Dießen wird Touristen-Magnet

Vom See direkt zum Münster

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So stellen sich die Planer die U-Bahnstation an der Seepromenade gegenüber dem Dampfersteg vor. Der futuristische Bau füge sich harmonisch zwischen Kunstpavillon und Kiosk ein. In nur fünf Minuten ginge es von hier direkt zum Marienmünster.

Dießen – Gerade haben sich die Wogen bezüglich des Bürgerbegehrens Seekiosk und des umstrittenen Ausbaus der Wolfsgasse einigermaßen geglättet, da steht neuer Diskussionsbedarf ins Haus. Wie der KREISBOTE aus zuverlässiger Quelle erfahren hat, ist eine U-Bahnlinie vom Dampfersteg direkt zum Marienmünster angedacht, das in eine Bier- und Ausflugshochburg nach dem Vorbild von Andechs umgestaltet werden soll.

Ausgerechnet bei einem konspirativen Treffen im Andechser Bräustüberl saß ein aufmerksamer Bürger vom Ammersee-West­ufer am Nebentisch und konnte drei Männer belauschen: Dießens Bürgermeister Herbert Kirsch, Pfarrer Josef Kirchensteiner vom Marienmünster und Ex-Pater Anselm Bilgri, der einst das Benediktinerkloster Andechs zur weltberühmten Bier- und Brotzeit-Oase machte.

Wie Pfarrer Kirchensteiner ausführte, ärgere er sich jeden Tag nach der Morgenandacht, wenn er den Taubenturm hochsteigt und nach Andechs rüberblickt, wo bereits die ersten Touristenbusse ankommen. So reifte in den letzten Monaten der Plan, den Traidtcasten in ein uriges Lokal umzubauen und die große Wiese vor dem Münster in den Sommermonaten als Biergarten zu nutzen. Als Zugpferd wolle er eine Brauerei angliedern, die besondere Biere wie einen „Marienbock“ braut. Alles solle in einem finanziell erschwinglichen Rahmen geschehen, um etwaige Vergleiche mit dem Protzbischof Tebartz-van-Elst zu vermeiden.

Um aus diesem Gedankenspiel ein professionelles Konzept zu machen, heuerte Kirchensteiner den Ex-Andechser Anselm Bilgri an, der heute als Unternehmensberater tätig ist. Herausgekommen ist ein 30-seitiges Exposé, das er bei Bier und Schweinshaxn Marktbürgermeister Kirsch präsentierte. Ein Exemplar rutschte beim Essen unter den Tisch, wo es der unfreiwillige Zuhörer am Nebentisch später fand und dem KREISBOTEN zuspielte.

Ein Stein bzw. Felsbrocken des Anstoßes darin dürfte der verwegene Plan sein, eine U-Bahnlinie direkt vom Dampfersteg zum Marienmünster zu bauen. Damit könnten die Touristenströme gleich nach der Ankunft in die neue Bierhochburg geleitet werden, ohne Ablenkung durch die Lokale, Cafés oder Eisdielen auf dem 1,2 Kilometer langen Fußmarsch bis zum Münster. Dass man beim Tunnelbau die gerade fertig gestellte Mühlstraße wieder aufreißen müsse, sei bedauerlich, aber nicht zu verhindern, so Bürgermeister Kirsch.

Musterstrecke

Anselm Bilgri hat in dem Konzept auch gleich eine Finanzierungsmöglichkeit für die rund 100-Millionen-Euro teure U-Bahnstrecke mitgeliefert. Er habe beste Beziehungen zu einem Chinesischen U-Bahn-Consortium, das in Europa ins Geschäft kommen wolle und daher eine Musterstrecke brauche. Dießen bekäme seine U-Bahn also umsonst und die Hotellerie würde von den vielen Fachbesuchern aus ganz Europa profitieren.

Bei der Schlösser- und Seenverwaltung habe Bilgri bereits vorgefühlt. Hier zeigte man sich erstaunlicherweise aufgeschlossen, da man mit einer U-Bahn am See ein weltweit einmaliges Projekt mit großer medialer Aufmerksamkeit bekäme, im Gegensatz zum Kiosk, der nur Ärger mache. In die derzeitige Planung der Neugestaltung der Seeanlagen könne man die U-Bahnstation noch locker berücksichtigen. Auch die Bayerische Seenschifffahrt sei begeistert. Man wolle den Dampfersteg dann sogar bis 21 Uhr anfahren.

Auf die Pläne angesprochen reagierten Dießener Wirte unterschiedlich. Martin Brink, Wirt vom Unterbräu und Gemeinderat, zeigt sich empört und wolle sein Mandat sofort niederlegen, falls das Konzept in den Ausschüssen beraten wird. Ganz anders die Reaktion von Michaela Schröfl und Michael Risch vom Lokal Michi-hoch-Zwei, die sich sofort für die Gastronomie im Marienmünster bewerben würden. Claus Bakenecker und Martin Hug vom Craft Bräu würden ebenfalls auf Dießens neuen „Heiligen Berg“ ziehen, um dort ihr beliebtes Bier zu brauen.

Um 11 Uhr am Steg

Am kommenden Freitag gibt es übrigens um 11 Uhr am Dampfersteg die einmalige Chance, das erste Fass „Marienbock“ von Craft Bräu gratis zu testen. Freibier-Freunde und sowohl Befürworter als auch Gegner von U-Bahn und Bierhochburg sind willkommen.

Interessant in dem Geheimpapier ist eine Alternative zur U-Bahn. Man könne auch eine Gondelstrecke zum Marienmünster bauen. Durch das Umlaufsystem zuckle immer wieder eine neue Gondel heran. Die Touristen müssten nie warten und könnten zudem eine tolle Aussicht auf Dießen genießen. Wermutstropfen beim Gondel-Plan: Die Kosten von rund zwölf Millionen Euro müssten sich Gemeinde und Kirche teilen, während es die U-Bahn umsonst gäbe.

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Dieter Roettig

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