Zwei-Stufen-Plan:

Neues Landratsamt im Osten?

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Möglicher Standort für den Erweiterungsbau des Landratsamts: Das Klostergrundstück (rechts oben) in der Ecke Autohaus Reisacher und Fachmarktzentrum am „Penzinger Feld“.

Landsberg – Die Raumnot im Landratsamt nimmt weiter zu. Waren die Mitarbeiter von Landrat Thomas Eichinger vor einem Jahr noch im Hauptgebäude an der Von-Kühlmann-Straße und in acht Außenstellen verteilt, so sind es derer mittlerweile elf. Klar ist: ein Erweiterungsbau soll die Not lindern, möglichst bald, wo auch immer. Der Kreisausschuss wird sich morgen erneut mit dem Thema befassen. Nägel mit Köpfen müssen her, eine Empfehlung für den Grundsatzbeschluss des Kreistags steht an.

Dass in der Kreisverwaltung seit geraumer Zeit mit Nachdruck an der Lösung des Problems gearbeitet wird, ist nicht neu. Bereits im vergangenen Jahr standen im Haushalt erstmals 500.000 Euro für einen möglichen Grunderwerb zur Verfügung. Höchstvorsorglich. Das Geld wurde bis jetzt allerdings nicht in Anspruch genommen. Zwar stand Landrat Thomas Eichinger (CSU) zwischenzeitlich mit „ehret+klein“, den Projektentwicklern für die benachbarte ehemalige Pflugfabrik in Kontakt, doch ließen sich die Zielvorstellungen beider Seiten nicht auf einen Nenner bringen.

Der Landrat und die Verantwortlichen im „Kreiseigenen Hochbau“ suchen ein Lösung, die es mittelfristig erlaubt, alle Außenstellen wieder in einem Hauptgebäude zu integrieren, die darüber hinaus in der Lage ist, auch den Personalstand in 20 Jahren (723; aktuell 327) zu bewältigen und die sicherstellt, dass die Behörde für alle Landkreisbürger mit dem Auto gut erreichbar ist; letzteres gilt insbesondere für die vielen Besucher der Zulassungsstelle. Insgesamt bedarf es dafür eines rund drei Hektar großen Grundstücks.

Die Entwicklungsmöglichkeiten am aktuellen Standort Von-Kühlmann-Straße werden diesen Vorstellungen nicht in vollem Umfang gerecht. Das verdeutlicht ein interner Vergleich von vier Varianten, mit denen sich die Mitglieder des Kreistags nun beschäftigen sollen. Um aktuell den Fehlbedarf von 38 Büroräumen im Hauptgebäude decken sowie die 79 Mitarbeiter der Außenstellen aufnehmen zu können, benötigt der Landkreis 1.854 Quadratmeter neuer Bürofläche.

Vier Varianten

Drei Varianten kommen diesem Ziel nur ein kleines Stück näher und helfen nicht wirklich weiter: Aufstockung des derzeitigen Amtsgebäudes, Aufstockung mit Süderweiterung oder Erweiterung über der bestehenden Tiefgarage. Die Kosten dafür liegen laut Hochbauamt zwischen 2,3 und 5 Millionen Euro; eine staatliche Förderung gäbe es nicht. Großer Nachteil: Die Außenstellen können jeweils nicht aufgelöst werden.

Da die beengten Verhältnisse auf dem Grundstück in der Von-Kühlmann-Straße „keine sinnvolle bzw. zukunftsgerichtete Erweiterung des Gebäudebestands zulassen“, läuft alles auf einen Neubau hinaus. Wo aber wäre dieser zu realisieren? Neben dem Pflugfabrik-Areal scheidet offensichtlich auch das Angebot der Stadt Landsberg aus. Sie hat dem Landkreis ein 16.400 Quadratmeter großes Grundstück angeboten. Um welches es sich handelt, wollen beide Seiten nicht kundtun. Allerdings: Da Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU) sehr daran gelegen ist, die Kreisverwaltung in der Stadtmitte zu behalten, dürfte es sich um das Areal im Bereich Schlüsselanger/Jugendzentrum handeln. Obgleich das Grundstück für die avisierte Zusammenführung aller Verwaltungsteile in einem Gebäude „zu klein“ ist, seien die Gespräche mit der Stadt „derzeit noch nicht abgeschlossen“.

Da man im Landratsamt eine vollständige Verlagerung der gesamten Verwaltung zunächst nicht anstrebt, läuft alles auf eine Zwei-Stufen-Lösung hinaus: Erweiterungsbau so, dass es „kurzfristig“ möglich ist, die Behörde nach der Auflösung der Außenstellen (außer Job-Center und Gesundheitsamt) „in nur zwei“ Gebäuden unterzubringen. Mit Blick in die Zukunft („langfristig“) müsse das zu erwerbende Grundstück so groß sein, dass dort eines Tages in Stufe 2 die gesamte Verwaltung wieder in einem Gebäude Platz hat.

Welches Grundstück Landrat Thomas Eichinger dafür im Blick hat, pfeifen die Spatzen im Landsberger Osten längst von den Dächern: das Areal nördlich des Auto­hauses Reisacher, wo die Stadt einst den Bau eines Großkinos (Cineplex) und eines Schnellrestaurants in Erwägung gezogen hatte. Das Grundstück ist über den Waldorf-Kreisel leicht zu erschließen und befindet sich im Eigentum des Klosters der Dominikanerinnen „Zur Heiligsten Dreifaltigkeit“. Auch hier seien die Grundstückverhandlungen noch nicht abgeschlossen, heißt es in der Sitzungsvorlage.

In ihrem Bedarfsplan geht die Kreisverwaltung von 231 Mitarbeitern in einem möglichen Erweiterungsbau aus und berücksichtigt dabei auch eine „Entwicklungsreserve“ für die nächsten zehn Jahre. Der Neubau mit 9.240 Quadratmetern Büro-Geschossfläche und einer Tiefgarage mit 65 Stellplätzen schlägt mit Gesamtkosten in Höhe von 29,4 Millionen Euro zu Buche. Vorbehaltlich eines erfolgreichen Grundstücksgeschäfts und der Zustimmung durch die Kreisgremien soll im nächsten Jahr, spätestens 2018 Baubeginn sein.

Toni Schwaiger

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