Ein namhafter Künstler

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Wollen an einen bedeutenden Künstler erinnern: Dr. Walter Reitler und Franziska Welz vom Arbeitskreis an den Mühlsteinen vor der Kapelle in Lechmühlen.

Fuchstal/Vilgertshofen – Das Wirken des Kirchenmalers Johann Baptist Baader ins rechte Licht rücken: Das wollen heimatgeschichtlich interessierte Frauen und Männer, die in einem Arbeitskreis das Leben und Schaffen zum 300. Geburtstag des „Lechhansl“ in Erinnerung rufen und dazu für das Jahr 2017 einen wahren Veranstaltungsreigen organisieren. Die Fülle der Aktivitäten wird Mitte Januar in Landsberg vorgestellt. Der KREISBOTE fragte schon im Voraus bei zwei Aktivposten aus diesem Arbeitskreis nach: bei Dr. Walter Reitler und bei Franziska Welz, die beide in Seestall daheim sind und auch dem Fuchstaler Gemeinderat angehören.

Der „Lechhansl“, sprich der Rokokomaler Johann Baptist Baader, wird zum Jubiläum – 2017 jährt sich der Geburtstag zum 300. Mal – von zwei Gemeinden in Anspruch genommen. Warum machen da Fuchstal und Vilgertshofen gemeinsame Sache?

Dr. Walter Reitler: „Johann Baptist Baader hatte zu beiden Gemeinden enge Beziehungen. Er hat in Lechmühlen gelebt, ist dort geboren und wurde in Mundraching getauft. Lechmühlen gehört heute zur Gemeinde Fuchstal, Mundraching zur Gemeinde Vilgertshofen. Werke des ‚Lechhansl‘ finden sich in beiden Gemeinden: in Leeder, Stadl und Vilgertshofen. Johann Baptist Baader hat aber vorwiegend überregional gearbeitet. Der ‚Lechhansl‘ gehört aber keinem allein. Wir haben das gemeinsame Ziel, einen großen Künstler aus unserer Region zu würdigen und ins Gedächtnis der Menschen zu bringen.

Wie ist heute sein künstlerisches Schaffen zu bewerten?

Dr. Walter Reitler: „Wir müssen uns da auf das Urteil von Fachleuten verlassen. Johann Baptist Baader war ein sehr guter, namhafter Künstler. Er war hervorragend ausgebildet. Schließlich war er Schüler des Augsburger Kunstmalers Johann Georg Bergmüller und lernte fünf Jahre die italienische Kunstmalerei kennen. Johann Baptist Baader war gut beschäftigt – auch mit beeindruckenden künstlerischen Werken von überregionaler Bedeutung. Aber: Er gehörte nicht zu den ganz großen Meistern.“

Wo ist der Kirchenmaler aus Lechmühlen stilistisch einzuordnen?

Dr. Walter Reitler: „Johann Baptist Baader hatte einen eigenen Stil, der mit dem anderer Kunstschaffender aus dem 18. Jahrhundert nur schwer zu vergleichen ist. Er konnte auf jeden Fall die große Kunst und die Volkskunst verbinden. Auch wirkte er nicht eindeutig in einer Epoche, sondern dazwischen. Er war ein Maler zwischen Rokoko und Klassizismus, ein Maler der Augsburger Schule mit italienischen Einflüssen, ein Maler zwischen Volksfrömmigkeit und Aufklärung.“

Dem „Lechhansl“ ist lange Zeit der Ruf des unsteten Lebemannes nachgegangen, der nur zu gern dem Wein zusprach?

Dr. Walter Reitler: „In der Tat fußt dieser Ruf stark auf einer literarischen Vorlage. Peter Dörfler beschreibt Baader als Lebemann, als Teil des Wessobrunner Kreises, als Frauenheld, als Trunkenbold, als Autodidakt, der keine Ausbildung genoss und als einen unzuverlässigen Mann, der immer schlecht bei Kasse war. Sehen wir diese Bewertung als literarische Freiheit. Als der Heimatdichter Peter Dörfler das Werk ‚Die Wessobrunner‘ verfasste, war Baader schon 150 Jahre tot. Doch dieses Bild wurde von vielen Biografen aufgegriffen und teilweise wörtlich übernommen. Heutzutage ist es schwer zu belegen, wie Baader wirklich war als Mensch.“

Und wissenschaftlich gesehen?

Dr. Walter Reitler: „Die wissenschaftlichen Erkenntnisse widerlegen Peter Dörfler in zentralen Aussagen. Baader war hervorragend ausgebildet und gebildet. Er war fleißig und zuverlässig. Wie sonst hätte er vom gleichen Auftraggeber wie z.B. dem Kloster Polling mehrere Arbeiten bekommen! Die Auftragslage war gut, der Verdienst ordentlich. Und im Sterbebuch zu Stadl wird der ‚Lechhansl‘ als ‚Jüngling von unbescholtenem Lebenswandel‘ charakterisiert. Vor allem aber sind seine großen Deckenfresken technisch komplexe Kunstwerke. Ein Trunkenbold kann dies niemals in dieser Qualität schaffen!“

Wie lange gibt es schon den Arbeitskreis, der sich mit dem Baader-Jubiläum befasst?

Franziska Welz: „Den Arbeitskreis gibt es seit dem Jahr 2013. Anlass war aber ein ganz anderer Termin. Wir stellten damals unser Dorf Seestall in Höfen bei Reutte in Tirol anlässlich der Ausstellung „Der Lech – vom Ursprung bis zur Mündung“ vor. Da waren wir in Seestall zu viert und haben zusammen ein kleines Dorfportrait erstellt und herausgegeben. In diesem Zusammenhang hatten wir aber schon das Baader-Jubiläum im Kopf. Ende 2015 bin ich zu Dr. Albert Thurner nach Vilgertshofen gefahren um ihn für unsere Idee zu gewinnen , danach haben wir Kontakt mit dem Historischen Verein Landsberg aufgenommen und auch fachliche Unterstützung beim Landratsamt bekommen. Seit Februar 2016 sind wir zu neunt im Arbeitskreis.“

2017 gibt es zum Jubiläum 300 Jahre Johann Baptist Bader eine Fülle von Aktivitäten. Warum gleich so viele Termine?

Franziska Welz: „Es sind so viele Termine, weil wir auch viele Stationen des Johann Baptist Baader wieder ins Bewusstsein rücken wollen. Von den zwölf Veranstaltungen sind allein vier Exkursionen zu Baaders Wirkungsstätten sowie der Emmausgang von Walleshausen nach Jedelstetten, also fünf Veranstaltungen, die der Historische Verein Landsberg ins Programm aufgenommen hat. Die verschiedenen Termine haben ganz eigene Anlässe und Themen.“

Zum Schluss die Frage: Welches Werk des „Lechhansl“ sagt Ihnen besonders zu?

Franziska Welz: „Mein Lieblingsbild von Johann Baptist Baader ist in der Stiftskirche in Polling. Auf dem Fresko hat er der Maria einen Filzhut aufgesetzt.“

Johannes Jais

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