Sitzt der Falsche im Gefängnis?

Fall Ursula Herrmann: neue Indizien – Täter könnten Jugendliche gewesen sein

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Die zehnjährige Ursula Herrmann wurde von ihren Entführern im Weingartenwald zwischen Eching und Schondorf vom Fahrer gerissen.

Eching – Auch fast 38 Jahre nach dem Tod seiner Schwester Ursula lässt Michael Herrmann das Geschehen nicht mehr los. Schon lange ist er davon überzeugt, dass mit Werner M. der Falsche im Gefängnis sitzt. Jetzt legte Herrmann neue Indizien vor, die in eine ganz andere Richtung deuten. Ob der Fall jetzt allerdings neu aufgerollt wird, ist fraglich.

Im September 1981 wurde die damals Zehnjährige Ursula auf dem Nachhauseweg in Eching von ihrem Fahrrad gezogen und entführt. Die Polizei fand das Mädchen in einer Holzkiste eingesperrt, in der sie erstickte. Erst 2008 konnte die Polizei einen Tatverdächtigen festnehmen. Werner M. lebte im Nachbarort und wurde nach einem Indizienprozess wegen erpresserischen Menschenraubes mit Todesfolge zu lebenslanger Haft verurteilt. Bis heute bestreitet Werner M. etwas mit dem Verbrechen zu tun zu haben.

Auch Michael Herrmann glaubt nicht daran, dass der Richtige verurteilt wurde. Deshalb ließ er jetzt auch die Erpresserbriefe, die seine Eltern damals erhielten, untersuchen. Eine Expertin aus Großbritannien entdeckte darauf die Druckspur eines Wahrscheinlichkeitsbaums, eine Skizze aus der Stochastik, die am Gymnasium im Mathematikunterricht der Oberstufe gelehrt wird. Das könnte auf einen jugendlichen Täterkreis hinweisen. Genauer gesagt auf Schüler, die im ehemaligen Landeserziehungsheim Schondorf, einem Elite-Internat, gelebt haben.

Zudem wurde damals am Tatort ein grüner Klingeldraht gefunden, der als Warnsystem fungiert haben könnte. Eben dieser Draht tauchte 1983 bei zwei Schüler des Internats wieder auf. Dort habe die Polizei, so Herrmann gegenüber dem Bayerischen Rundfunk, kaum ermittelt, obwohl früh eine wichtige Spur dorthin geführt habe.

Herrmanns Anwalt, Joachim Feller, hat die neuen Indizien an die zuständige Staatsanwaltschaft in Augsburg weitergegeben. Der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft, Matthias Nickolai, bestätigt das zwar gegenüber dem KREISBOTEN, kann aber keine näheren Angaben dazu machen. „Die Prüfung, wie diese Unterlagen zu bewerten sind und welche strafrechtliche beziehungsweise strafprozessuale Relevanz sie haben, ist noch nicht abgeschlossen.“

Auch wenn Nickolai zum aktuellen Stand der Untersuchung nichts sagen kann, gibt er zu bedenken, dass das Ganze sehr komplex ist. Eine Wiederaufnahme des Verfahrens sei nicht so einfach. Zumal, selbst wenn Herrmann recht haben sollte und der oder die Täter noch auf freiem Fuß sind, mit einer Anklage müssten sie nach jetzigem Stand trotzdem nicht rechnen. Nickolai stellt klar, dass der Fall bisher rechtlich nicht als Mord qualifiziert, sondern als erpresserischer Menschenraub mit Todesfolge verurteilt wurde. Und im Gegensatz zu Mord, gibt es dafür eine Verjährungsfrist. Die endete nach 30 Jahren – also 2011.

Allerdings hält Herrmanns Anwalt dagegen. Für Feller sei eine Mordabsicht durchaus zu erkennen. „Wenn jemand einen Menschen sediert, und das offensichtlich nicht professionell, dann nimmt er es billigend in Kauf, dass diese Person stirbt.“ Deshalb könne man laut Feller von einer Vorsatzform ausgehen, die letztlich ein Mordmerkmal ist.

Ob es jetzt tatsächlich zu neuen Ermittlungen oder sogar einem neuen Verfahren kommt, ist fraglich. Feller selbst sieht die Chancen dafür tatsächlich als nicht sehr groß an. Er spricht davon, dass die Staatsanwaltschaft „nicht gerade mit allergrößtem Eifer“ an dem Fall dran sei. Was seiner Meinung nach eben daran liege, dass die Staatsanwaltschaft die Tat bisher nicht als Mord eingestuft hat und somit verjährt ist.

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