Klimaschutz im Landkreis

Eine Nasenlänge voraus

In kurzen Referaten präsentierten die Arbeitsgruppen der Klimaschutzkonferenz ihre Ergebnisse. Diese werden zu einer Dokumentation zusammengefasst.

Landsberg – Die Landsberger Klimaschutzkonferenz ist mit Teil 2 am Wochenende zu Ende gegangen. Viele Ideen wurden gesammelt und werden nun dokumentiert. Manche können schnell und ohne große Kosten umgesetzt werden, andere wiederum bedürfen politischer Beratung und einer langfristigen Finanzierung.

Ein Aktionsplan für die nächsten zwei bis drei Jahre und ein Handlungsrahmen bis zum Jahr 2030 sollen noch in diesem Jahr dem Kreistag vorgelegt werden.

Die Klimaschutzkonferenz wurde allseits positiv gewertet. Landrat Walter Eichner (CSU) sagte im Gespräch mit dem KREISBOTEN: „Bei uns werden die Ziele schneller umgesetzt als beispielsweise im Kyoto-Protokoll im internationalen Bereich, weil wir uns über die Ziele einig sind und an einem Strang ziehen“.

Ähnlich sieht es Iglings Bürgermeister Günter Först, der zusammen mit eine Reihe anderer Rathauschefs aus dem Landkreis aktiv mitgearbeitet hatte: „Hier werden Impulse gesetzt, die auch in der Bevölkerung ankommen“. Die Gemeinde Igling hat gerade von der Regie­- rung in Oberbayern ein Pilotprojekt für Energieberatung zugesprochen bekommen. Die beiden mit der Moderation und Begleitung des Projekts beauftragen Fachbüros, „KlimaKom“ und „Green City Energie“, bescheinigten gegenüber unserer Zeitung sogar, „dass der Landkreis Landsberg im Vergleich zu anderen Landkreisen beim Klimaschutz viel weiter sei“. „Wir machen, was geht“, resümierte Andreas Graf. Der Leiter der Wirtschaftsförderung im Landratsamt baut auch auf die schnelle Umsetzung sogenannter Leucht­turmprojekte.

Rund 60 engagierte Kommunalpolitiker, Verwaltungsmitarbeiter, Firmen und Bürger hatten sich an zwei Samstagen in den Beruflichen Schulen getroffen. In acht Arbeitsgruppen beschäftigten sich die Experten mit allen Facetten des Klimaschutzes und der Energiegewinnung und –einsparung.

Klimaschutzmanager?

Eigentlich braucht der Landkreis einen „Klimaschutzmanager“, der die Verbindung zwischen Landkreis und Gemeinden hält, der mit anderen Experten aus Behörden und Firmen gut vernetzt ist und letztlich eine Schlüsselfunktion bei der Umsetzung des Klimakonzeptes hat. Zu diesem Schluss kamen die Experten der Arbeitsgruppe Klimaschutzmanagement und Finanzierung.

Allen Beteiligten war klar, dass die Probleme so einfach nicht sind, besonders wenn die Umsetzung der Ideen Geld kostet. „Bürgerfinanzierung“ lautete bei einigen Projekten das Zauberwort, das beispielsweise in Zusammenhang mit der Finanzierung von zusätzlichen Unterflurkraftwerken im Lech ge­nannt wurde. Ausführlich beschäftigte sich eine Arbeitsgruppe mit der Kraft-Wärme­koppelung. Eine Idee der Experten war, bereits vorhandene Notstromaggregate zu nutzen. In einer Machbarkeitsstudie sollte dies untersucht werden. Zu prüfen sei auch, ob man derartige Anlagen mit Pflanzenöl betreiben kann.

Neue Mobilität

Es gab aber auch eine Reihe von Ideen, die ohne große Belastung umzusetzen wären. Bei der Arbeitsgruppe „Mobilität“ ging es primär darum, Autofahrer zum Umsteigen auf das Fahrrad zu animieren. Eine ganze Reihe von Anreizen, die auch die Arbeitgeber unterstützen müssten, wurden aufgezeigt. Insbesondere die Förde­rung oder Bereitstellung von E-Bikes könnte in den „bergigen“ Gemeinden den Durchbruch fördern.

Auch Dienst- und Nutzfahrzeuge unterlagen einer genauen Betrachtung. Hier wurden „Car-Sharing“ oder „Public Private Partnership“ als Lösungsangebote präsentiert. Letzteres meint die Zusammenarbeit zwischen Privat und Staat, Land oder Kommune.

Die beiden Arbeitsgruppen zum Thema „Erneuerbare Energien“ hatten sich nicht nur mit Wind-, Wasser- oder Solarenergie beschäftigt. Auch Biogasanlagen zur Förderung der Nah­wärme fanden große Beachtung, gerade im Hinblick auf die Zukunft der Biotonne. Der Inhalt könnte zur Energieerzeugung genutzt werden. Auch die Grüngutverklärung, also beispielsweise den Rasenverschnitt von Sportplätzen, hatten die Experten auf die Liste gesetzt. Ein weiteres Thema war die Förderung von Photovoltaikanlagen im privaten Bereich.

Weniger mit neuen Häusern als mit Altbauten beschäftigte sich die Arbeitsgruppe „Siedlungsentwicklung und Bauleitung“. In dieser Gruppe ging es primär um langfristige Ziele. Im Mittelpunkt der Philosophie stand das Gebot, fossile Brennstoffe für die Heizung zu vermeiden. Dies in Gesetze und Verordnungen zu gießen, werde sich nicht von heute auf morgen zu verwirklichen sein, meinten die Teilnehmer der Arbeitsgruppe. Hilfreich wäre jedoch eine Ortssatzung, die die Klimaziele jeder Gemeinde festlege. Die Umsetzung könnte dann über ein Belohnungssystem gefördert werden.

Alle Teilnehmer waren sich darüber einig, dass durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit die Bevölkerung mit auf den Weg des Klimaschutzes genommen werden soll.

Siegfried Spörer

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