40 Jahre BN-Kreisgruppe

Man hat voneinander gelernt

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Originell: Ein Vorhang aus Müll schmückte beim BN-Jubiläum das Theaterfoyer.

Landsberg – Ein Vorhang aus Müll schmückt den Eingang ins Foyer des Stadttheaters, drinnen grüßen Abfalltüten und Atommüllfässer. Spätestens jetzt ist klar: Wenn die Kreisgruppe des Bund Naturschutz (BN) ihr 40-jähriges Bestehen feiert, geht es originell zu, und zwar nicht nur in Sachen Dekoration.

Auch das Programm auf der Bühne wich von dem ab, was man sich gemeinhin unter einem Festakt vorstellt – und erntete stürmischen Applaus.

Die Kreisgruppe beging neben ihrem eigenen runden Jubiläum auch das 100-jährige Bestehen des BN in Bayern. Dessen Landesbeauftragter Richard Mergner warf einen Blick zurück auf die Zeit ab 1913, als der BN als zunächst durchaus staatsnaher Honoratiorenverein unter dem Protektorat des Kronprinzen Rupprecht gegründet wurde. Die Natur als etwas Ungeordnetes zu sehen, das begradigt, entwässert und nutzbar gemacht werden müsse – diesem Denkansatz trat man entgegen, damals wie heute.

Geändert hat sich trotzdem viel. „Der BN ist heute völlig unabhängig, basisdemokratisch und transparent“, unterstrich Mergner. Den Ortsgruppen in jeder dritten bayerischen Gemeinde gehören rund 200000 Menschen an. „Damit haben wir deutlich mehr Mitglieder als die CSU“, so der Landesbeauftragte augenzwinkernd. Das Kriegsbeil, etwa aus der Zeit der Proteste gegen die geplante Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf, hat man weitgehend begraben.

Dies betonte auch der stellvertretende Landrat Peter Ditsch in seinem Grußwort. Kommunalpolitik und Naturschützer befänden sich nicht mehr in feindlichen Lagern. Man habe voneinander gelernt, „vielleicht wir mehr von Ihnen als Sie von uns“. Ditsch lobte den Bund Naturschutz als „unabhängige, kreative Stimme der Natur“.

Heute kooperieren Behörden und BN. So ist die Kreisgruppe an der Erarbeitung des Landkreis-Klimaschutzkonzepts beteiligt, und das Landratsamt sorgt dafür, dass das vom stellvertretenden BN-Kreisvorsitzenden Peter Satzger entwickelte interaktive Modell eines Energiespardorfes an die Schulen kommt. Satzger und seine Frau Ruth wurden für ihr langjähriges Engagement von Mergner mit dem Vereinsabzeichen in Silber geehrt.

Jongleur Xaver Ermann stellte mit Bällen und Keulen dar, was Kreisvorsitzender Folkhart Glaser in mitreißende Worte packte: die Geschichte des BN im Landkreis. Von der Verhinderung eines Chemiewerks über den Sieg des besseren Müllkonzepts bis hin zur Tieferlegung der B17neu reichten die Erfolge. Nicht verhindern konnte der BN allerdings die Ansiedlung des Klausner-Großsägewerks im Frauenwald – dies trotz geradezu filmreifer Einfälle. Glaser berichtete, wie ein als Handwerker verkleideter BN-Aktivist sich Zugang zum abgeriegelten Firmengelände verschafft habe und wie eine Gruppe Radlerinnen durch den Wald patroullierte, um den Beginn den Baumfällarbeiten zu melden, die der BN dann per richterlicher Eilentscheidung stoppen ließ.

Anschließend bewies der pensionierte Schulleiter, Glaser, mit einem umgetexteten Couplet von Otto Reutter auch noch sein Gesangstalent, bevor das begeisterte Publikum mit einem gespielten Atomunfall in die Pause geschickt wurde. Den zweiten Teil des BN-Jubiläumsabends bestritt die großartige Musikkabarett-Formation Mistcapala.

Ulrike Osman

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