Kulturkonzept für den Frauenwald

Kreativ arbeiten in Landsbergs Alter Wache

Alte Wache Landsberg mit Ortsschild
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Noch gehört das Gebäude der Alten Wache sowie der Grund, auf dem sie steht, der Stadt Landsberg. Für ein dort zu gestaltendes Kreativzentrum könnte die Stadt das Gelände verkaufen – oder auch selbst die Obhut dafür übernehmen.
  • Susanne Greiner
    VonSusanne Greiner
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Landsberg – Die Alte Wache mit neuem Leben füllen, ein Kulturzentrum entstehen lassen, Kreative anlocken: Der Issinger Künstler Franz Hartmann hat in Abstimmung mit Kulturbüroleiterin Claudia Weißbrodt ein Konzept für die Nutzung des Gebäudes im Frauenwald erstellt (der KREISBOTE berichtete). Letzte Woche stellte Hartmann das Konzept im Jugendbeirat erstmals öffentlich vor. Den Jugendlichen gefiel Hartmanns Plan. Auch Weißbrodt selbst und Jugendzentrumsleiter Matthias Faber bewerteten Hartmanns Konzept positiv – gaben aber auch Hinweise auf nötige Ergänzungen oder mögliche Überschneidungen.

Dass das Thema im Jugendbeirat vorgestellt wurde, lag an Jugendbeirätin Johanna Krach: Sie hatte den Antrag auf Vorstellung des Konzeptes eingebracht. Krach hatte bereits letztes Jahr mit einigen Mitschülern einen Raum in der Ausstellung „75 Jahre Frieden im Land“ bespielt, die Hartmann initiiert hatte.

Der Issinger verwies auf die Lücken, die Landsberg habe: in der Subkultur und im Punkt ‚Arbeitsbedingungen für die Kreativwirtschaft‘, einer „riesigen Berufsgruppe“, der man auch erschwingliche Räume bieten müsse. Ihm schwebe ein „fließender Übergang zwischen Leuten, die dort arbeiten, und Leuten, die dort ihre Freizeit verbringen“ vor. In der Alten Wache seien momentan 40 eher kleine Räume. Genutzt werden könnten sie in unterschiedlichster Form, als Atelier, offene Werkstatt, Proberäume oder auch als Lager, zum Beispiel der große Dachboden. Sie könnten dauerhaft vermietet werden, aber auch stunden- oder tageweise. Man werde sicher keine schicken Büros vermieten können – Franz Hartmann schwebt eine eher rudimentäre Sanierung vor –, aber dementsprechend – auch, weil es ein Gewerbegebiet außerhalb der Stadt ist – wären die Mieten wohl auch nur halb so hoch wie in Landsberg selbst.

Zuerst müsse das Gebäude saniert werden: Fenster, sanitäre Einrichtungen, ein Parkplatz, Strom, Heizung, den Dachboden isolieren, vielleicht ein Aufzug, sollte der Dachboden als Lager genutzt werden.

Die Idee des Kreativzentrums liegt Hartmann seit der ersten Ausstellung letztes Jahr am Herzen. Es sei hier im Frauenwald wohl auch einfacher zu realisieren, da im Gegensatz zu beispielsweise den hochpreisigen Huber-Häusern inmitten von Dießen (der KREISBOTE berichtete) das Gebäude nicht im Zentrum der Ortschaft liege. Er habe OBin Doris Baumgartl bereits das Angebot gemacht, selbst das Gelände zu kaufen und es mithilfe von Vereinen zu ‚verwalten‘. Es seien aber auch andere Konstruktionen denkbar, wie das Konzept umgesetzt werden könnte, sagte Kulturbüroleiterin Claudia Weißbrodt. „Die Alte Wache ist sehr begehrt.“ Dazu habe es aber noch keine konkreten Gespräche gegeben.

Weißbrodt ist ebenfalls wichtig, dass dort auch städtische Institutionen wie beispielsweise die Junge Bühne Platz finden können. Und es sei immens wichtig, innerhalb des Konzeptes Neunutzung Alte Wache auch die Erinnerungsarbeit zu verankern. Das Gebäude stehe am Eingang eines geschichtlich wichtigen Geländes, das einem zeige, „in welchem Größenwahn damals gedacht wurde“. Die Erinnerungsarbeit könne in diversen Formen geschehen, bei einer jährlichen Ausstellung mit teilweisem Geschichtsbezug, durch ein Objekt vor Ort, das sich entwickle, durch Informationen am Gebäude, oder indem man die Besucher durchs Gelände führe.

Juze-Leiter Matthias Faber sorgte sich, so ein Kreativzentrum könne eine Konkurrenz zum noch zu bauenden neuen Jugendzentrum in der Lechstraße generieren. Auch das Jugendzentrum biete Workshops und ähnliches an, „das darf sich nicht in die Quere kommen, das muss harmonieren“. Aber generell denke er: „Je mehr desto besser.“ Hartmann sah diese Konkurrenz nicht. Im Juze werde es beispielsweise keine Werkstätten geben. Zudem denke er auch an ältere Kreative, an Start-ups.

Auch der ‚Besucher‘ aus dem Stadtrat Lennart Möller (Grüne) sah nur wenige Überschneidungen. Im neuen Juze mit den neuen Räumen werde man ja nicht einfach mal so „einen Waldboden im Raum auskippen und die Wände pechschwarz anmalen“ können – etwas, was in der Alten Wache ohne Probleme und ohne ‚Schaden am Bau‘ möglich ist. Generell sei das Miteinander von Juze und Kreativzentrum „eine Frage der Zusammenarbeit“.

Zeitnah handeln

Auch Zweiter Bürgermeister Moritz Hartmann, der in Vertretung von Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl den Jugendbeirat leitete und selbst bis vor Kurzem äußerst aktiv in der Jugendkultur mitmischte, sah in dem Projekt keine Konkurrenz, nur „den Mehrwert“. Es sei positiv wenn es in Landsberg unterschiedliche Einrichtungen für Jugendkultur gebe.

Das Gewerbegelände samt Gebäude ist im Bebauungsplan für kulturelle Nutzung eingeplant. Diese „kulturelle Nutzung“ sei für alle eigentlich klar, sagte Hartmann, dem stimme auch OBin Baumgartl zu. Jetzt gelte es, das konkrete Konzept von Franz Hartmann „intern abzuwägen und auszuloten“. Dabei gäbe es sicher auch Aspekte, „wo eine städtische Hand gut wäre“. Wichtig sei aber auf jeden Fall eine zeitnahe Entwicklung, „das Gebäude wird ja nicht besser“.

Der Jugendbeirat empfahl, Hartmanns Konzept im Stadtrat vorzustellen.

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