Mit Landsberg verwurzelt

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Fühlt sich in seinem neuen Landtagsbüro sichtlich wohl: Ludwig Hartmann.

Landsberg – Das „Was wäre wenn…“ spielt keine Rolle mehr, im Gegenteil. Mathias Neuner gewann vor eineinhalb Jahren die OB-Wahl und sein schärfster Konkurrent ist heute Fraktionschef im Landtag: Ludwig Hartmann. Der KREISBOTE sprach mit dem Grünen Nachwuchspolitiker aus der Lechstadt, der den Generationswechsel symbolisieren soll.

Herr Hartmann, wie fühlt man sich so als Fraktionsvorsitzender im Landtag?

Hartmann: „Ich freue mich sehr über das Vertrauen, das mir die Fraktion entgegengebracht hat. Ich bin mir der Herausforderung, vor der unsere Partei nach den enttäuschenden Wahlergebnissen steht, bewusst. Die nächsten fünf Jahre werden entscheidend für die grüne Idee sein.“

Doppelspitze mit Margarete Bause – da stehen zwei Grünen-Generationen Seite an Seite. Wie ist das denn so?

Hartmann: „Unsere unterschiedlichen Sichtweisen auf die Dinge ergänzen sich gut. Auch Margarete ist sich sehr wohl bewusst, dass unsere Fraktion einen gewissen Neuanfang braucht. Deshalb führen wir sehr konstruktive Diskussionen. Ich bin zuversichtlich, dass unsere Grüne Fraktion von dieser Mischung aus Gründergeneration und frischem Wind profitieren wird.“

Was hat sich denn in den ersten Wochen für Sie als Landtagsabgeordneter und Fraktionschef geändert?

Hartmann: „Am ersten Tag nach der Wahl stand das Telefon nicht mehr still. Ich wurde in den ersten Interviews auch zu den Sondierungsgesprächen in Berlin befragt. Das war schon eine große Veränderung, mit der ein Fachpolitiker wie ich erst mal umzugehen wissen musste. Ich habe gerade mein neues Büro im Landtag bezogen; vorher war ich, aufgrund der beschränkten Räumlichkeiten im Maximilianeum, außerhalb untergebracht. Das ist eine große Erleichterung, da sich so die Arbeitswege zu meinen Mitarbeitern verkürzen. Im Moment führen wir noch Personal­- gespräche mit dem Stab der Landtagsfraktion, um zu sehen, wo die Organisationsstruktur optimiert werden kann. Ohne gute und motivierte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ist kein politischer Erfolg möglich.“

Und wie sieht es mit Ludwig Hartmann privat aus?

Hartmann: „Privat? Das ist wie das Wort schon sagt einfach privat.“

Hat der Fraktionsvorsitzende Hartmann denn noch ausreichend Zeit für sein Mandat im Stadtrat? Wie wollen Sie das meistern?

Hartmann: „Machen Sie sich da mal keine Sorgen. In Landsberg liegen meine politischen Wurzeln, mein Lebensmittelpunkt ist seit jeher hier. Die kommunalpolitische Sichtweise bereichert meine Arbeit als Landespolitiker. Nur wer weiß, was die Menschen und Betriebe vor Ort beschäftigt, kann auch auf Landesebene Gesetze einbringen, die Sinn machen.“

Werden Sie bei den Kommunalwahlen 2014 wieder auf der Stadtrats-Liste der Grünen zu finden sein?

Hartmann: „Wenn es die Grüne Basis in Landsberg so möchte, sehr gerne.“

Welche Themen werden Ihre Schwerpunkte sein, sofern Sie gewählt werden?

Hartmann: „Falls ich wiedergewählt werde, wird die Herausforderung, die Finanzen der Stadt Landsberg in Ordnung zu bringen, sicherlich den Großteil meiner politischen Arbeit in der Lechstadt in Anspruch nehmen. Persönlich ist es mir ein besonderes Anliegen, weiterhin beim bereits eingeleiteten Umbau unserer Stadtwerke zum bürgernahen Energiedienstleister konstruktiv mitzuwirken. Wie auch bisher werden wir Grüne also die Fraktion sein, die sich dafür einsetzt, dass Landsberg die lebenswerte Stadt bleibt, die sie ist.“

Wären Sie Landsberger Oberbürgermeister geworden, dann wären Sie heute nicht Grünen-Fraktionschef im Landtag. Schon damals sagten viele Lechstädter, dass Ihnen die Niederlage nicht ganz ungelegen kam…

Hartmann: „Politische Erfolge sind nicht planbar. Man muss die Herausforderungen annehmen, wie sie einem das Leben stellt.“

„In München für Landsberg und in Landsberg für Bayernthemen“, hat sich laut Thomas Goppel Ihr CSU-Landtagskollege Alex Dorow auf die Fahnen geschrieben. Nehmen Sie das auch für sich in Anspruch und wie wollen Sie das umsetzen?

Hartmann: „Das wird längst praktiziert. Ein Beispiel: Im letzten Jahr erfuhr ich im Gespräch mit dem Leiter unseres Forstamtes, Dr. Gaudlitz, dass die den städtischen Wäldern zustehenden Zuschüsse aus dem ,Kommunalwaldpakt’ nicht abrufbar waren. Im Dialog mit der Staatsregierung konnten wir über mein Büro zügig eine Lösung finden und die Mittel abrufen. Oder ganz aktuell: im Verfahren um Schadensersatz gegen die beratende Bank bei den Zinswetten. Hier benötigte die Stadt dringend eine Klärung, ob diese Zinsgeschäfte genehmigungspflichtig sind. Durch meine Anfrage an das Innenministerium konnte das schnell geklärt werden. Bei den laufenden Verhandlungen können wir jetzt die Bank gezielter in die Verantwortung nehmen. Wie schon OB Neuner gesagt hat: Wenn es um die Schadensbegrenzung des Zinswettendesasters geht, halten wir Lands­- berger zusammen.“

In der Süddeutschen war zu lesen, Sie hätten etwas Söderhaftes an sich, sie seien ein geschickter Selbstvermarkter…

Hartmann: „Ohne ein gewisses Talent bei der Selbstvermarktung kommt ein Politiker nicht weit.“

Zum Abschluss zwei Stichworte, die sie bitte jeweils mit einem Satz beantworten: „Größte Herausforderung als Fraktionschef“ und „Olympische Winterspiele“.

Hartmann: „Größte Herausforderung als Fraktionschef: etwas langsamer zu reden ohne weniger zu sagen. Olympische Winterspiele: braucht Bayern nicht, solange man sie nur mit der unbegrenzten Haftung der IOC-Knebelverträge und mit sinnloser Heimatzerstörung bekommen kann.“

Toni Schwaiger

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