Der Tanz der Baba Jaga

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Die siebte Jahrgangsstufe des Ignaz-Kögler-Gymnasiums inszenierte im Rahmen der Projektwoche „Taste for School“ vier dadaistische Klavierstücke.

Landsberg – Was ist Dadaismus? Dieser Frage widmeten sich die Schüler der siebten Jahrgangsstufe des Ignaz-Kögler-Gymnasiums und inszenierten zusammen mit dem Hamburger Klavierduo Friederike Haufe und Volker Ahmels ein einzigartiges Gesamtkunstwerk aus Musik, Tanz, Theater und Performance. Eine ganze Projektwoche lang hatten die Schüler zuvor im Rahmen von „Taste for School“ zusammen mit ihren Lehrkräften ihre vielschichtige Performance zu vier dadaistischen Klavierstücken entwickelt und eingeübt. Nun bot sich den Zuschauer ein kurzweiliges Abendprogramm, das die mitunter schräge Musik auf vergnügliche Weise näher brachte.

Mit viel Geduld stand das Hamburger Künstlerpaar Friederike Haufe und Volker Ahmels während der Projektwoche den einzelnen Schülergruppen und Lehrkräften bei der Umsetzung und Erprobung ihrer Ideen zu den vier dadaistischen Klavierstücken zu Verfügung. Am Ende, so die Überzeugung der Pianisten, würde ein einzigartiges Gesamtkunstwerk zur Aufführung kommen, bei dem alle Teilnehmer gleichberechtigt auf der Bühne stünden. Ein Konzept, von dem nicht nur sie, sondern auch die VR-Bank Landsberg-Ammersee als alleiniger Sponsor der Veranstaltung überzeugt war.

Den Auftakt zu dem Konzert bildete Alexandre Tansmans „La Danse de la Sorcière“ – der Tanz der Hexe. Aber welche Hexe mag da Tansman vorgeschwebt haben? Jeder kennt diese böse Hexe aus dem Grimm‘schen Märchen, bei denen alles aufatmet, wenn sie endlich vom braven Gretel in den Ofen gestoßen wird. Aber nicht alle Hexen sind böse. Ganz unberechenbar ist Baba Jaga, diese merkwürdige Hexe aus dem russischen Volksmärchen, die in ihrem hühnerbeinernen Hexenhaus sitzt und, wenn sie gut drauf ist, lieb, hilfsbereit und freundlich ist, um – kaum hat man sich recht versehen – schon wieder furchtbar garstig sein und einen sogar verspeisen kann. Mehrere Märchen wurden von den Schülern zu Baba Jaga entworfen, kopiert, anschließend wieder zerschnitten und willkürlich zu einem Dada-Märchen zusammengesetzt. Keine Frage, für das nächste Klavierstück „Tap Dance“ hätte sich der Komponist Dick Kattenburg selbst sicherlich einen Stepptanz vorstellen können.

Aber was hat hier ein Blechschild mit der Aufschrift „Feuerwehrzufahrt“ oder eine Mülltonne verloren? Mit außergewöhnlichen Percussioninstrumenten machen Schüler dieser Gruppe die tänzerischen Rhythmen hörbar, bevor es ans Steppen geht. Von Anfang an auf Vielfalt und Kreativität war die Gruppe bedacht, die sich mit Erwin Schulhoffs „Ironien“ beschäftigte: Leuchtende Strichmännchen tanzen bizarr zum Allegretto molto, eine einsame Geige hält zusammen mit einem Saxophon Zwiesprache zum Allegro agitato, Tränen lacht das Publikum bei dem verwirrenden Spiel der Beine zum Alla marcia militare.

Zauberhaft schweben Lichterstäbe beim „Allegro ma non troppo“ durch die Luft, Faszination löst das perfekte Handclappling zum „Allegro deciso“ aus. Und ist es nicht naheliegend, dass am Ende Füchse den Foxtrott zu „Tempo di Fox“ tanzen? Ganze zwanzig Minuten lang spielen. Während die Finger der Klavierkünstler über die Tasten des Flügels rasen, sind alle anderen auf der Bühne mundtot. Das längste Stück des Abends dreht sich um das Klavierstück „Le boeuf sur le toit“, in dem mitnichten ein Ochse oder ein Dach vorkommt. Hier hat sich der Komponist Darius Milhaud eine Art Stummfilmszene gewünscht. Und so verwandelt sich die Bühne in eine grell erleuchtete Bar mit skurrilen Figuren: diverse Zecher, zwei coole Damen, zwei elegante Damen, ein Boxer, ein Kellner...

Ob tatsächlich nur Milch getrunken wird, wie ein Schild demonstrativ behauptet, scheinen die beiden auftretenden Polizisten arg zu bezweifeln. Mit ihnen wird im Verlauf der beeindruckenden Pantomime nicht allzu zimperlich umgegangen – und am Ende bekommen sie auch noch eine meterlange Rechnung präsentiert…

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