Club gegen die Einsamkeit

Morethcompany zeigte »Der Krawatten-Club« im Stadttheater

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Am Ende gehen die ehemals besten Freunde mit Stühlen aufeinander los: Die Morethcompany spielte "Der Krawatten-Club" im Stadttheater Landsberg.

Landsberg – Wer in eine französische Komödie geht, muss sich wappnen. Franzosen setzen nicht auf Lacher, sondern auf distinguiertes Schmunzeln. Fabrice Roger-Lacans „Krawatten-Club“ ist so ein Stück. Vordergründig geht es um Männerfreundschaft. Eigentlich aber um Neid, Liebe und Einsamkeit. Die Morethcompany brachte das zeitgenössische Zweipersonenstück am Wochenende im Stadttheater auf die Bühne. In einer soliden Inszenierung, der letztendlich aber die Seele fehlte.

Bernhard (Konstantin Moreth) und Adrien (Sebastian Feicht) arbeiten zusammen. Und sind dicke Freunde. Aber trotzdem kommt Adrien nicht zur Geburtstagsfeier von Bernhards Vierzigstem. Wegen des Clubs, zu dessen Dinner Adrien muss, wie jeden ersten Donnerstag im Monat. Fehlt man, fliegt man. Ein Club? Dafür brüskiert Adrien den Freund? Bernhard ist verletzt. Was ist das für ein Club? Warum hat Adrien nie etwas erzählt? Und ihn nie dazu eingeladen?

Der Club „Die Igel“ zeichnet sich durch eines aus: das Fehlen von Bedingungen. Die Eintrittskarte: eine Krawatte. Ansonsten reicht Mann sein vollkommen. Bernhard will rein. „Du lässt mich nicht in etwas Mitglied sein, was dir wichtig ist“, wirft er Adrien vor. Für Adrien ist der Club Ausgleich dessen, was Bernhard hat: Familie. Denn während auf Bernhard Frau und Töchter warten, ist Adrien allein. Der Club imitiert Gemeinsamkeit. Ist wenigstens etwas, wo „mir nicht jemand wie du über den Weg läuft“, sagt Adrien. Jemand, dessen Leben Adrien beneidet. Der Club wird für Bernhard zur fixen Idee. Und ruiniert sein Leben.

In der letzten Szene gleißen die Bürolampen auf der Bühne entsprechend der Stimmung: eisig. Bernhard bindet sich die Krawatte. Er hat es geschafft: Heute Abend diniert er im Club! Alles andere ist verloren: seine Ehe und auch die Freundschaft mit Adrien. Weshalb Adrien lieber doch die Arbeit fertig machen will, anstatt mitzukommen.

Die Situation eskaliert: Bernhard erwürgt Adrien mit der Club-Krawatte. Kurz scheint er erfolgreich. Dann ein Husten: Adrien lebt! „Nie war unsere Freundschaft so lebendig wie in den fünf Minuten, als du tot warst“, freut sich Bernhard. Und offenbart darin die Essenz des Stückes: Die hehren Ideale der Freundschaft scheitern am Egoismus des Individuums.

Insgesamt eine solide Inszenierung mit einzelnen Szenen, die schmunzeln lassen, die ergreifen. Auch wenn die Handlung etwas konstruiert wirkt, die Idee trägt. Aber wirklich eintauchen will das Publikum nicht. Das Problem: Die Figuren überzeugen nicht. Für ein Zweipersonenstück aber essentiell. Allerdings liegt das nicht an den Schauspielern: Moreth und Feicht füllen ihre Rollen aus. Nur mag man den von Roger-Lacan konstruierten Figuren ihre Handlungen nicht abnehmen. Insbesondere die Steigerung von Bernhards Wut bis hin zum versuchten Mord bleibt ein Fragezeichen.

Vielleicht wurde ja zu viel gestrichen: Das Stück dauert laut Verlag eine halbe Stunde länger als die Morethcompany-Inszenierung. Trotzdem würde man gerne anschieben. Die Dialoge aufs Essentielle reduzieren. Um endlich etwas greifen zu können.

Das Publikum im gut gefüllten Stadttheater belohnte die Aufführung mit langem, freundlichem Applaus.

Susanne Greiner

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