Maria Matheis vom Landratsamt und Versorgungsarzt Dr. Markus Hüttl

Koordinatoren im Landkreis Landsberg

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Dr. Markus Hüttl ist der neue Versorgungsarzt im Landkreis Landsberg.

Landkreis – Sein Amt gab es bisher nicht: Markus Hüttl ist der neue Versorgungsarzt im Landkreis. Und auch Maria Matheis ist zum ersten Mal, seit sie 2013 zur Leiterin der Führungsgruppe Katastrophenschutz berufen wurde, aktiv. Der KREISBOTE hat mit beiden über ihre Aufgaben in der Corona-Pandemie und ihre bisherige Arbeit gesprochen.

Herr Hüttl, Sie sind der vom Landratsamt eingesetzte Versorgungsarzt im Landkreis. Wie kam es dazu?

Markus Hüttl: „Dass ich gerade jetzt in Deutschland bin, ist gewissermaßen ein Zufall, da ich zu Besuch war und ein großes Projekt in Yemen von der WHO abgesagt wurde – wegen der Covi-19-Pandemie.

Von 1995 bis 1998 war ich im Klinikum Landsberg in der Abteilung Anästhesie und später in anderen bayerischen Kliniken tätig. Bis 2004 war ich im Landkreis auch als Notarzt unterwegs.

Seit 2004 arbeite und lebe ich allerdings im Ausland und bin spezialisiert auf die Errichtung und das Managen von Krankenhäusern und Kliniken in Ländern für internationale Organisation wie zum Beispiel die WHO, die Vereinten Nationen oder Regierungen, die Hilfsprojekte planen. Im Besonderen habe ich das Ebola-Zentrum in Freetown, der Hauptstadt von Sierra Leone, während der westafrikanischen Ebola-Epidemie vor mehreren Jahren geleitet, ebenso sechs Kriegskrankenhäuser für die WHO in Mossul, Nordirak, während der Befreiung der Stadt vom IS.“

Was genau bedeutet das ‚Managen von Kliniken‘?

Markus Hüttl: „Dabei geht es hauptsächlich um das Erarbeiten und Ausführen von Konzepten und Systemen, die eine meist notfallmedizinische Behandlung von Menschen in Krisen oder Kriegsregionen ermöglicht. Zuletzt war ich an Planungen für den Aufbau von Covid-19-Kliniken in den USA und im Mittleren Osten beteiligt.“

Was sind die akuten Aufgaben im jeweiligen Gebiet? 

Hüttl: „Das Bayrische Staatsministerium des Innern hat einen Notfallplan ‚Corona-Pandemie‘ erstellt und regelt dadurch unter anderem die Organisationsstruktur der ärztlichen Versorgung der Bevölkerung im festgestellten Katastrophenfall. Der Versorgungsarzt hat einen eigenen Stab ist aber der Führungsgruppe Katastrophenschutz Landsberg beigestellt.

Die Aufgabe des Versorgungsarztes ist die Sicherstellung einer angemessenen medizinischen Versorgung aller Bürger in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen und Einrichtungen. Das sind vor allem die Errichtung und Betreibung von Infektambulanzen, die Einrichtung und Betreibung von Covid-19-Test-Centern sowie die Verteilung und Kanalisierung von persönlicher Schutzausrüstung.“

Die Planung und Aufrechterhaltung der ärztlichen Grundversorgung sowie die Planung und Gestaltung eines modularen Epidemie-Plans für Landsberg in Zusammenarbeit mit der Führungsgruppe sind weitere wichtige Aufgaben.“

Gibt es Probleme gibt es bei der Umsetzung?

Hüttl: „Natürlich gibt es Herausforderungen, aber wir arbeiten in einem fantastischen Team mit großer Unterstützung des Landratsamtes und anderer Organisationen, um den Landkreis durch diese Pandemiekrise zu führen.

Wichtig ist, dass die Bürger Ruhe bewahren und den Einschränkungsrichtlinien der Regierung folgen, um die epidemische Kurve zu verschieben oder abzuflachen und damit Zeit und Kapazität zu gewinnen.“

Warum werden jetzt Schwerpunktpraxen eingerichtet?

Hüttl: „In einer Situation wie der in den letzten Wochen gibt es mehrere Gründe für die Einrichtung einer oder mehrerer Schwerpunktpraxen oder Infekt­ambulanzen, wie wir es nennen. Ein wesentlicher Grund für die Einrichtung der Infektambulanz besteht in der Früherkennung und damit auch frühen klinischen Behandlung von Patienten, die an Covid-19 oder auch der Influenza erkrankt sind. Das hat zwei Vorteile: Zum einen kann vielleicht der klinische Verlauf positiv beeinflusst werden, zum anderen kann die weitere Verbreitung durch frühzeitige Isolation besser reduziert werden.

Ein weiterer Vorteil von Infekt­ambulanzen ist die Kanalisierung und Zentralisierung von Patienten, die an behandlungsbedürftigen Erkältungssymptomen leiden, um einen reibungslosen Ablauf in der Früherkennung durch ein eingespieltes Team zu ermöglichen und zugleich den Verbrauch an Schutzausrüstung, den das medizinische Personal benötigt, zu reduzieren.“

Zum Thema Schutzausrüstungen: Wie sieht die Lage im Landkreis aus, Frau Matheis?

Maria Matheis: „Die Beschaffung von Schutzausrüstung – Mundschutz, Handschuhe, Overall, Desinfektionsmittel und Ähnlichem – erfolgt grundsätzlich zentral durch den Freistaat Bayern.

Das Landratsamt wurde mit der Verteilung dieser Ausrüstung an kreisansässige Kliniken, Seniorenpflegeheime, Arztpraxen, ambulante Pflegedienste oder auch Physiotherapeuten , rund 200 ‚Bedarfsstellen‘, beauftragt. Leider bleibt das zu verteilende Material weit hinter dem von den Bedarfsstellen gemeldeten Bedarf zurück. So wurden von einer Gemeinschaftspraxis 200 FFP-2-Masken angefordert, ausgeliefert werden konnten aber erst 20 Stück.

Deshalb wurden nun die Landratsämter ermächtigt, selbst Schutzausrüstung zu beschaffen. Wir versuchen daher mit allen Kräften, Schutzausrüstung auf allen möglichen Kanälen und Wegen zu beschaffen. Dabei helfen uns auch Näherinnen und Firmen im Landkreis mit der Anfertigung von Mundschutz aus Stoff beziehungsweise dem sogenannten ‚Aiwanger-Vlies‘. Jedoch ist der Markt weltweit ‚leergefegt‘ und es gelingt nur gelegentlich, einen größeren Posten zu ‚ergattern‘.“

Welche Mundschutzmasken helfen genau wobei?

Matheis: „Die FFP-1-(Mundschutz-)Masken, sogenannte OP-Masken, schützen vor allem den Gegenüber vor der Tröpfchen-Infektion, haben aber keinerlei Filterfunktion für den Träger selbst.

Die FFP-2-Masken schließen um den Mund-Nase-Bereich fest ab, haben einen Filter für die Ein-Atem-Luft und schützen so den Träger selbst gut vor einer Infektion.“

Nochmals zu der Infektambulanz: Welche Patienten werden dort genau behandelt, Herr Hüttl?

Hüttl: „Alle Patienten, die an Erkältungssymptomen leiden und von ihrem Hausarzt in die Infektambulanz überwiesen werden. Es ist wichtig anzumerken, dass Patienten mit Erkältung bitte zuerst ihren Hausarzt telefonisch kontaktieren, der dann Alles Weitere veranlasst.

Die Infektambulanz ist sieben Tage die Woche von 8 bis 20 Uhr für Patienten geöffnet. Das medizinische Team arbeitet in zwei Schichten und besteht aus einem oder mehreren Ärzten sowie anderem medizinischem Personal.

Der ärztliche Kreisverband Landsberg unter Leitung von Dr. Hans Joachim Baumgartl unterstützt den Versorgungsarzt in der Rekrutierung von freiwilligen Ärzten innerhalb dieser Organisation.“
Susanne Greiner

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