König aufm Wertstoffhof – Martina Schwarzmann in der Kulturarena: "So schee kon ’s Leb’n sei!"

In ihrem aktuellen Programm „So schee kons Leb’n sei“ entführt die bayerische Kabarettistin und Liedermacherin Martina Schwarzmann ihr Publikum in eine Welt, die jeder kennt, aber noch niemand so deutlich gesehen hat. So auch am Samstag in der ausverkauften Kulturarena Kaufering. Mit einem lockeren „Griaß Eich“ und ihrer Gitarre begrüßt sie das Publikum und freut sich riesig. Grund: „Immer wenn ich einen Auftritt hab, muass i auf koa Party.“

Außerdem hat Schwarzmann ein „bisserl Schnupfen, was aber eigentlich nur die vier Zuschauer in der ersten Reihe beunruhigen sollte“. Plötzlich ist man mitten drin in einer losen Aneinanderreihung von möglichen und unmöglichen Geschichten. In ihrem zweieinhalbstündigen Programm reißt sie ein Dutzend Themen an, mal als kleine Geschichte, mal als Gedicht, mal in ein Lied verpackt. Schwarzmanns Masche ist die vermeintliche Naivität, die es ihr erlaubt, auch derbe Sprüche loszulassen, ohne dass diese ordinär wirken. „Die Kunst ist es nicht, sich lustige Sachen auszudenken“, sagt die Trägerin des Bayerischen Kabarettpreises 2007, „die Kunst ist es, die Sachen, die ich überall erlebe, so zu erzählen, dass die anderen auch darüber lachen können“. Fesl und Söllner als Vorbild Die Inspiration findet Schwarzmann in ihrem privaten Umfeld, besonders in Überacker, einem kleinen Dorf bei Fürstenfeldbruck. Hier ist sie auf einem Bauernhof aufgewachsen, zwischen Kirchenchor und Schlagermusik – und mit zwei ganz großen Idolen, die geprägt haben: „Fredl Fesl und Hans Söllner waren in meiner Jugendzeit große Vorbilder, die ich mir Tag und Nacht angehört habe. Was anderes hat es bei uns kulturell sowieso nicht gegeben.“ Rundrum zufrieden und recht brav sieht sie aus, mit ihrer Zopffrisur und deshalb glaubt man ihr sofort wenn sie von sich behauptet: „Mir glangt das i woas wenn i wolln tat, aber i tuas net, weil i muass net, weil mir glangt, dass i woas, dass i’s kannt.“ Martina Schwarzmann erzählt vom „Wellnessen“ im Baye-rischen Wald, und ihren Erfahrun-gen im imaginären Koanampfing, „auf neudeutsch No Name City“, wo aus dem Metzgerwirt ein Wellness-Hotel mit dem selben Personal geworden ist. Sie verrät fiese Tricks, wie man Touristen auf dem Oktoberfest verarschen kann und begründet, warum man es als Liedermacher nur mit einem „Maikäferlied“ zu etwas bringen kann. Sie macht sich ihre Gedanken über den großen Wahnsinn im Kleinen, das Unheil in der vermeintlich heilen Welt. Zum Beispiel der Wertstoffhof, wo der Wertstoffhofkönig regiert, und wo man sich kaum hintraut mit seinem ganzen „Gelump“, weil man garantiert wieder irgendwo falsch sortiert hat und vom Re-cycling-Regenten deshalb gnaden-los vom Hof gejagt wird. Irgend- wann wird sie ihn vom Auftragskiller meucheln lassen, den Wertstoffhofkönig, verspricht Martina – und die Zuschauer würden wahrscheinlich am liebsten gleich mit dem Sammeln anfangen, damit das Geld für den Wertstoffhofkönigsmörder möglichst schnell zusammenkommt. „Es gibt Leute, die sind mit nix zufrieden und es gibt Leute, die sind zufrieden mit nix“, sagt Martina Schwarzmann. „So schee kon ’s Leb’n sei!“

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