Man muss ja nicht gleich Nein sagen

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Drei Fahrzeuge der neuen Stadtbusgeneration sollen mit Diesel laufen, die anderen jedoch mit Hybridantrieb – so will es der Stadtrat.

Landsberg – Dietmar Winkler war an diesem Abend ganz offensichtlich doppelt verschnupft – sprichwörtlich und im wahrsten Sinn des Wortes. Der Nahverkehrsexperte des Landkreises machte sich im Stadtrat zum wiederholten Mal dafür stark, den Stadtbusverkehr weiter mit Dieselfahrzeugen zu betreiben. Alle Mühen und sein „letztes Wort“, dass solche Busse aktuell der „beste Kompromiss“ seien, verfehlten die Wirkung. Einstimmig sprachen sich die Ratsmitglieder für je drei Fahrzeuge mit Diesel- und Hybridantrieb aus.

Das letzte Wort ist damit aber noch nicht gesprochen. Grund: Aufgabenträger für den Stadtbusverkehr, dessen Konzession das Landsberger Busunternehmen Eisele seit über zwei Jahrzehnten innehat, ist der Landkreis. Er koordiniert diesen Bereich des ÖPNV, trägt zur Hälfte die Verluste und ist vor allem für das Vergabeverfahren zuständig; und ist mit den Stadtentscheidungen alles andere als einverstanden. Nachdem sich Landsbergs Ratsmitglieder Ende September für sechs neue Hybridbusse ausgesprochen hatten, brachte Landrat Thomas Eichinger (CSU) im Kreisausschuss unmissverständlich zum Ausdruck, was er davon halte: diese Technik sei „teurer und krankheitsanfälliger“ als die herkömmliche, sagte er. 

Sollte der Landkreis etwa dagegenhalten und trotz der neuerlichen Entscheidung im Rathaus aus der Kooperation aussteigen? Das ist kaum vorstellbar, aber immerhin ein Szenario, mit dem man sich auch bei einer Dreier-Lösung beschäftigen müsse, meinte Haushaltsreferent Christian Hettmer (CSU). Bei einem Nein des Kreises die Aufgabenträgerschaft selbst zu übernehmen, sei allein aus wirtschaftlicher Sicht nicht zielführend. Hettmer schlug als „Back- up-Lösung“ sechs Dieselbusse vor und stieß damit auf teils heftige Gegenwehr im Stadtrat: Damit würde man das Heft ja komplett aus der Hand geben. Dennoch: Mit 14:14 scheiterte der Vorschlag denkbar knapp. „Dann lassen wir uns mal überraschen, was passiert“, kommentierte OB Mathias Neuner (CSU) das Abstimmungsergebnis mit Blick auf die nächste Sitzung des Kreisausschusses am 10. November. 

Nicht optimal 

Dann wird Dietmar Winkler gewiss seine Bedenken gegen die Einführung der Hybridtechnik im Stadtbusverkehr wiederholen – wie jetzt im Stadtrat. Für den ÖPNV-Experten ist es nichts anderes als eine „Übergangstechnologie zum E-Bus“, für deren Einsatz die Topografie von „immenser Bedeutung“ und in Landsberg alles andere als optimal sei. Mehr noch: Die hohen Anschaffungskosten (pro Fahrzeug 100000 Euro mehr) könnten durch die Kraftstoffeinsparung (20 Prozent weniger) nicht amortisiert werden, und auch das Ende der staatlichen Förderung im Dezember 2017 werfe aus finanzieller Sicht Fragen auf. 

Als „absolutes Hauptkriterium“ gegen den Kauf von Hybridfahrzeugen aber spreche die Verfügbarkeit. „Die Technik kämpft mit diversen Problemen“, warnte Winkler, „bei Software ebenso wie bei Ersatzteilen“. An die Adresse all jener, die gerne an das Klimaschutzkonzept des Landkreises Landsberg und den darin festgeschriebenen umweltfreundlichen ÖPNV erinnerten, richtet er seine Einschätzung in punkto CO2-Einsparung: „nicht gewaltig“. Einzig die geringe Geräuschkulisse innen wie außen beim Hybridantrieb sei positiv zu bewerten. 

Absolut nicht einverstanden mit Dietmar Winklers „letztem Wort“ und seinen Ausführungen zeigten sich allen voran die Stadträte Stefan Meiser (ÖDP) und Wolfgang Weisensee (Landsberger Mitte). Sie warteten mit ausführlichen Vergleichen von Diesel- und Hybridantrieben auf. „Ich könnte Ihnen eine Studie zeigen, die genau das Gegenteil beweist“, sagte Meiser zu Winkler. Und Weisensee kam in seiner Betrachtung ebenfalls zu einem „deutlich besseren Ergebnis“, als es die Stimmungslage beim Landkreis beschreibt: „Mit dem richtigen (Hybrid-, d. Red.)Bus für die richtige Strecke kommt man auf 93 Prozent Verfügbarkeit“. 

Gleichwohl: Eine vollständige Umstellung auf Hybrid, wie noch Ende September in einer „Bauchentscheidung“ (Dieter Völkel, SPD) beschlossen, hält im Stadtrat jetzt niemand mehr für sinnvoll. Deshalb muss man aber nicht gleich grundsätzlich Nein sagen, so der Tenor. Um die Fristen für die europaweite Ausschreibung des Stadtbusverkehrs mit zehnjähriger Laufzeit einzuhalten, muss die Busentscheidung noch in diesem Jahr fallen.

Toni Schwaiger

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