Walter Eichners letzter Landrats-Tag

Nur das MVV-Brett war einfach zu dick!

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Die letzten Unterlagen sichten, dann ist Schluss: Regierungspräsident Christoph Hillenbrand verabschiedet Landrat Walter Eicher heute Abend in den Ruhestand.

Landsberg – „Halbe Sachen“ kommen für ihn einfach nicht infrage, wenn Landrat, dann richtig. Das hohe Tempo aber könne er auf Dauer nicht halten, deshalb beschloss Walter Eichner (CSU) vor knapp eineinhalb Jahren, keine dritte Amtszeit anzustreben. Der KREISBOTE unterhielt sich mit dem 64-Jährigen, den Regierungspräsident Christoph Hillenbrand heute Abend verabschieden wird.

Herr Eichner, wie fühlen Sie sich am letzten Tag Ihrer Amtszeit? Fällt Ihnen der Abschied sehr schwer?

Eichner: „Hin und her gerissen und mit einem lachenden und einem weinenden Auge.“

Ihr Büro mit Blick auf das Lechwehr und die Altstadt ist gewiss schon geräumt und an Ihren Nachfolger übergeben…

Eichner: „Die Arbeit ist getan – der Schreibtisch aufgeräumt. Mein Nachfolger Thomas Eichinger hat im Rahmen unserer Übergabegespräche viele und gute Fragen gestellt, die ich ihm auch im Interesse des Landkreises gerne – und ich hoffe auch ausführlich –beantwortet habe.“

Mal ehrlich: Da kommt doch sicher auch bei Walter Eichner etwas Wehmut auf?

Eichner: „Sicherlich spüre ich Wehmut. Das Amt des Landrates ist eine verantwortungsvolle aber zugleich schöne und interessante Arbeit. Ich habe diese für unsere Heimat gerne geleistet. Dankbar bin ich vielen Menschen, die mich tatkräftig unterstützt und begleitet haben. Wir waren eine gute Mannschaft.“

Wie haben Sie sich denn von Ihren Mitarbeitern verabschiedet? Oder folgt das erst noch?

Eichner: „Am vergangenen Montag hat der Personalrat zu einer Abschiedsfeier eingeladen. Ich habe mich bei den kompetenten und engagierten MitarbeiterInnen mit einem großen Dank, den ich auch im Namen des Kreistages ausgesprochen habe, verabschiedet. Bei der Gelegenheit hat sich mein Nachfolger als neuer Kapitän vorgestellt.“

Dem Vernehmen nach sollen ja einige Abschiedsveranstaltungen sehr ergreifend für Sie gewesen sein – vor allem im Bereich der Schulen…

Eichner: „Der Vormittag des 2. April war ein besonderer Tag. Außenstehende können es sich nicht vorstellen, wie kreativ unsere Schulen sind. ,Gänsehaut-Feeling’ und zwischendurch auch der sogenannte ,Knödel im Hals’ waren bei mir angesagt. Der Landkreis kann auf seine Schulen, seine Lehrkräfte aber auch auf seine Schüler stolz sein.“

Was bleibt von zwölf Jahren Amtszeit tief in Walter Eichner?

Eichner: „Das Wissen, in einem lebens- und liebenswerten Landkreis leben zu dürfen. Das Wissen, dass es bei uns viele Frauen und Männer gibt, die sich im Ehrenamt besonders auszeichnen. Diese Arbeit ist unter anderem. der Garant dafür, dass die meisten Menschen bei uns sagen können: Hier will ich sein, hier ist es schön, hier fühle ich mich wohl und geborgen.“

Sie hatten sich auch für Ihre zweite Legislaturperiode viel vorgenommen. Welche sind die drei wichtigsten Themen, die Sie abarbeiten konnten? 

Eichner: „Die Schulbauten und die Sanierung unseres Klinikums abzuschließen; das Seniorenpolitisches Konzept und der Startschuss zur Inklusion sowie das Klimaschutzkonzept und der Ausbau des Breitbandnetzes.“

Auch für einen Landrat läuft nicht alles nach Plan. Nennen Sie uns doch ein Beispiel dafür, das Sie besonders wurmt!

Eichner: „Dass das Brett ,Verbesserung der Infrastruktur auf der Schiene’ mit einer optimaleren Zuganbindung inklusive Beitritt zum Münchener Verkehrsverbund so dick ist.“

Auf Entscheidungen des Landrats und der Kreisbehörde reagiert so mancher Bürger nicht immer freundlich. Vor Jahren verübte ein Unbekannter einen Brandanschlag auf Ihr Büro. Der Täter wurde nie gefasst. Wie denken Sie heute darüber?

Eichner: „Was im Kopf dieses Menschen vorgegangen ist, kann ich nicht nachvollziehen. Ich sehe es auch nicht als einen Anschlag auf mich persönlich. Der Täter muss wohl einen Frust auf die Behörde Landratsamt gehabt haben.“

Beschreiben Sie doch in drei Sätzen den Landkreis, den Sie nun in die Hände Ihres Nachfolgers legen?

Eichner: „Unsere Kinder haben eine gute Zukunft. Die Menschen hier sind noch christlich, bodenständig und fleißig. Wir liegen günstig im Schnittpunkt der Wirtschafts- und Kulturzentren Augsburg und München und haben hier durch die Seen und die Alpen einen hohen Freizeitwert.“

Der Jahresabschluss 2010 war jüngst Thema im Kreisausschuss. Danach lag der Landkreis Landsberg bei der Pro-Kopf-Verschuldung mit 440 Euro bayernweit auf Rang 65 (von 71). Der Landesdurchschnitt beträgt 236 Euro pro Einwohner. Damit können Sie eigentlich nicht zufrieden sein…

Eichner: „Diese Zahl darf unkommentiert so nicht stehen bleiben, weil…

• andere Landkreise ihre Schulen nicht mehr selbst errichten, sondern leasen. Dafür ist die Kreisumlage höher. • in anderen Landkreisen es Schulzweckverbände gibt, die ohne Landkreisbeteiligung die Schulhäuser errichten. Die Schulden sind dann bei den beteiligten Gemeinden.

• in anderen Landkreisen die Investitionen für ihr Krankenhaus in der dortigen Bilanz sich widerspiegeln.

• andere Landkreise erst einmal auf unser Schulbau-Niveau kommen müssen.

• die Kreisgremien und der Landrat bewusst diesen Weg gegangen sind. Den Schulden stehen ja auch Werte dagegen. Und wie man mit Geld und Derivaten umgeht haben wir ja positiv bewiesen. Die Schulden, und wir sind ja schon wieder im Abbau, lassen uns und mich schon ruhig schlafen.“

Das dürfte dann ja eine Herausforderung für den neuen Landrat und Kreistag sein. Werden Sie Thomas Eichinger mit Rat und Tat zur Seite stehen, sofern dieser das wünscht?

Eichner: „Wenn mein Nachfolger mich um einen Rat fragt, dann wird es ihn auch selbstverständlich gerne erhalten.“

Eine neue berufliche Herausforderung haben Sie ausgeschlossen. Was machen Sie im „Ruhestand“?

Eichner: „Ein bisschen ,Unruhestand’ darf es schon sein. Enkelkinder, Frau, Haus und Freunde werden mich sicherlich fordern. Zum Anschauen gibt es ja auch noch viel – jetzt habe ich dann die Zeit dazu.“

Ehrenamtlich wollten Sie sich unter anderem für die Bewohner der Asylunterkunft an der Münchener Straße, also ganz in der Nähe Ihres Hauses, engagieren. Bleibt es dabei?

Eichner: „Ich werde mich nicht selbst um die Bewohner dort kümmern. Die ehrwürdigen Schwestern wissen aber, dass ich sie in dieser Angelegenheit gerne unterstütze. Im übrigen wartet noch das eine oder andere Ehrenamt, um angenommen zu werden.“

Und wie sieht es mit der Kommunalpolitik aus?

Eichner: „Im Augenblick bewusst nur passiv. Ich werde aber die Stadtpolitik, insbesondere unsere Stadtwerke Landsberg, interessiert beobachten.“

Herr Eichner, vielen Dank für das Gespräch und alles Gute im Ruhestand!

Toni Schwaiger

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