Ein gutes Ergebnis

Klinikum Landsberg: erstmals seit zehn Jahren im Plus

Landrat Thomas Eichinger, Ärztlicher Direktor Dr. Alexander Schnelke und Klinikums-Vorstand Marco Woedl
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Landrat Thomas Eichinger, Ärztlicher Direktor Dr. Alexander Schnelke und Klinikums-Vorstand Marco Woedl bei der Pressekonferenz (v. l.).
  • vonAndrea Schmelzle
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Landsberg – Gute Nachrichten aus dem Klinikum: Trotz der alles dominierenden Corona-Pandemie kann das Haus – mit einer Bilanzsumme von über 41,4 Millionen Euro und einem Jahresüberschuss von mehr als 1,1 Millionen Euro – auf ein „glänzendes Geschäftsjahr 2020“ zurückblicken. Das gaben Landrat Thomas Eichinger, Klinikums-Vorstand Marco Woedl und Ärztlicher Direktor Dr. Alexander Schnelke auf einer Pressekonferenz bekannt. 

Es sei ein „historischer Moment“, meinte Woedl: Zum ersten Mal seit zehn Jahren und nach einem Defizit von insgesamt acht Millionen Euro habe man ein positives Geschäftsergebnis erzielen können. Der Klinikum-Vorstand konnte damit sein Versprechen einlösen, das er bei seiner Einstellung im Jahr 2017 gab: das Klinikum innerhalb von drei Jahren aus den roten Zahlen zu führen.

Nicht zuletzt seien es die Mitarbeiter gewesen, die diese wirtschaftliche Stabilität herbeigeführt hätten, betonte Woedl. Vor allem zu Pandemiezeiten sei das eine „exzellente Teamleistung“. Ein „schwieriges Jahr mit viel mehr Arbeit“ sei es gewesen, das Spuren hinterlassen habe. Erschöpfung bei den Mitarbeitern, auch Fluktuation im Personal. Umso beeindruckender sei das gute wirtschaftliche Ergebnis.

Ein solches konnten im Pandemiejahr 2020 allerdings fast alle Kliniken erzielen. Die Ausgaben der gesetzlichen Kassen für die Krankenhäuser stiegen. Durch Zulagen für zusätzliche Intensivbetten und Freihaltepauschalen vom Bund erhielten die Kliniken mit 91,64 Milliarden Euro rund 14 Prozent mehr als noch im Jahr 2019, wie der Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV) vorrechnet.

Mit Blick auf das aktuelle Jahr dämpfte Woedl die Euphorie. Die Coronakrise habe schon im ersten Quartal negative Spuren im Leistungsgeschehen des Klinikums hinterlassen: Stationen, die geschlossen werden mussten, führten zu weniger Umsatz. Die aktuell zufließenden Ausgleichszahlungen des Bundes seien nicht ausreichend, um das zu kompensieren. Bei niedrigen Inzidenzen erhöhe sich wegen fehlender Zulagen der Druck auf das Klinikum. Daher sei er für das Ergebnis des aktuellen Jahres „nicht ganz so optimistisch“.

Im Berichtsjahr 2020 konnte das Klinikum die wirtschaftliche Situation im Vergleich zum Vorjahr erheblich verbessern. Ein Grund dafür: die Neuaufstellung der Kindermedizin, die es ermögliche, mehr Kinder und höhere Schweregrade zu behandeln, berichtete Ärztlicher Direktor Schnelke, gleichzeitig Chefarzt der Kindermedizin. Weitere Gründe seien neben der Etablierung eines interdisziplinären Wirbelsäulenzentrums die Steigerung der Geburten (der KREISBOTE berichtete) sowie die Eröffnung und Erweiterung der Premiumstation, die „extrem gut“ angenommen werde. Das Einzugsgebiet reiche dabei bis nach Augsburg und hinter Schongau. „Ein Erfolgsmodell“, so Woedl.

Die aktuelle Finanzsituation sei derzeit für das Klinikum „komfortabel“, mit einem Eigenkapitalanteil von 28 Millionen Euro und einer Eigenkapitalquote von 69 Prozent. Zudem stünden ausreichend verbindliche Kreditzusagen zur Verfügung. Hinzu komme: Als Kommunal­unternehmen sei man nicht insolvenzfähig: „Der Landkreis steht hinter uns“, sagte Woedl. „Damit sind wir von jeder Seite abgesichert und so soll es auch bleiben.“

Als Chance für 2021 betrachte er die Vereinbarung des Pflegepersonalkostenbudgets, das eine vollständige Finanzierung der entstehenden Personalkosten in der Pflege abbilden soll. „Hier hat der Gesetzgeber was Gutes für uns getan“, meinte Woedl. Insgesamt habe sich die Anzahl der beschäftigten Vollkräfte in 2020 um 5,4 Prozent erhöht – also um etwa 25 Beschäftigte. Das betreffe vor allem den Pflegedienst, der sogar einen Zuwachs von 36 Vollkräften innerhalb der letzten 24 Monate verbuchen konnte.

Bei dem aktuellem Fachkräftemangel in Deutschland sei das eine enorme Steigerung und auf deutlich verbesserte Arbeitsbedingungen zurückzuführen. Aber auch auf Akquise und Marketing-Kampagen, in die viel Energie gesteckt worden seien. Dabei habe das Klinikum vermehrt ausländische Mitarbeiter rekrutiert – unter anderem drei Hebammen aus Italien und zehn Krankenpflegekräfte aus der Ukraine.

Schon in normalen Zeiten sei das Klinikum das Rückgrat der medizinischen Versorgung, so Eichinger, in der Corona-Pandemie jedoch zudem ein „Damm, der vor der Flut der Infekte schützen möchte“. Trotz einiger Herausforderungen habe der Damm gehalten. Zwar sei man an Grenzen der Auslastung gestoßen, aber niemals in einer Situation gewesen, in der eine intenisv-medizinische Versorgung nicht gewährleistet war.

Das Fortschreiten der Impfkampagne zeige mittlerweile deutliche Auswirkungen, meinte Woedl. Auch zwei Drittel des Klinikum-Personals seien mittlerweile geimpft. Die Schweregrade der Infektionen, gerade bei älteren Menschen, gingen zurück. Trotzdem sei Vorsicht geboten, warnte Eichinger.

Allein auf die Inzidenzen zu schauen, reiche nicht aus, so Woedl. Inzidenzen könnten steigen, Fallzahlen sinken oder umgekehrt. „Auch andere Faktoren spielen eine Rolle, etwa hochinfektiöse Mutationen“. Wichtig sei die Anzahl der belegten Intensivbetten. Eine Prognose könne man nicht abgeben. Zudem werde man stets mit neuen Regelungen seitens der Bundesregierung konfrontiert. „Wir müssen weiter das Beste aus der Situation machen“, meint Woedl. Flexibilität und Solidarität seien dabei nach wie vor enorm wichtige Faktoren.

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