Kostspielige Hilfe zur Selbsthilfe

Seit November 2008 ist Dieter Kolibius (links) als Katalysator und Promotor für OB Ingo Lehmann (rechts) und die Stadt Landsberg freiberuflich tätig. Fotos: Ruile/Privat/Stadt LL

Der Derivatenskandal ist noch in aller Munde, da droht dem Stadtoberhaupt erneut Ungemach. Im Mittelpunkt interner Prüfungen und Kritik steht die „Beratung für den Oberbürgermeister“. Satte 240000 Euro hat OB Ingo Lehmann (SPD) in den letzten drei Jahren dafür ausgegeben – an die „Dieter Kolibius Conventum“ aus Landsberg. Das Honorar: 285 Euro pro Stunde, Spesen und Fahrtkosten gibt’s extra.

Für Kolibius, einst Geschäftsführer bei Hilti und seit 17 Jahren selbständig, war die Aufgabe „höchst interessant“ – nicht des Geldes wegen. Gemessen an seinem Honorar sei sein Einsatz „überproportional“ gewesen. Für gewöhnlich tritt der 67-Jährige in Unternehmen als Katalysator und Promotor auf, da reizte durchaus die Aufgabe in der Stadtverwaltung. In diesem „Unternehmen“ mit rund 200 Millionen Euro Jahresumsatz und über 600 Mitarbeitern trainiert Kolibius seit November 2008 die Führungskräfte, steigert Effektivität und Effizienz, gibt in diversen Prozessen Hilfe zur Selbsthilfe – in 22,5 Sollstunden und knapp 6500 Euro Brutto pro Monat. „Davon entfallen keine fünf Prozent auf den Oberbürgermeister“, so Lehmann, der Kolibius seit dem Mediationsverfahren Pro Hauptplatz schätzt. Das aber entbindet weder das Stadtoberhaupt noch den Freiberufler, sich an die Verwaltungsspielregeln zu halten. Da dies möglicherweise nicht der Fall war, beschloss der Rechnungsprüfungsausschuss im Januar 2011, die vorläufigen Jahresabschlüsse der beiden Vor­jahre genauer unter die Lupe zu nehmen – zunächst Aufgabe des Rechnungsprüfungsamtes. Und das stellte sogleich Mängel bei den Rechnungsbelegen fest, detaillierte Aufstellungen und nachvollziehbare Dokumentationen seien nicht vorhanden. Zum Zeitpunkt der örtlichen Prüfung, im Frühjahr 2011, habe es immer noch keinen schriftlichen Bericht gegeben, ob die vertraglich vereinbarten Ziele erreicht wurden. Kritik üben die Rechnungsprüfer zudem an der Vergabepraxis des Stadtoberhauptes. Im Vorfeld der Kolibius-Verträge habe es keine Ausschreibung gegeben, Vergleichsangebote seien nicht eingeholt worden. Zusammenfassend: Dem Vertragsverhältnis mit Dieter Kolibius fehle die notwendige Transparenz, Dokumentation sowie die Erfolgskontrolle und die Beratungsergebnisse. Dazu OB Lehmann: „Die Nachweise sind mittlerweile geliefert.“ Am Donnerstag befasst sich der Rechnungsprüfungsausschuss erneut mit dem Thema – nichtöffentlich.

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