Ein Koordinator mit Fragezeichen

Auf Betreiben von Thomas A. Frank geändert: aus „Altstadt gesperrt“ wurde „Hauptplatz gesperrt“. Foto: Kruse

Die „Baustellenrallye“, die einige Einzelhändler gestartet haben, um wäh­rend des Hauptplatzumbaus Kunden in die Altstadt zu locken, scheint ein großer Erfolg zu werden. Schon jetzt haben sich zahlreiche Interessierte an der „Buchstaben-Schnitzeljagd“ beteiligt. An anderer Stelle läuft es indes weniger gut: Der „Moderator und Koordinator“ zwischen Einzelhändlern und Stadt beendete am Montagabend überraschend seine Arbeit, noch bevor er der Öffentlichkeit vorgestellt worden war.

Thomas A. Frank war im Hintergrund bereits seit mehreren Wochen (bislang unentgeltlich) für die Arbeitsgruppe der Einzelhändler tätig gewesen. Von seiten der Stadt Landsberg wurde er in der jüngsten Ausgabe des „Hauptplatz-Newsletters“ (April) schon zusammen mit Marc Schmid als offizieller Ansprechpartner benannt. Der Landsberger Frank, der großen Wert auf seine Privatsphäre legt und weder Alter noch Beruf kommunizieren oder Bilder von sich machen lassen möchte, saß – ohne dass das publik gemacht worden wäre – bereits seit Wochen in den regelmäßigen Besprechungen mit Verwaltung und Oberbürger­meister Mathias Neuner (CSU), wenn es um den Hauptplatzumbau ging. Das ist nun vorbei. „Ich muss mich jetzt mit einigen Leuten besprechen, danach müssen wir sehen, ob wir unser ganzes Projekt mit reduziertem Umfang weiterfahren können“, sagt Gruppen­sprecher Tobias Frage. Menschlich, ehrenhaft Reduziert deshalb, weil vermutlich keiner der Einzelhändler so viel Zeit in die Aufgabe stecken kann wie Frank, der sich vor allem „menschliches“ und „ehrenhaftes“ Handeln auf die Fahnen geschrieben hatte und sich zuletzt fast in Vollzeit engagierte. Dafür sollte er künftig auch entlohnt werden, angedacht war eine gemeinsame Finanzierung durch Stadt und Einzelhändler – doch die Entscheidung darüber zog sich hin. Am morgigen Donnerstag sollten Einzelhändler, Gastronomen und Bürger zu einer öffentlichen Veranstaltung einge­laden werden, bei die Arbeitsgruppe sich die Zustimmung für Frank abholen wollte. Das war einigen Mitgliedern aber zu kurzfristig, sie entschieden, den Termin erneut zu verschieben. Für Thomas A. Frank war das der Punkt, an dem es für ihn „nicht mehr weiter ging.“ Er wolle es sich nicht mehr leisten, „nochmals drei Wochen bis nach Pfingsten auf eine offizielle Bestätigung von mir durch eine breite Basis warten zu müssen“, teilte er seinen einstigen Mitstreitern mit und informierte auch OB Neuner und Tiefbau-Referatsleiter Hans Huttenloher darüber, dass er nicht mehr für den „aktiven Kern der Gruppe“ tätig ist. Zusammen mit diesem Kern hatte Frank bisher erreicht, dass die Beschilderung „Altstadt gesperrt“ in dieser Woche in „Hauptplatz gesperrt“ abgeändert und der Hinweis angebracht wurde, dass Parkplätze und Tiefgaragen weiterhin erreichbar sind. Auch die Kurzzeitparkplätze auf der Haupt­platz-Nordseite setzte die Stadt nach Anregung aus dieser Gruppe um. Trotz dieser Anfangserfolge knirschte es intern immer wieder. Die Gründung eines Vereins erwies sich als nicht durch­setzbar – nach „Kern“ und „City-Management“ wollten nur die wenigsten diesen Weg gehen. Mal verzögerten Meinungsverschiedenheiten die Fertigstellung des Logos für das „Herzschlag Landsberg“ genannte Projekt, dann wieder gab es unterschiedliche Auffassungen über Zeitplan und weiteres Vorgehen; einige griffen schließlich zur Eigeninitiative. „Die Baustellenrallye hat mit unserer Gruppe rein gar nichts zu tun“, stellten Frank und Tobias Frage etwa klar. Die Einzelhändlerinnen, die die Aktion umgesetzt haben, sind oder waren allerdings Mitglieder der Arbeitsgruppe. Unterstützung holten sie sich beim Bund der Selbstständigen (BDS). Dessen Orts-Vorsitzender, Hans-Peter Träger, bietet weiterhin „allen Einzelhändlern Hilfe an. Wir stehen Gewehr bei Fuß und unterstützen dort, wo es gewollt ist.“ Wer aber seine Projekte „lieber selbst verwirklichen“ wolle, der könne dies selbstverständlich auch tun, so Träger. Er hat „Herrn Frank bisher nicht persönlich kennengelernt.“ Auch eine weitere Aktion, die recht leise gestartet worden ist, geht auf die Eigeninitiative eines Arbeitsgruppen-Mitgliedes zurück: Besagter Einzelhändler gewann zahlreiche Kollegen als „Aufmacher“. Mit einem Aufkleber signalisieren diese Geschäfte nun, wie lange sie am Samstag geöffnet haben: bis 16, 17 oder gar 18 Uhr. Nichts kommunizieren Tobias Frage will jetzt mit seinen Sprecherkollegen (Apotheker Marc Schmid und Monika Bigus (Culiente) daran arbeiten, die Strömungen wieder in eine gemeinsame Bahn zu lenken „und überhaupt einmal festzulegen, in welche Richtung wir jetzt weitermachen wollen.“ Die jüngste Baubesprechung bei der Stadt fand nun zunächst ohne einen Vertreter der Einzelhändler statt. Frage: „Wir müssen sehen, ob wir dafür eine Lösung finden. Das ist aber ein zweischneidiges Schwert, weil nichts von dem, was dort besprochen wird, kommuniziert werden darf.“ Offen ist auch, was mit den Internet-Adressen und Twitter-Accounts passiert, die für das Projekt bereits angelegt worden sind.

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