Wo der Sport aufhört

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Landsberg – Tätlichkeit beim A-Jugend-Fußballspiel zwischen dem VfL Denklingen und der JFG Hungerbach in Oberhausen: Im Mai brach ein 18-jähriger Denklinger dem gegnerischen Torwart mit einer Kopfstoß die Nase und muss jetzt dafür büßen. Er wurde wegen Körperverletzung zu 100 Stunden sozialem Hilfsdienst und sozialem Intensivtraining bei der „Brücke e.V.“ verurteilt. Sein Kontrahent, der als Zeuge ebenfalls vor dem Amtsgericht Landsberg erschienen war, muss sich auch noch vor Gericht verantworten.

Von dem Angeklagten und zwei Zeugen, darunter ein Denklinger Spieler, hörte Richter Alexander Kessler drei verschiedene Versionen des Geschehens. Gegen Ende des normal verlaufenen Spiels, 2:0 für Denklingen, rollte der Ball in den Strafraum, der angeklagte Stürmer und der Torwart von Hungerbach rannten hinterher. Sie kollidierten und gingen wohl beide zu Boden, wobei sie sich leicht verletzten. Der Hungerbacher soll daraufhin dem Angeklagten von hinten seitlich mit der Hand ins Gesicht geschlagen und ihn beleidigt haben, wie der Denklinger aussagte. Der Stürmer bezeichnete den Schlag als „intensiv“, sein Teamkollege als „leicht“, der Torwart wollte sich dazu nicht äußern. 

Der gegnerische Spieler entfernte sich daraufhin, der Angeklagte soll ihn „zur Rede gestellt“, an den Schultern gepackt und umgedreht haben. Dabei seien ihre Köpfe „nicht absichtlich“ zusammengestoßen, wobei sich der Torwart das Nasenbein verletzte. Der Richter wollte dieser Aussage aber nicht so recht Glauben schenken und wertete sie nicht als Geständnis. Laut dem Torwart soll der Angeklagte ihn an Kopf und Hals gepackt und zu Boden gerissen haben, letzteres kann der andere Zeuge bestätigen. Dort wurde ihm angeblich eine Kopfstoß verpasst, was die Nasenbeinfraktur, eine Schwellung und eine Risswunde am Nasenflügel zur Folge hatte. Beide Spieler wurden vom Platz geführt und der Torwart ins Krankenhaus gefahren. Bei einer Verhandlung vor dem Sportgericht haben sie sich entschuldigt und ihnen wurde eine Spielsperre verhängt. 

Staatsanwalt Espenschied wertete die Aussage des Angeklagten als Geständnis, wenn auch beschönigt. Was man zudem berücksichtigen müsse, sei die vorhergegangene Provokation und dass die Verletzung nicht unbedingt beabsichtigt gewesen sei. Er hielt eine Strafe für unbedingt notwendig, denn „Strafbarkeit fängt an, wo Sport aufhört“. Er sah die Sperre schon als Strafe an und forderte „ausnahmsweise“ Hilfsdienste, was auch die Jugendgerichtshilfe, die nichts Negatives über den Angeklagten berichten konnte, empfahl. 

Rechtsanwältin Anita Trautwein wies zudem darauf hin, dass der Angeklagte sich sonst nicht so verhalte, er sei nie negativ aufgefallen, habe auch keine Vorstrafen und seine Schuld sei nur gering. Von einem Arrest rieten alle drei ab. Richter Kessler akzeptierte das „Wischiwaschi“ des Angeklagten doch als Geständnis und meinte, „keiner der beiden sei besser als der Andere“. Er kann die Aufgebrachtheit nach der Provokation nachvollziehen, wies den Angeklagten aber darauf hin, dass Selbstjustiz der falsche Weg sei. Der Angeklagte verzichtete auf Rechtsmittel, das Urteil ist also rechtskräftig.

Judith Rietzl

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