„Wir sind uns mit dem Herzschlag begegnet“, sagt Wagner über den Anfang ihrer Zusammenarbeit. Als Kloker Wagners EKG-Linien-Kunst 2013 sieht, fällt ihm das Pulsieren der Farbe in seinen Farblinien auf. Das aktuelle Projekt „Zeit ist.“ denken beide vom Ende her: Im März standen ihre eigenen, selbstgefertigten Särge beim Prolog „der sarg“ im raumB1 in Utting (der KREISBOTE berichtete), „der beste Anfang, um sich lebendig zu fühlen“, sagen beide.
In der Zedergalerie nehmen sie die Vernissage-Gäste mit auf zwei Performances. Die erste: „Axel ist.“ Die von ihm per EKG vom Körper abgenommene und ausgedruckte Pulslinie wird zerschnitten, die Einzelteile gerollt und jeweils mit blutrotem Bindfaden zusammengebunden, in Flaschen gesteckt – 57, für jedes Lebensjahr Wagners eine –, die im Kinderplanschbecken-Strudel einen Kreislauf beginnen. Weiter zu Kloker und seinem riesigen ‚Plastik-Herzen‘ aus gelbtransparenten Schutzanzügen, wie sie während der Coronapandemie die Ärzte tragen mussten. Damals liegt Kloker mit Herz-Vorhofflimmern in der Klinik und bittet die Ärzte, ihm diese ‚seine‘ Anzüge mitzugeben. In der Zedergalerie reicht Wagner Kloker den roten Hausmantel, Kloker kriecht durch die ‚Aorta‘ ins Herz, schaufelt Blut in Form von roten Stoffbahnen heraus. Ende.
Auch die anderen Installationen brauchen Zeit, sowohl in sich als auch, um sie zu erfassen. Die rote Linie mit Kerze und Aufschrift „10.08.“ wird Wagner an seinem Geburtstag, 10. August, überschreiten, „dazu gibt es eine kleine Feier“, lädt er ein. Kloker wird seine bekannten Tafelbilder – ein Malen mit einem nassen Schwamm auf einer leicht mit Kreide ‚bekritzelten‘ Tafel – zeigen: „Die Vergänglichkeit durch Vergegenwärtigung erfassbar machen“, wie Sonia Fischer es formuliert. Oder Kloker: „Das Nichts ist alles. Wir sind ja, können nicht Nichts sein.“
Fürs Fassbare hat Wagner sein „Millenium“, ein Tryptichon zum Jahrtausendwechsels, „als andere die Sektkorken knallen ließen“: 1.999 Striche im Dezember, Querstrich (der Moment), 2.000 Striche im Januar. Für Wagner ein „Zeit-Dokument“ – im wörtlichsten Sinne.
Die Arbeiten sind teils augenzwinkernde, teils staunende Annäherungen an die wabernde, schillernde Zeit. Die festgehaltenen Momente geben eine Ahnung von ihrem Entstehen, ihrem ‚Ist‘. Ein Konkretisieren kann nicht funktionieren, denn der Moment muss zeitlos bleiben.
Die Ausstellung ist zeitlich begrenzt: bis 30. September.