Kein "Tante-Emma-Laden"

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Denklingens Bürgermeister Michael Kießling (l.) und Experte Wolfgang Gröll informierten die Bürger über ein Dorfladen-Konzept. Das Interesse war riesengroß.

Denklingen – Einkaufen ist derzeit in Denklingen ein Problem. Natürlich gibt es einen Metzger und einen Bäcker. Doch wer mehr will, muss seit der Schließung des EDEKA-Ladens Augustin ins benachbarte Leeder zum nächsten Supermarkt fahren. Wer kein Auto hat, kann immerhin auf einen Fahrdienst zurückgreifen, den die Gemeinde organisiert hat.

Auf Dauer ist das keine Lösung. Bürgermeister Michael Kießling berichtete in der eigens zu dem Thema einberufenen Bürgerversammlung von den Aktivitäten des Gemeinderates. Man habe eine achtköpfige Arbeitsgruppe im Gemeinderat eingerichtet, berichtete der Rathauschef. 

Natürlich habe man auch Gespräche mit einem Investor geführt. Dessen Standortvorstellungen waren aber an der B17. Im Sinne der Nahversorgung war das keine Lösung, sagte Kießling, zumal noch baurechtliche Probleme hinzugekommen sind. Das Gesetz schreibt ein sogenanntes Anbindungsgebot vor. Das heißt, der Supermarkt muss an das Dorf angebunden sein. Ein Investor, der im Dorf einen Supermarkt aufmacht, war nicht zu finden. 

Blieb somit nur noch die Überlegung, einen Dorfladen zu installieren. Dafür hatte der Gemeinderat einen externen Experten verpflichtet, der auf der Bürgerversammlung sein Konzept vorstellte. Ein Dorfladen sei kein „Tante-Emma-Laden“ sondern ein richtiger Supermarkt“, betonte Wolfgang Gröll. Der Unterschied läge darin, dass ein Dorfladen in einer Art genossenschaftlichem System von Bürgern des Ortes betrieben wird. 

Der Unternehmensberater hat sich auf die Gründung von Dorfläden oder Bürgerläden spezialisiert. 90 Prozent der Dorfläden sind erfolgreich, sagte der Experte. In seinem launigen und gut aufbereiteten Vortrag gab es viele Hintergrundinformationen über das Funktionieren des Handels, insbesondere über die Preisgestaltung. Gröll räumte auch mit den gängigen Vorurteilen auf, dass kleine Läden immer teurer und Supermärkte immer billiger seien. „Ein Dorfladen muss sich selber tragen“, sagte Gröll. Das war auch einer der Gründe, warum eine Interessentin schon abgesprungen ist, verriet Bürgermeister Michael Kießling auf Nachfrage aus dem Publikum. In dem Gespräch ging es um einen Zuschuss zur Miete, sagte Kießling. „Das ist genau das, was wir nicht wollen“. 

90 Interessenten 

Bürgermeister und Gemeinderat bekamen einen ersten Eindruck, wie brennend das Thema die Denklinger interessiert. Die Sitzplätze in der Mehrzweckhalle reichten nicht aus. Es mussten sogar noch Stühle geholt werden. Am Schluss gab es eine unverbindliche Fragebogenaktion. Die Besucher sollten erklären, ob sie Interesse an einer Mitarbeit oder an der Zeichnung von Anteilsscheinen hätten. Verwaltungschef Karl Hartmann zählte 90 Interessenten. 

Mehr zu den Dorfläden ist auf der Homepage von Wolfgang Gröll unter www.dorfladen-netzwerk.de zu finden.

Siegfried Spörer

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