Beifall für Lizaveta Loban

Musikstudentin aus Weißrussland gewinnt den Orff-Wettbewerb

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Strahlende Sieger des Carl Orff-Kompositionswettbewerbs vor einer Orpheus-Skulptur: Moderatorin Elgin Heuerding, Max-Lukas Hundelshausen (2. Platz und Publikumssieger), Lizaveta Loban (1. Platz) und Mona Rasenberger (3. Platz).

Dießen – Nach der Schrecksekunde brach sie in Jubel aus: Lizaveta Loban (21), Musikstudentin aus Weißrussland, wurde unter dem Beifall der Besucher im ausverkauften Dießener Traidtcasten zur Siegerin des Carl Orff-Kompositionswettbewerbs mit einem Preisgeld von 5.000 Euro gekürt. Der 2. Platz (3.000 Euro) und zusätzlich der Sieg bei der Publikumsjury ging nach Deutschland an den Komponisten Max-Lukas Hundelshausen (27) aus Detmold. Mona Rasenberger (56) aus München, Musikpädagogin und Komponistin, freute sich über den 3. Preis mit immerhin 1.000 Euro.

Bereits zum dritten Mal hat der Verein Carl Orff-Competition diesen weltweit ausgeschriebenen Wettbewerb im Rahmen des Carl Orff-Festes Andechs & Ammersee durchgeführt. 115 Komponisten aller Couleur hatten Werke eingereicht, die dem vorgegebenen Thema entsprechen mussten. Ein Ausschnitt aus dem Gedicht „Orpheus, Eurydike, Hermes“ von Rainer Maria Rilke musste vollständig in die Instrumentierung von Harfe beziehungsweise Klavier, Rahmentrommel und Bariton oder Sopran eingearbeitet werden. Es begann mit „Sie war schon nicht mehr diese blonde Frau“ und endete mit „Sie war schon Wurzel“. Die Kompositionsbeiträge wurden online veröffentlicht und von über 150.000 Usern der Website beurteilt. Damit ist dieser Wettbe­werb laut Organisator Gerhard Müllritter der weltweit erfolgreichste im klassischen Genre.

Die vom Online-Publikum und einer Jury ausgewählten zehn Finalisten wurden nach Dießen eingeladen, darunter Komponisten aus Russland, Weißrussland, Griechenland und Venezuela. Ein hochkarätiges Ensemble studierte mit ihnen die Werke für die deutschen Uraufführungen ein, wie die Harfenistinnen Maria-Theresia Freibott und Claire Augier de Lajallet, Margarita Oganesjan (Klavier) und Christian Benning (Rahmentrommel). Für den Gesang sorgten Anna-Maria Palii (Sopran) und Wiard Withold (Bariton), zwei außergewöhnliche Talente.

Elgin Heuerding, bekannte Konzert- und Hörfunkmoderatorin, führte charmant und fachkundig durch das Programm. Vor den Darbietungen interviewte sie die drei Komponistinnen und sieben Komponisten. Dabei zeigten sich die unter­schied­lichen Studien und Berufswege. Ob Moskauer Tschaikowsky-Konservatorium, Jazz-Konservatorium in Prag, Kantor und Organist in der Hannoverschen Landeskirche oder Lehrkraft im Münchner Max Josef-Stift – die Wege zum erhofften musikalischen Ruhm sind so vielfältig wie die dargebotenen Werke. Viele der Finalisten haben bereits Preise gewonnen. Wie der Zweitplatzierte und Publikumssieger Max-Lukas Hundelshausen als zwölffacher Preisträger im Landeswettbewerb „Jugend musiziert“, Ricardo Teruel aus Caracas mit 23 nationalen und internationalen Kompositionspreisen oder Oliver Wanke als Gewinner des Gustav-Mahler-­Wettbewerbs.

Während die Publikumswahl recht eindeutig auf Hundelshausen ausging, hatte es die Fachjury nach den bemerkenswerten Darbietungen nicht leicht, sich für die drei Erstplatzierten zu entscheiden. Prof. Wilfrie Hiller (Carl Orff-Schüler), Peter Michael Hamel (Bayerische Akademie der Schönen Künste) oder Dr. h.c. Walter Haupt (bekannt durch seine Opern-Inszenierungen auf dem Münchner Königsplatz) einigten sich auf die Weißrussin Lizaveta Loban als Gewinnerin. Vor einer Orpheus-Skulptur der Künstlerin Antje Tesche-Mentzen nahm sie gerührt Urkunde und Geldpreis vom Wettbewerbs-Organisator Gerhard Müllritter und Festveranstalter Florian Zwipf-Zaharia entgegen.

Vor dem Konzertabend konnten die Finalisten das Carl Orff-Wohn- und Arbeitshaus „Ziegelstadel“ in St. Georgen besichtigen. Hundelshausen stand ehrfürchtig im Arbeitszimmer von Carl Orff: „Der Raum strahlt so viel Energie aus und gibt mir eine unglaubliche Kraft und Inspiration“.

Dieter Roettig

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