Kein Kalb aus dem Kloster

Freikaufen gibt’s nicht!

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Die Ottilianer Kälbchen seien in einem modernen Strohtieflaufstall gut untergebracht, heißt es aus der Klosterökonomie, und nicht verkäuflich.

St. Ottilien – Ungewöhnliche Post hat kürzlich der Erzabt von St. Ottilien Wolfgang Öxler bekommen. Ein neunjähriges Mädchen bat ihn um seine Vermittlung. Die Kleine wollte unbedingt eines der Kälber aus der klösterlichen Landwirtschaft kaufen und es auf dem Gnadenhof Gut Aiderbichl unterbringen

Fanny hatte nach einem Sonntagsgottesdienst in der Klosterkirche gemeinsam mit ihrer Mutter den Kuhstall der Klosterökonomie besichtigt und war dabei zufällig Zeugin einer Geburt geworden. „Meine Mutter durfte sogar bei der Geburt helfen“, schreibt das Mädchen begeistert in einem dreiseitigen Brief an den Erzabt. Sie selbst durfte einen Namen für das neugeborene Kalb aussuchen: Antonella.

Zu gerne wollte Fanny den Mönchen ein Kälbchen abkaufen: "Flora", ein weibliches Zwillingskälbchen. Es ist für die Zucht nicht geeignet und wird wohl spätestens nach einem Jahr in den Schlachthof geführt. Doch auf dem Kälbermarkt in Weilheim suchte Fannys Mutter später vergeblich nach dem Tier. „Ich habe viele Jahre mein Taschengeld (1 Euro pro Woche) gespart für etwas ganz Besonderes“, schrieb das Mädchen an den Erzabt und setzte noch einen Appell drauf: „Sie haben ganz bestimmt ein großes Herz, sagt Mama, denn sie sind ja Mönch.“

Doch Herz war in diesem Fall nicht entscheidend. „Die verantwortlichen Mitarbeiter haben Dir und mir erklärt, dass es leider nicht mög­lich ist, Dir diesen Wunsch zu erfüllen“, schrieb Öxler zurück. Da die Klosterökonomie keine Tiere zukauft, ist dem Betrieb die eigene Zucht umso wichtiger. „Wir würden unsere Tiere schon gern selbst behalten“, erläutert Sprecherin Stefanie Merlin. Im übrigen seien die Kälber in einem modernen Strohtieflaufstall gut untergebracht. „Die Tiere in St. Ottilien leiden nicht und werden nicht gequält.“

(Anm. d. Red: Überarbeitet am 1. März, 7 Uhr)


Unter vier Augen im Münchner Café

St. Ottilien – Man wollte zumindest miteinander reden. Nachdem vor einigen Monaten Tierschützer die Bullenhaltung im Kloster St. Ottilien kritisiert hatten (der KREISBOTE berichtete), signalisierten beide Seiten noch Gesprächsbereitschaft. 

Daniela Böhm hat die Mastrinder-Protestwelle ins Rollen gebracht.

Tatsächlich aber konnte man sich bis heute nicht einmal auf einen Treffpunkt verständigen. Nun herrscht Funkstille. Die Geschichte ging im vergangenen November durch die regionale und überregionale Presse, und auch das Bayerische Fernsehen (BFS) berichtete. Eine Gruppe engagierter Tierschützer zog gegen die Zustände im klösterlichen Mast­bullenstall zu Felde und startete eine Petition im Internet. Das Veterinäramt wurde auf den Plan gerufen, fand aber keinen Grund zur Beanstandung. Im Rahmen des BFS-Beitrags luden die Mönche die Tierschützer um Daniela Böhm zu einem Gespräch ein. Böhm bat daraufhin schriftlich um einen Termin. Im Antwortschreiben teilte das Kloster ihr mit, man könne sich ein Treffen „nur unter vier Augen und an einem neutralen Ort“ vorstellen, „zum Beispiel in einem Café in München“. Im übrigen ändere die Gesprächsbe­- reitschaft nichts an der Ottilianer Position bezüglich der Tierhaltung im Bullenstall.

Böhm, die nur wenige Kilometer von St. Ottilien entfernt lebt, war befremdet. Mit dieser Form des Gesprächs sei sie nicht einverstanden, teilte sie der Erzabtei mit – zumal, wenn bereits klar sei, dass sich sowieso nichts ändern werde. Weitere Briefe und ein Anruf brachten keine Einigung zustande. „Wir fühlen uns total vor den Kopf gestoßen“, sagt Böhm. „Aber aufgeben wollen wir nicht.“ Die Episode um die neunjährige Tochter einer Tierschützerin, die eines des Kälbchen aus dem klösterlichen Stall „freikaufen“ wollte (siehe oben) war ebenfalls nicht dazu angetan, dass beide Seiten sich sympathischer wurden.

Die Ottilianer Pressesprecherin Stefanie Merlin teilt unterdessen mit, dass sich einzelne Unterzeichner der Online-Petition per E-Mail beim Kloster gemeldet hätten. Diesen habe man „viel erläutert und auch Bilder geschickt“. Manche hätten daraufhin ihre Kritik zurückgezogen.

Ulrike Osman

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