Die Kontakte nehmen zu – Caritas-Suchtberatung: Zwei Drittel der "Besucher" sind Männer

Es ist nicht gerade das, worüber man gerne in der Öffentlichkeit spricht. Doch immer mehr Menschen haben mit Suchtproblemen unterschiedlichster Art zu kämpfen. Für Betroffene ist die Psychosoziale Beratungs- und Behandlungsstelle für Suchtfragen der Caritas in Landsberg eine hilfreiche Anlaufstelle. Hier erfahren sie professionelle Hilfe durch Sozialpädagogen und Psychologen, die helfen, mit dem Suchtproblem fertig zu werden. Dabei ist das Team bemüht, auf die immer neuen Herausforderungen zu reagieren und neue Schwerpunkte bei der Betreuung zu setzen. So wird seit kurzem das betreute Wohnen für Menschen mit Suchterkrankungen angeboten und seit Juni trifft sich eine Selbsthilfegruppe für Menschen, die unter Spielsucht leiden.

Laut Beratungsstellenleiterin Susanne Klein kann die Landsberger Einrichtung mit einer Außenstelle in Dießen deutlich mehr Kontakte verzeichnen als noch in den Jahren zuvor. Dies liege aber nicht zwingend daran, dass deutlich mehr Menschen unter einer Suchterkrankung leiden, sondern dass das Angebot der Suchtberatung zugenommen hat und damit auch mehr Menschen Kontakt mit der Beratungsstelle aufgenommen haben. In der Summe hatten laut Klein im vergangenen Jahr 637 betroffene Personen oder deren Angehörige einen oder mehrere Termine in der Beratungsstelle, rund 4500 Kontakte fanden statt. Schwerpunkt bilden mit über 60 Prozent Menschen, die Alkoholprobleme haben, gefolgt von Drogen (21,9 Prozent), Cannabis (11,5) und Glücksspiel (2,1). Auffällig sei, dass gut zwei Drittel der Betroffenen Männer seien. Dies liege vor allem daran, dass Männer eher Suchtprobleme entwickelten als Frauen, so die Sozialpädagogin. „Frauen leiden eher unter psychosomatischen Beschwerden und gehen lieber zum Arzt als zu einer Suchtberatungsstelle.“ Um immer mehr Menschen helfen zu können, baut die Beratungsstelle ihr Angebot weiter aus. So auch das „Betreute Einzelwohnen für Menschen mit Suchterkrankung“. Betreut werden die Betroffenen von Sozialpädagogin Claudia Mühlendyck. Keine leichte Aufgabe, leiden diese Menschen bereits lange an chronischer Abhängigkeit. Jeweils drei Stunden pro Woche verbringt Mühlendyck mit ihren Schützlingen. Dabei besucht sie sie zu Hause, um vor Ort Hilfs- und Unterstützungsmöglichkeiten aufzuzei- gen. Die Hilfe reicht dabei von Anträgen ausstellen bis hin zur Begleitung bei Arztbesuchen. In der Regel werden die Betroffenen so erstmal für ein Jahr betreut, was sich bei Bedarf auch verlängern kann. Dieses ist wichtig und nötig, denn: „Rückfälle sind bei diesen Menschen die Regel und nicht die Ausnahme“, so Mühlendyck. Außenstelle stärken Einen weiteren Schwerpunkt stellt aktuell der Ausbau der Außenstelle Dießen dar. Was im Oktober vor zwei Jahren mit 3,5 Stunden die Woche begann, ist inzwischen auf 30 Stunden angewachsen, berichtet die für Dießen zuständige Sozialpädagogin Henrike Grell. Vor allem müsse jetzt wegen der steigenden Nachfrage auch hier eine Motivationsgruppe aufgebaut werden. Sie bietet all jenen die Möglichkeit, erste Informationen zu erhalten, die sich mit ihrem Alkohol- problem auseinandersetzen wollen oder müssen, so Grell. Dabei sollen und können in die Gruppe eigene Erfahrungen eingebracht werden. Ziel ist es, sich für ein Leben ohne problematischen Alkoholkonsum zu motivieren sowie eine kritische Betrachtung der eigenen Einstellung und des eigenen Konsumverhaltens. Neu in der Ammerseegemeinde hinzugekommen ist die Durchführung von ambulanter Rehabilitation vor Ort. Ziel ist es, die Betroffenen bei entsprechender Voraussetzung so zu betreuen, dass sie weiterhin ihrer Arbeit nachgehen können und dabei die psychische und körperliche Gesundheit gefördert beziehungsweise wieder hergestellt wird, erklärt Grell. Aber auch der Spielsucht, die immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rückt, hat sich die Caritas-Suchtberatungsstelle verstärkt angenommen. Bisher gab es hier nur Einzelgespräche oder es wurde bei Bedarf auch in stationäre Behandlung vermittelt. Seit Juni trifft sich in den Räumen der Suchtberatungsstelle 14-täglich eine Selbsthilfegruppe für Spieler – von 19.30 bis 21 Uhr. Geleitet wird sie von Stefan, der selbst entsprechende Erfahrungen sammeln musste. „Wir sprechen über bereits Erlebtes und suchen nach Wegen aus der Sucht. Wir verstehen uns als Selbsthilfegruppe, das heißt, jeder von uns ist Betroffener – noch spielend oder schon frei davon“, so Stefan. Der Caritasverband Landsberg wird darüber hinaus bei Bedarf auch in therapeutischen Fragen weiterhelfen. Wichtig ist: Für die Selbsthilfegruppe muss man sich nicht anmelden und alles läuft autonom und anonym ab. Die Treffen finden alle zwei Wochen ab 19.30 Uhr statt. Kontakt erhalten Interessierte bei Stefan unter der Telefonnummer 0177/9382110.

Auch interessant

Meistgelesen

40 Mal direkt in die Lehre
40 Mal direkt in die Lehre
Neue Könige der Gesellschaft?
Neue Könige der Gesellschaft?
Eresing zelebriert sein 950-Jähriges
Eresing zelebriert sein 950-Jähriges
Tiefe Einblicke ins Landsberger Klosterleben
Tiefe Einblicke ins Landsberger Klosterleben

Kommentare