Neue Schule mit neuem Konzept

Neubau des Rhabanus-Maurus-Gymnasium in St. Ottilien angedacht

+
Neben dem Neubau aus den 70er Jahren (Foto) müsste bei der jetzt angedachten Bauidee auch das ehemalige Schwesternwohnheim von 1900 abgerissen werden.

St. Ottilien/Landkreis – Die Bausubstanz ist marode: energetisch ein wahres Desaster. Eine Sanierung kommt nicht mehr in Frage. Deshalb soll alles weg: der Neubau von 1975 genauso wie das nicht denkmalgeschützte ehemalige Schwesternwohnheim von 1900. Der komplette Neubau des Rhabanus-Maurus-Gymnasiums in St. Ottilien soll knappe 40 Millionen kosten. Ob er möglich ist, wann er, wenn überhaupt, begonnen werden kann und wer was finanziert, steht noch in den Sternen.

Träger des Gymnasiums ist das Schulwerk der Diözese Augsburg. Das nun den Komplettneubau andenken und dafür in Gespräche mit dem Träger und Gebäudeeigentümer des Tagesheims, der Erzabtei St. Otttilien, sowie möglichen Mitfanzierern wie dem Landkreis Landsberg eintreten möchte. Die Entscheidung für den Neubau fiel, nachdem die Ergebnisse einer 2017 in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie im Oktober feststanden: miserable Dämmung – ein energetisches No-Go, insbesondere bei dem Bau aus den 70ern. Mit dem Neubau gehe es „um eine nachhaltige Bauweise“, konkretisiert Schulwerksleiter Oberstudienrat Peter Kosak: „Die Bausubstanz ist zwar nicht marode, aber in Anbetracht der Gesamtlage – notwendige energetische Sanierung, Heterogenität der vorhandenen Baukörper und mehr – ergibt sich in der Gesamtbetrachtung die Empfehlung eines Neubaus.“

Noch gebe es einige Vorbehalte zu klären, bremst Kosak. Das Schulwerk ist zwar Träger des Gymnasiums. Eigentümer der Liegenschaften und Träger des Tagesheims für die Nachmittagsbetreuung der Schüler ist aber die Erzabtei St. Ottilien. Durch den Neubau werde diese geteilte Trägerschaft fraglich. sagt Kosak. Denn im Zuge des Neubaus soll sich auch das Konzept ändern: „Wir wollen ein neues Modell“, so der Schulwerksleiter. Zwei Tage pro Woche soll ein Ganztagesunterricht eingebaut werden, die restlichen drei Tage sind freigestellt: Die Schüler können die Ganztagsschule in Anspruch nehmen, müssen aber nicht. „Wir integrieren damit das Ganztagsmodell fest in den Schulalltag.“ – eine bessere Verzahnung. Aber dafür müsse aus organisatorischen und auch pädagogischen Gründen die Trägerschaft in einer Hand liegen.

Das hieße konkret, dass die Benediktiner ihre Trägerschaft des Tagesheimes, die immerhin schon seit 40 Jahren besteht, abgeben müssten. Und das, nachdem bereits das Internat, ebenfalls in Trägerschaft des Konvents, vor zwei Jahren mangels Bedarf weggefallen ist.

Zwar hat die Erzabtei als Eigentümer der Gebäude dem Abriss und Komplettneubau nicht widersprochen. „Aber man sollte nicht die Felle von Bären verkaufen, die man noch nicht geschossen hat“, mäßigt der Cellerar der Erzabtei Bruder Josef Götz, zuständig für die wirtschaftlichen Aspekte des Klosters. „Wir haben zugestimmt, in diese Richtung zu denken.“ Man müsse aber zwischen Wunschdenken und Realität unterscheiden. Zudem hätten ja auch die Geldgeber noch nicht Ja gesagt. Und auch über einen Wechsel der Trägerschaft werde noch innerhalb der betreffenden Gremien im Kloster verhandelt.

Diese liebgewonnene Tradition aufzugeben, habe Vorteile und Nachteile, meint Götz. Man habe im Tagesheim derzeit 200 Schüler, „das läuft gut, eigentlich kein Anlass, was zu ändern“. Auch die Zusammenarbeit mit dem Schulwerk läuft reibungslos. Allerdings sei eine einheitliche Schule bei gemeinsamer Trägerschaft leichter zu planen, sowohl bürokratisch als auch pädagogisch. „Und auch der Staat bewilligt mehr, wenn es ein Gemeinschaftskonzept ist.“ Der benediktinische Grundgedanke hinsichtlich des pädagogischen Konzepts werde dabei nicht verlorengehen. „Es werden auch weiterhin Brüder des Konvents dort unterrichten.“ Insgesamt wolle man gemeinsam eine Entscheidung zum Wohl der Kinder finden. „Es geht hier nicht um einen Wettkampf.“

Die Gespräche zwischen Schulwerk und Landkreis Landsberg, neben dem Staat der weitere mögliche Mitfanzierer, sind ebenfalls schon länger im Gange: Ein Großteil der Schüler des Gymnasiums kommen aus dem Landkreis. „Das Thema Rhabanus-Maurus-Gymnasium wird wohl im Rahmen der Haushaltsberatungen für 2019 im Finanzausschuss/Kreisausschuss im Dezember und letztlich im Kreistag behandelt werden“, informiert Pressesprecher des Landratsamtes Wolfgang Müller. Ein genauer Termin „und natürlich auch die Höhe“ einer möglichen Mitfinanzierung ständen noch nicht fest. Auf eine mögliche Beteiligung des Landkreises Landsberg angesprochen, antwortet Kosak, man müsse abwarten. Auch wenn bisher keine Negativsignale zu hören waren, müsse ja der Kreistag zustimmen. Und „Demokratie ist nicht immer berechenbar.“

Kommt der Neubau, existiert für dessen Ablauf bereits ein detaillierter Plan, berichtet der Schulwerksleiter. Dabei würden immer nur Teile des Gebäudes abgerissen und dann „sukzessive wieder aufgebaut. Dadurch, dass eine ziemlich große Baufläche vorhanden ist, wäre dies aus bautechnischer Sicht sehr gut möglich.“ Die Schüler müssen also nicht auf eine andere Schule ausweichen. Und ‚baufrei‘ bekommen sie erst recht nicht.

Susanne Greiner

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Corona-Ampel steht im Landkreis Landsberg auf Rot - Jetzt auch Maskenpflicht im Freien
Corona-Ampel steht im Landkreis Landsberg auf Rot - Jetzt auch Maskenpflicht im Freien
Noch alle Latten am Zaun im Fuchstal?
Noch alle Latten am Zaun im Fuchstal?
Fast kein Durchkommen am Dießener Bahnübergang
Fast kein Durchkommen am Dießener Bahnübergang
Landsberg freut sich auf das Parkhaus im Jesuitenviertel
Landsberg freut sich auf das Parkhaus im Jesuitenviertel

Kommentare