Gelebte Inklusion

Sonderschichten sind kein Problem

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Sie haben einen Menschen mit Behinderung in ihrer Mitte aufgenommen: Haustechniker Andreas Peukert, Reinigungskraft Alexandra Zierer und Direktor Peter Adam.

Kaufering – Alexandra Zierer (25) arbeitet wöchentlich 22 Stunden als Reinigungskraft in der Staatlichen Realschule Kaufering und hat in Landsberg in der Ahornallee noch eine weitere kleine Tätigkeit, die sie zweimal für 2 Stunden pro Woche ausführt. Nach dem Besuch der Schule am Luisenhof, Sonderpädagogisches Förderzentrum, war sie Rahmen einer weiteren Bildungsmaßnahme ein Jahr bei Regens Wagner in Holzhausen und ließ sich dort zur Hauswirtschaftlichen Technischen Helferin (HTW) ausbilden.

Mit dieser Qualifikation wurde sie im Oktober 2010 in der Realschule in Kaufering als Reinigungskraft eingestellt und sorgt zusammen mit drei Kolleginnen für die Sauberkeit im Gebäude, das 32 Räume umfasst und täglich von über 500 Schülern frequentiert wird.

Alexandra Zierer, die sich derzeit zusammen mit einer Mitbewohnerin ein Appartement in einer Wohnanlage der Lebenshilfe in Landsberg teilt, kommt ohne Unterstützung zur ihrer Arbeitsstelle in die Realschule. „Ich will trotz meiner Sprachbehinderung und Lernschwäche selbstständig sein“, sagt die 25-Jährige selbstbewusst und äußert ihren Wunsch nach einer eigenen Wohnung, in der sie auch mal einen ganz persönlichen Freiraum für sich in Anspruch nehmen kann. Eigentlich steht ihr eine Sozialwohnung zu, für die sie auch eine finanzielle Förderung bekommen könnte, aber ein entsprechender Wohnraum steht derzeit nicht zur Verfügung.

Wichtige Anerkennung

Alexandra Zierer hat keine Geschwister, ihre Mutter ist verstorben und ihr kranker Vater lebt weit weg östlich von München. Umso wichtiger ist es für sie, dass sie von den drei Kolleginnen freundschaftlich aufgenommen und als vollwertiges Teammitglied anerkannt wird. „Ich fühle mich wohl im Team, weil mir die anderen helfen und mich auch aufmerksam machen, wenn ich etwas übersehen oder mal einen Fehler gemacht habe“, erzählt sie mit freudestrahlendem Gesicht. „Das gute Einverständnis mit meinen Kolleginnen ist so wichtig, weil ich selbst ja keine richtige Familie mehr habe“, sagt sie zum Zusammenhalt innerhalb der Gruppe. „Ich bin auf mich allein gestellt und muss im Leben alleine zurecht kommen“, äußert sie mit einem selbstbewussten Blick. Auch eine Reise hat sie schon alleine unternommen und ist darauf auch stolz.

Andreas Peukert, Haustechniker der Realschule, kann nur Gutes über die Leistungen von Alexandra Zierer berichten. „Sie hat sich von Anfang an gut ins Team eingefügt und arbeitet sehr exakt und zuverlässig. In besonderen Situationen, wie jetzt zum Beispiel bei den Theatertagen, ist bei allen die Bereitschaft groß, auch Sonderschichten einzubringen“, freut sich Andreas Peukert.

Beispiel für Inklusion

Peter Adam, Direktor der Realschule Kaufering, hebt hervor, dass mit dem vierköpfigen Reinigungsteam die Möglichkeit geschaffen wurde, auf einen externen Dienstleister verzichten zu können. „Alexandra Zierer kommuniziert vorbildlich und sagt immer Bescheid, wenn irgendwas gemeldet werden muss“, äußert er sich zufrieden zur Verlässlichkeit ihrer Mitarbeit. „Das schätze ich sehr an ihr, dass sie die Anweisung befolgt und darüber spricht, wenn ein Klassenraum mal besonders verschmutzt ist“, hebt er hervor.

„Die Inklusion von Menschen mit Behinderung ist nicht nur wünschenswert, sondern auch durchführbar. Zuerst aber müssen dafür die Voraussetzungen geschaffen werden“, erklärt Peter Adam. Die Inklusion von Alexandra Zierer ist dafür ein gutes Beispiel.

Mittendrin im Arbeitsleben

In loser Folge stellt der KREISBOTE an dieser Stelle Menschen mit Behinderungen aus dem Landkreis Landsberg vor, die erfolgreich im Berufsleben stehen. Mit positiven Beispielen für gelebte Inklusion im Arbeitsleben wollen wir und die Mitglieder des „Arbeitskreises Arbeit“ des Psychosozialen Netz- werks Landsberg verdeutlichen, wie Menschen mit Behinderung einen wichtigen Beitrag zu Erfolg und Firmenkultur eines Unterneh- mens leisten können. Weitere Infos gibt es auf: www.landkreis.landsberg.de/gesundheit-soziales/psychoziales-netzwerk/arbeitskreis-arbeit/.

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