Kommentar

Etwas Menschlichkeit und Anstand genügen

Nicht nur der Selbstmord von Klaus Drössler ist verstörend. Auch viele Äußerungen danach sind es. Der Freitod des ehemaligen Geschäftsführers des Sozialzentrums St. Martin scheint Landsberg regelrecht zu spalten. Während sich Viele – zurecht – ein Innehalten wünschen, legen Andere einen Furor an den Tag, dem man möglicherweise irritiert gegenübersteht, der aber auch entsetzen kann. Wie groß die Verfehlungen waren, die Drössler sich zuschulden kommen lassen hat, wissen nur die Beteiligten.

Es sind ernste Vorwürfe dabei und es sind nicht Wenige, die sie bestätigen. Nichts von dem, was bisher bekannt oder auch nur kolportiert ist, rechtfertigt allerdings, was in den letzten Tagen geschehen ist. Über Drösslers Tod gehen einige ungefragte Stellungnahmen und Meinungsäußerungen lapidar, teilweise zynisch, hinweg.

An die drangsalierten Mitarbeiter denke jetzt keiner mehr, ein Täter habe sich zum Opfer machen wollen, ist einer der Vorwürfe. Dass dieser an einen Toten gerichtet ist, scheint dabei keine Rolle zu spielen. Auch dass von einer „Verzweiflungstat“ gar keine Rede sein könne, ist zu hören. Da habe sich jemand lediglich seiner Verantwortung entziehen wollen.

In der Tat: wie jeder Mensch, der seinem Leben ein Ende setzt, hat sich Klaus Drössler weiterem Zugriff entzogen. Welch abgrundtiefe Verzweiflung allerdings vor dem finalen Schritt in den Tod stehen muss, will mancher öffentliche Ankläger offenbar nicht mehr sehen, wenn zuvorderst bedauert wird, dass der Verstorbene jetzt „auch noch“ eine weitere Aufklärung verhindert habe.

Es wird in diesen Tagen viel über den Umgang eines Chefs mit seinen Mitarbeitern geredet. Wir müssen aber offensichtlich dringend über das generelle Miteinander in unserer Stadt nachdenken. „De mortuis nihil nisi bene“ – über die Toten nur Gutes, lautet die weise Maßregel seit römischen Zeiten. Ein Mitmensch und Mitbürger ist auf tragische Weise gestorben.

Klaus Drössler hinterlässt Familie und Freunde. Das sollte zu allererst Trauer und Mitgefühl auslösen, alles andere ist einfach nur respekt- und würdelos. Dazu muss man noch nicht einmal ein christliches Weltbild vertreten. Etwas Menschlichkeit und Anstand genügen.

Christoph Kruse

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