tobias Schmid, Henryk Bednarek und Dr. Georg Schneider.

Landsberg – Seit rund zwei Jahren entwickelt die LENA Service GmbH aus Landsberg gemeinsam mit den Ingenieuren der swilar eetec GmbH Wärmetransporte. Am Donnerstag präsentierten die führenden Köpfe der beiden Unternehmen den aktuellen Entwicklungsstand im Industrial MakerSpace am Penziger Feld und wagten eine Prognose für die Zukunft.

„Wir wollen der Wärme helfen, wahrgenommen zu werden“, betonte LENA-Gechäftsführer Tobias Schmid. Die Nutzung von Abwärme ist derzeit eine der großen Chancen im Rahmen der Energiewende. Wärmeenergie wird vielerorts ungenutzt in Flüsse und Atmos­phäre abgegeben. Mit dieser Abwärme könnten bis zu 30 Prozent des gesamten Heizwärmebedarfs im Gebäudesektor CO2-frei ersetzt werden.

Unter dieser Prämisse entwickelten die Ingenieure, unter der Leitung von Henryk Bednarek, einen Wärmecontainer, der rund 2,5 Megawattstunden (MWh) Abwärme aufnehmen und an eine sogenannte Wärmesenke anliefern kann. Das Be- und Entladen nimmt rund 16 Stunden in Anspruch und das Herzstück des Containers ist ein in Edelstahl gefertigter hocheffektiver Rohrbündelwärmetauscher.

Pilotprojekte in der Schweiz und in Hannover waren ebenso erfolgreich wie auch die Kooperation mit dem Lechtalbad in Kaufering. 2019 waren drei Container unterwegs, heuer sollten es eigentlich acht sein, aber Corona reduzierte den Output auf sechs. Für 2021 planen die Firmen optimistisch mit 20 weite­ren Containern. „Nach oben sind uns keine Grenzen gesetzt“, sagte Dr. Georg Schneider von der swilar GmbH, die für den bundesweiten Vertrieb und die Projektentwicklung zuständig ist. „Es gibt Pläne für Holland und Dänemark. Wir sind aber auch darauf angewiesen, dass sich die kommunalen Strukturen ändern.“

Die Wirtschaftlichkeit des Wärmetransports ist zu zwei Dritteln von den Kosten der Umfuhren abhängig. Der Import von fossilen Energieträgern wird durch Wertschöpfung vor Ort ersetzt. Rund 150.000 Euro kostet ein Wärmecontainer in der Herstellung, dazu kommen noch 20.000 bis 40.000 Euro für die Umrüstung an dem Ort, wo die Wärme schließlich angeliefert wird. Bei einer Abschreibung über 20 Jahre kalkuliert man mit einem Wärmelieferpreis von 5,56 Cent pro Kilo­wattstunde (kWh).

Bundestagsabgeordneter Michael Kießling (CSU), derzeit auch im Ausschuss für „Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit“, zeigte sich angetan: „Ich bin froh, dass wir im Landkreis diese Entwicklung haben, denn Klimaschutz muss ernst genommen werden. Die Potenziale des Wärmtransports werden unterschätzt und deshalb müssen die Menschen hinter dieser Innovation an die Öffentlichkeit.“

Schwimmbäder sind beispielsweise ideal als Wärmesenke für den Einsatz von Wärmecontai­nern. Diese können bei dem niedrigen Temperaturniveau von 25 bis 40 Grad Celsius ihre gesamte Kapazität einbringen und fährt besonders wirtschaftlich. Die fossile Heizlösung wird dadurch völlig überflüssig. Als weitere Wärmeabnehmer bieten sich Hotels, Wohnanlagen, Krankenhäuser, Schulen und Sportanlagen an. Hier besteht ein ganzjähriger großer Wärmebedarf. Aber auch bei Neubauquartieren kann eine Anlage gezielt auf den Wärmetransport ausgerichtet und dabei die gesamte Wärmeversorgung übernommen werden.

Tobias Schmid schaut für das Projekt zuversichtlich in die Zukunft, auch wenn gerade für die Lieferung an den Zielort viel Knowhow vonnöten sei. Aber man arbeite daran, alle Prozesse zu standardisieren und sei derzeit in der Lage 1,5 Containerlieferungen pro Tag zu stemmen. Sollte sich der Wärmetrans­port in der mittelfristigen Zukunft durchsetzen, wäre dem Klima und damit diesem Planten sehr geholfen.

Dietrich Limper

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