Die Macht der Zärtlichkeit

Konstantin Weckers Ode an die Poesie

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Konstantin Wecker und Jo Barnikel am Klavier begeisterten in Hurlach.

Hurlach – Wenn Konstantin Wecker zum Abschluss des Konzertes singend durchs Publikum schreitet, hat das fast etwas von einem Guru. Heilsversprechen sind aber sicherlich das Letzte, das Anarchist Wecker seinen ‚Jüngern‘ aufdoktrinieren würde. Geschweige denn eine Doktrin. Vielmehr scheint er das Miteinander zu zelebrieren. Der bald 72-jährige Liedermacher, früher leidenschaftlicher Macho, hat den Macho abgelegt. Die Leidenschaft ist geblieben.

Es gehöre Mut dazu, als CSU-Politiker Konstantin Wecker einzuladen, scherzt Landrat Thomas Eichinger zur Begrüßung des Konzertes im Rahmen der Kreiskulturtage. „Danke für den Mut, mich einzuladen“, kontert Wecker. Und macht gleich seine politische Haltung deutlich: mit dem „Willy“, das Lied über den Freund, der von den Nazis erschlagen wurde – allerdings in aktualisierter Form. Da geht es um „braune Brühe“, die Landstriche überschwemmt, oder um die „verunsicherten Männlein wie Strache, Erdogan und Söder“. Was tun? Wecker pocht aufs Zusammenhalten. Und auf die Kraft der Poesie. Die habe schon Novalis in seinem Romantik-Programm propagiert – Bemerkungen, die sein Publikum verstehe, flachst Wecker selbst über die „anwesenden Germanisten und Deutschlehrer“. Kann die Poesie das leisten? Aber sicher! „Nur ein poetischer Film und der Strache ist weg.“

Das rund dreistündige Konzert füllt der Liedermacher mit Jo Barnikel am Piano mit Gedichten und Liedern, wenige aus seiner 80er ‚Sturm und Drang-Zeit‘, mehr aus der Milleniumsperiode. Er dankt seinem Vater, seinen Kindern, spricht aber auch über seine Drogenvergangenheit, „als ich im Nerzmantel durch München gelaufen bin, um wie ein Zuhälter auszusehen“. Und er erzählt von verstorbenen Freunden wie Hildebrandt, Hans Peter Dürr, auch Werner Schneider: „Wir sind uns fast an die Gurgel gegangen im Streit darüber, wer von uns der Demütigere ist.“ Wecker wirkt geläutert, fast weise. Und, unglaublich: schwitzt kaum.

Bis nach der Pause bleibt es eher ruhig. Sind doch Weckers Fans auch nicht mehr zwanzig. Dass in dem Liedermacher aber immer noch unbändige Energie steckt, zeigt sich gegen Konzertende: beim bayerischen „Wehdam“-Blues, den er mit Barnikel nahezu zelebriert. In einem Aufruf zum Ungehorsam. In Worten wie „Wo alles dunkel ist, macht Licht“. Und in seiner Leidenschaft für die Leidenschaft, wenn er Lucio Dallas „Caruso“ singt. Seine Gäste jubeln, jauchzen, spenden mehrmals stehende Ovationen. Also doch der Guru? Nein, eher ein Schelm. Der sich zum Abschluss, scheinbar schüchtern auf der Bühne stehend, vom Publikum eine Liebeserklärung singen lässt.

Susanne Greiner

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