Geburtenrekord in Coronazeiten

Klinikum Landsberg: vergangenes Jahr mehr Geburten als je zuvor

Der kleine Jakob war im „Rekordjahr“ 2020 die 1.000. Geburt im Klinikum Landsberg.
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Der kleine Jakob war im „Rekordjahr“ 2020 die tausendste Geburt im Klinikum Landsberg.

Landsberg – Trotz oder vielleicht auch gerade wegen Corona: Das Klinikum Landsberg konnte im vergangenen Jahr mit 1.258 Geburten einen bisherigen Rekord verzeichnen – exakt 202 mehr als 2019. Einige technische Neuerungen könnten mit die Gründe dafür sein.

Auf die Welt kamen genau genommen 1.266 Kinder, knapp mehr als die Hälfte davon Mädchen, acht Zwillingsgeburten waren dabei. Und die zählen natürlich als eine Geburt, aber als jeweils zwei Babys, die zur Welt kommen, erklärt Alexa Dorow, stellvertretende Pressesprecherin und spezialisiert auf die Schwerpunkte Geburtshilfe sowie Kinder- und Jugendmedizin. Bereits jetzt, im gerade begonnenen neuen Jahr, habe es schon wieder 42 Entbindungen gegeben. Der Trend, dass die Zahl der Geburten steige, zeichne sich im Klinikum Landsberg schon länger ab, meint Alexa Dorow. Im Jahr 2019 habe man mit 1.056 Geburten das erste Mal die Tausend geknackt, 2018 habe die Zahl mit 902 Geburten noch darunter gelegen. 2020 sei aber tatsächlich bisher der Höchstwert gewesen.

Die Gründe dafür? „Vielfältig“ meint Alexa Dorow. Zum einen erlaube der in den letzten eineinhalb Jahren ausgebaute perinatale Schwerpunkt Entbindungen bereits ab der vollendeten 32. Schwangerschaftswoche. Zuvor mussten Schwangere, die ihr Baby zu früh bekamen, eine andere Klinik aufsuchen. Mittlerweile sei es aber eher umgekehrt. Patientinnen kommen aus den Landkreisen Augsburg, Ostallgäu, Weilheim-Schongau, Unterallgäu sowie anderen umliegenden Landkreisen, um im Klinikum Landsberg zu entbinden. Das habe im vergangenen Jahr 609 Geburten ausgemacht.

Alles im Blick

Die gynäkologische Ambulanz, die angegliederte Kinderklinik, aber auch technische Neuerungen wie Beatmunsgeräte oder eine Monitoring-Anlage zur Überwachung der Neugeborenen sollen den Patientinnen ein Gefühl der Sicherheit vermitteln. „Auch wenn Schwestern sich gerade im Pflegestützpunkt aufhalten, haben sie alle wichtigen Parameter im Blick“, sagt Dorow. Das, gekoppelt mit einer persönlichen und familiären Möglichkeit der Entbindung, bewege viele werdende Eltern, sich für das Klinikum Landsberg zu entscheiden. „Wir versuchen stets, persönliche Wünsche – etwa eine Wassergeburt – zu ermöglichen“, sagt Dorow. Auch der Vater werde natürlich mit einbezogen, sogar während der gesamten Coronazeit habe man das möglich gemacht. Auch jetzt noch, im Lockdown, dann aber nur mit einem vorherigen negativen Schnelltest. Das sei keine Selbstverständlichkeit und in anderen Kliniken oft nicht möglich gewesen, meint Dorow.

Der Betrieb im Klinikum lief während Corona weiter, ohne Schließung. Das war in manchen anderen Kliniken anders. Etwa in der Geburtshilfe am Schongauer Krankenhaus, die Ende vergangenen Jahres coronabedingt rund einen Monat lang dichtmachen musste. „Das hat für uns natürlich auch einige Geburten zusätzlich bedeutet“, sagt Dorow. Für den Geburtenrekord ausschlaggebend sei die Zahl der aus diesem Grund in Landsberg Gebärenden aber nicht.

Zudem gebe es diverse neue Serviceleistungen, sagt Dorow, die selbst Stillberaterin im Haus ist und in dieser Funktion seit einem halben Jahr auch stillende Mütter auf Station besucht, wenn diese das wünschen.

Zudem komme die Geburtshilfe auf der Premiumstation gut an, sagt sie. Hier gebe es ausschließlich Einbettzimmer, auf Wunsch könnten gegen Aufpreis auch Familienzimmer gebucht werden. Viele würden diesen Service nutzen. „Sie fühlen sich gut aufgehoben, haben einerseits die Sicherheit der Klinik, andererseits die persönliche Betreuung und eine Atmosphäre der Geborgenheit“, erklärt Dorow.

Nicht zuletzt könne man vielleicht auch von „Coronababies sprechen, die im letzten Jahr hier bei uns zur Welt gekommen sind“, schmunzelt Dorow. Schließlich seien die Leute mehr Zuhause und hätten mehr Zeit, sich auch schönen Dingen zu widmen.

Eine steigende Zahl der Geburten bedeute natürlich auch die Erfordernis einer personellen Aufstockung. „Mehr Geburten heißt mehr Hebammen“, so Dorow. Inzwischen arbeiten daher insgesamt 20 Hebammen, in Voll- oder Teilzeit, im Klinikum Landsberg. Zudem habe man in der Geburtshilfe auf einen Dreischichtbetrieb umgestellt, um eine noch intensivere Betreuung gewährleisten zu können.

Ein paar Abstriche

Allerdings sei durch Corona auch einiges ins Hintertreffen geraten. Wurden etwa die Infoabende für werdende Eltern noch vor kurzem auf einen zweiwöchigen Rhythmus umgestellt, um eine bessere Kommunikation zu gewährleisten, so sei hier gerade gar nichts möglich. Denn angesichts der steigenden Infektionszahlen sind alle öffentlichen Veranstaltungen im Klinikum abgesagt. So auch die Hebammen-Sprechstunde. Um die Informationen dennoch gewähren zu können, stehe jetzt für werdende Eltern ein Info-Film auf der Homepage zur Verfügung.

Vieles, was anfangs, als Corona neu war, noch eine große Herausforderung darstellte, sei mittlerweile Routine geworden. „Man wächst mit den Aufgaben“, sagt Dorow. Auch erforderten die neuen technischen Möglichkeiten in der Geburtshilfe ein geschultes Personal, das zudem immer wieder aufgestockt werde. Es sei ein „gemeinsames Miteinander-Wachsen und Aneinander-Gewöhnen“. Aber inzwischen seien alle gut aufeinander eingespielt. Eine wichtige Voraussetzung, um für weitere Geburtenrekorde gewappnet zu sein.
Andrea Schmelzle

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