Späte Ehre für Karl Mohrenweis

Klinikum Landsberg benennt Vorplatz nach dem SPD-Stadtrat, dem es seinen Standort verdankt

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Der Platz vor dem Haupteingang des Klinikums Landsberg wird nach SPD-Stadtrat Karl Mohrenweis benannt. Am 13. Februar gibt es dazu eine Feierstunde.

Landsberg – Nachspiel eines großen Jubiläums: Dass das damalige Krankenhaus Landsberg 1968 an seinem jetzigen Standort eröffnet werden konnte, verdankte es unter anderem dem Einsatz des damaligen SPD-Stadtrats Karl Mohrenweis. Nach ihm soll nun der Platz vor dem Haupt­eingang des heutigen Klinikums benannt werden.

Im vergangenen Jahr feierte das Krankenhaus sein 50-jähriges Bestehen am westlichen Stadtrand. Aus diesem Anlass vertiefte sich Altlandrat Walter Eichner, der ja selbst lange Jahre für das Krankenhaus verantwortlich war, in die Geschichte des Hauses. „In Landsberg wurde schon seit Mitte der 50er Jahre über eine Vergrößerung oder Erweiterung des Krankenhauses diskutiert“, weiß Eichner aus dem Studium der Stadtrats­protokolle jener Zeit. Landsberg betrieb damals ein Krankenhaus in der Lechstraße, das zunehmend aus allen Nähten platzte.

Die Stadtratsmehrheit favori­sierte einen Erweiterungsbau in der Nachbarschaft und hatte dafür das sogenannte Täumer-Grundstück an der Lechstraße im Auge. Am Stadtrand sah man dagegen keine geeignete Möglichkeit. Verschiedene Optionen wurden geprüft und verworfen, darunter das Gelände des Spitalguts in Pössing und das Grundstück, auf dem heute der Waldfriedhof liegt. Am 8. Februar 1961 fiel in einer Stadtrats-Sondersitzung mit 15:5 Stimmen die Entscheidung für den Standort Lechstraße.

Karl Mohrenweis und seine SPD-Fraktion kritisierten den mangelnden Weitblick. Man müsse groß bauen – und zwar an einem Standort, der auch aus der umliegenden Region gut erreichbar sei und Entwicklungsmöglichkeiten für die Zukunft biete. Mohrenweis, Schreinermeister und Kreissekretär des DGB, hatte das Bevölkerungswachstum und die prosperierende Wirtschaft im Landkreis im Blick. Damit war er zunächst in der Minderheit, doch das sollte sich ändern.

Im Laufe des Jahres 1961 stellte sich heraus, dass der Umgriff der vorgesehenen Fläche für den Erweiterungsbau viel zu klein war. Er betrug lediglich 15.000 Quadratmeter, während bei vergleichbaren Häusern schon damals 100.000 Quadratmeter üblich waren. „Der heutige Luna-Park sollte der Kran­ken­hausgarten werden“, verdeutlicht Eichner die kleinen Dimensionen. „Und an Parkplätze hat wahrscheinlich überhaupt niemand gedacht.“

Die Stadtratssitzung, in der das Blatt sich wendete, bezeichnet der Altlandrat als „Sternstunde kommunaler Diskussionskultur“. Statt sich in politischen Geg­nerschaften festzubeißen, siegte die Vernunft. Stadtoberhaupt Rudolf Engshuber (CSU) und der zweite Bürgermeister Dr. Hartmann räumten ein, dass ein Neubau am Stadtrand sinnvoller sei als eine Erweiterung an der Lechstraße – und baten den politischen Gegner, auf Häme zu verzichten.

Karl Mohrenweis wäre ohnehin nicht der Typ dafür gewesen. Einer, der ihn persönlich gut gekannt hat, ist der Landsbergs Ex-OB Ingo Lehmann (SPD) –die Anwaltskanzlei seiner Mutter lag im Lechhaus über dem Gewerkschaftsbüro, in dem Moh­renweis saß. „Er war besonnen und vorausschauend“, beschreibt Lehmann.

Über die Fortbildungsangebote des DGB hatte sich der Handwerker ein fundiertes politisches Wissen angeeignet. Lehmann erinnert sich an Mohrenweis als einen „bedächtigen, ruhigen, klar argumentierenden Mann, der auf die Kraft des Wortes vertraut hat“. Es musste schon einiges passieren, damit der Schreinermeister seine Gelassenheit verlor. „Wenn zu viel Mist erzählt wurde, konnte er fuchsteufelswild werden - aber das habe ich nur ein-, zweimal erlebt.“

Feierstunde und mehr

In Erinnerung an den Weitblick, dem das Klinikum Landsberg seine heutige Lage verdankt, soll Karl Mohrenweis nun geehrt werden. Im Rahmen einer Feierstunde am 13. Februar wird der Platz vor dem Haupt­eingang zum Klinikum nach ihm benannt. Eichner und Lehmann werden Mohrenweis in Ansprachen würdigen.

Darüber hinaus hat Walter Eichner über die Entwicklungsgeschichte des Klinikneubaus einen detaillierten Aufsatz geschrieben, der in der nächsten Ausgabe der Landsberger Geschichtsblätter erscheint. Das Heft wird am 25. Januar im Rahmen eines Festabends im Historischen Rathaus offiziell vorgestellt. 

Ulrike Osman

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