»Liederleben«

Murakami und Walser in der Konzertreihe der Christuskirche

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Akemi Murakami begleitete Bariton Manuel Walser beim Konzert im Gemeindehaus der Christuskirche.

Landsberg – Bei dem Titel „Wie einst im Mai“ mag manch einer an Volkslieder denken. An laues Lüftchen und blaue Bänder. Was am Liederabend mit Pianistin Akemi Murakami und Bariton Manuel Walser am Wochenende im Gemeindesaal der Christuskirche erklingt, sind indessen Kunstlieder: eigens zu Texten bekannter Dichter komponierte Werke mit Gesang und Klavierbegleitung.

„Das Wort ‚Lied‘ ist für diese Gattung so prägend gewesen, dass es sogar in andere Sprachen übernommen wurde“, informiert Organistin und Veranstalterin der Konzertreihe Cornelia Meyer. Zum Beispiel ins Französische mit ‚Le Lied‘. Oder auch ins Japanische, wie Pianistin Murakami nickend bestätigt. Hochsaison feierte das Kunstlied in der Romantik: mit Komponisten wie Richard Strauss, Robert Schumann oder dem etwas seltener und schwieriger zu hörendem Hugo Wolf.

Das Programm spannte einen Bogen von Wolfs „Italienischen Liederbuch“ über Strauss` „Acht Gedichte aus Letzte Blätter“ bis hin zu Schumanns „Dichterliebe“, vertonte Heine-Texte. Strauss und Schumann erfüllten die Erwartungen, die man an einen Liederabend haben mag, ideal. Zwar war auch Wolfs Musik den beiden Interpreten auf den Leib geschrieben. Dennoch, dessen Musik ist weitaus ‚unbequemer‘:

Wolfs „Italienisches Liederbuch“ befasst sich zwar mit volkstümlichen Liebesgedichten, übersetzt vom späteren Literaturnobelpreisträger Paul Heyse. Seine Musik ist aber vom Volkslied weit entfernt. Es sind abwechselnd für Sänger oder Sängerin komponierte Lieder. Ihr Thema: Liebesfreud und Liebesleid. Niveauloses Gesäusel? Nein. Denn Wolfs Kompositionen passen sich jeder Silbe an, tragen den Text Heyses auf Händen – mit Harmonien, in denen die Musik von Anton Webern und auch Alban Berg schon anzuklingen scheint. Beeindruckend, wie Walser und Murakami das Werk umsetzen: Die Pianistin bleibt ganz Begleitung, Walser widmet seine Stimme dem Wort – und scheint jede Silbe tief zu empfinden. So, wie Wolf Heyses Texten huldigt, huldigen die Musiker Wolfs Musik.

Dass Walsers beweglicher und dennoch kräftiger Bariton begehrt ist, zeigt die Vita des Schweizers: festes Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper, zu hören aber auch an der Berliner Staatsoper, in Salzburg, Dresden und auch im Concertgebouw Amsterdam. Die Liederabendreihe „Liederleben“ hat Murakami selbst initiiert. Es geht ihr sowohl um das Liederleben als auch um das Erleben der Lieder. Etwas, das den beiden Musikern an diesem Abend eindeutig gelungen ist. Nicht umsonst forderten die rund 50 begeisterten Zuhörer drei Zugaben.

Susanne Greiner

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