Mehrgenerationenhaus gedeiht

Neue Wohnform für Kaufering

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Das Areal an der Hauswiesen-/Jahnstraße, Eigentum der Marktgemeinde, würde sich als Standort für ein Mehr-Generationen-Haus eignen.

Kaufering – Für Bürgermeister Erich Püttner ist es ein großes persönliches Anliegen, sich in seiner Gemeinde für neue Wohnformen einzusetzen. Das liegt vielleicht an seinem beruflichen Background als Sozialpädagoge, Sozialgerontologe und früherer Geschäftsführer des Kauferinger Seniorenstiftes, hat aber auch etwas mit gesellschaftspolitischer Weitsicht zu tun. Püttner hat sich in Kaufering an die Spitze der Bewegung gesetzt, die das Konzept von „Mehr-Generationen-Wohnen“ präferiert.

In viel Fleißarbeit hatte der Rathauschef persönlich ein 19-seitiges Konzept erstellt, das er jüngst dem „Ausschuss für Generationen, Soziales, Sport und Kultur“ präsentierte. Dazu hatte sich eine Reihe von Zuhörern eingefunden, die ebenfalls an dem Thema interessiert waren. Püttner begründete seine Forderung nach neuen Wohnformen unter anderem auch mit den Veränderungen in der demographischen Entwicklung und den veränderten gesellschaftlichen Strukturen. Das klassische Familien- und Rollenbild löse sich auf, betonte der Rathauschef. Ein Symptom dafür sei beispielsweise der zunehmende Bedarf an Ganztagsbetreuung in Kindergärten und Schulen.

Das Wohnen in einem Mehr-Generationenhaus bedeutet vereinfacht ausgedrückt, dass junge Familien, berufstätige Singles und Senioren unter einem Dach zusammenleben und sich dort gegenseitig unterstützen. Die jüngeren Mitbewohner können beispielsweise die Einkäufe für die Senioren miterledigen, die wiederum können auf die Kinder aufpassen. Man könne gemeinsam etwas unternehmen, betonte Püttner. Den Ideen der sozialen Interaktion und der Gestaltung des Mehr-Generationen-Wohnens sind keine Grenzen gesetzt.

Basis seien dabei die eigenen vier Wände, die Lebensraum und Rückzug ermöglichen. Trotzdem lebe man in einer Gemeinschaft, in der man sich gegenseitig unterstützen und schützen kann. Darüber hinaus findet auch ein „Leben in der Öffentlichkeit“ statt. Menschen von außen sollen in die Anlage kommen so dass ein lebendiges Miteinander entsteht. Hilfe von außen muss es auf jeden Fall in der Anfangsphase geben. Ein „Kümmerer“ müsste laut Püttner das Kennenlernen und den Zusammenhalt der Mietergemeinschaft fördern. Die Dynamik entwickle sich dann von alleine, so der Bürgermeister.

Nur mit "Kümmerer"

Finanziert werden könnte ein Mehr-Generationen-Haus über eine „Bürgergenossenschaft Wohnen“. Das bedeutet, dass Bürger Anteile an dem Wohnprojekt zeichnen und damit den Bau finanzieren. Ob und welche Kosten auf die Marktgemeinde zusätzlich zukommen, konnte Erich Püttner nicht beziffern. Dafür sei es in dieser Phase des Projektes noch viel zu früh. Es könnten aber Kosten für die Gemeinschaftsräume und die Personalkosten für den „Kümmerer“ sein.

Auch die Gesamtkosten in Höhe von sechs Millionen Euro für 30 Wohneinheiten seien nur eine „geschätzte Hausnummer“, betonte der Rathauschef. Einnahmen könnte die Marktgemeinde durch den Verkauf des Grundstückes an die Bürgergenossenschaft haben, falls man auf das Areal an der Hauswiesen-/Jahnstraße zurückgreife. Es gehört bereits der Marktgemeinde.

Noch sind viele Fragen offen. Das wurde in der Diskussion im Ausschuss deutlich. Einige der Mitglieder befanden, dass der Standort nicht zentral genug sei. Erich Püttner verwies darauf, dass man Alternativstandorte noch nicht untersucht habe, schränkte aber ein, dass es kaum noch Grundstücke in den zentralen Bereichen gäbe. Bedenken wegen der Kosten hatte Manfred Huber von der Kauferinger Liste. Eine verbesserte Wirtschaftlichkeit verspricht sich Hans-Jörg Pilz (GAL) durch eine Aufstockung des Gebäudes. Statt 30 Wohnungen könne man auch 50 bauen. Als ein weiteres Kernproblem wird die Vergabe der Wohnung gesehen. „Wer bestimmt darüber?“, wollte Pilz wissen.

Da in Königsbrunn bereits eine größere Wohnanlage als Mehr-Generationen-Haus existiert, schlug Erich Püttner ein Besichtigung vor.

Siegfried Spörer

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