Von wegen ungeliebtes Sakrament?

Beichte hat was "Befreiendes"

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Dekan Oliver Grimm, hier im Beichtzimmer der Kirche in Seestall, geht selbst regelmäßig zur Beichte.

Landkreis – So schwer es katholischen Christen fällt, vor einem Priester Süden zu bekennen, so erleichtert sind sie danach: Dass die Beichte was „Befreiendes“ hat, betont Pfarrer Oliver Grimm aus Fuchstal. Der 50-jährige Seelsorger, zusammen mit Martin Jung (Priester zur Mithilfe) und Gemeindereferentin Elisabeth Holzer für die Seelsorge in fünf Pfarreien und fünf Filialen im Fuchstal zuständig, ist seit 2011 Dekan im Kapitel Landsberg. Für den KREISBOTEN sprach Johannes Jais mit dem Geistlichen.

Die Beichte – das ungeliebte Sakrament! Was sagen Sie zu dieser Einschätzung?

Dekan Grimm: „Da ist was dran an diesem Satz. In unserer Pfarreiengemeinschaft haben wir uns neulich einen Abend im Liturgiekreis mit dem Thema befasst. Da gibt es eine Diskrepanz. Es geht keiner gern zur Beichte. Aber wenn die Menschen nach dem ,Deine Sünden sind dir vergeben‘ aus dem Beichtstuhl heraus kommen, empfinden das fast alle als Erleichterung, als Befreiung. Klar, bei der Beichte wird der Fokus auf negative Seiten gerichtet. Wenn ich aber die Schwachpunkte nicht erkenne, kann ich in meinem Leben auch nichts verändern.“

Wie oft bieten Sie Beichte an?

Grimm: „Jede Woche. Und zwar immer dort, wo am Samstag die zwei Vorabendmessen in der Pfarreiengemeinschaft Fuchstal stattfinden. Dazu kommt noch ein großer Beichttag vor Ostern, Allerheiligen und Weihnachten.“

Worin unterscheiden sich denn Andachtsbeichte und Beichtgespräch?

Grimm: „Wer die Andachts-beichte wahrnimmt, ist meis-tens gut vorbereitet. Sie ist ein Monolog, ehe nach dem Sündenbekenntnis der Beichtvater das Wort übernimmt. Das Beichtgespräch ist ein Dialog. Es dauert länger, ist bequemer und findet im Sitzen statt.“

Wo kann ein intensives Beichtgespräch stattfinden?

Grimm: „Überall. Beim Spazierengehen auf einem einsamen Weg. Im Esszimmer des Pfarrhofs, in der Sakristei oder in einem Beichtzimmer wie wir es in der Filialkirche in Seestall haben.“

Wer nimmt dieses Angebot in Anspruch?

Grimm: „Menschen, die länger nicht beim Beichten waren, die ein konkretes Problem haben – egal ob jemand jung ist oder schon älter.“

Gehen Sie eigentlich selber zum Beichten?

Grimm: „Ja. Auch ich hab‘ was, das ich ab und zu loswer-den möchte.“

Wo?

Grimm: „Gern in St. Ottilien."

Wie oft? Oder fällt das unters Beichtgeheimnis?

Grimm: „Mein Ziel ist einmal im Monat. Das schaffe ich zwar nicht. Aber daran arbeite ich nach wie vor.“

Es gibt Menschen, die bekennen ihre Sünden lieber in anderen Pfarreien und nicht beim eigenen Priester. Was sagen Sie dazu?

Grimm: „Ich hatte früher als Kaplan in Landsberg mehr Fuchstaler im Beichtstuhl gehabt als jetzt in der Pfarreiengemeinschaft. Aber das ist ganz normal.“

Die Jugend tut sich mit dem Beichten besonders schwer?

Grimm: „Nicht schwerer als in einem anderen Alter. Das Thema ist ein anderes: Wir haben insgesamt wenig Jugendliche in der Kirche.“

Wenn junge Leute oder Erwachsene sagen „Ich mach das nicht mehr“ oder „Damit kann ich nix anfangen“ – wie reagieren Sie darauf?

Grimm: „Das muss ich als Priester akzeptieren. Dazu sage ich aber auch: Wenn es nach einem heftigen Streit ,Sind wir wieder gut!‘ heißt, so ist das bei Weitem nicht wie eine Beichte. Gott vergibt, ohne dass im Nachhinein etwas hängen bleibt.“

Geht es bei der Gewissensprüfung meistens nach den zehn Geboten?

Grimm: „Gut ist ein jeweils passender Beichtspiegel. Für Kinder, für Firmlinge, für Erwachsene. Ich finde, das trifft auch zu auf Alleinerziehende, auf Handwerker, auf Akademiker.“

Was sagen Sie zum sechsten Gebot?

Grimm: „Das ist genauso ein Bereich, wo man mit egoistischem Verhalten andere Menschen verletzen kann. Aber da haben manche Priester früher zu sehr nachgefragt. Im Beichtstuhl stelle ich jedenfalls keine Fragen dazu.“

Ergänzen Sie zum Schluss diesen Satz: Den Lesern möchte ich beichten…

Grimm: „…dass mir im Straßenverkehr manche ungute Bemerkung über die Lippen ge­- kommen ist, wenn sich jemand aus meiner Sicht dumm angestellt hat. Und dass ich mich zwar bei süßen Naschereien zurückhalten kann, aber nicht bei deftiger Kost mit Wurst und Käse.“

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