"Ich für Dich"

Weit gespannter Horizont

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Derzeit sammelt Christine Reichert Spenden für die Sanierung des 100 Jahre alten Zaunes, der den Schacky-Park an der Paradeseite umgibt.

Dießen – Eine herausragende Rolle in ihrem engagierten Leben spielt derzeit ein Zaun – daraus macht Christine Reichert keinen Hehl. Aber es ist kein gewöhnlicher Zaun, für den sich die 1. Vorsitzende des Fördervereins Schacky-Park einsetzt, es ist der Zaun des gleichnamigen Parks, der einst von Ludwig Freiherr von Schacky am südlichen Ortsende angelegt wurde.

Die ehrenamtlich engagierte ehemalige Arzthelferin hat ein ganz besonderes Verhältnis zu diesem Stück Erde, das sie gerne mit einer Anekdote beschreibt: 1924 hätte ihr Großvater, der Landwirt Karl Hente aus Riederau, das Areal mitsamt der dazugehörigen Landwirtschaft – sozusagen als Nachfolger des Freiherrn – für 5000 Reichsmark erwerben können. Er entschied sich anders, kaufte ein Häuschen an der Tiefenbachstraße und hängte seinen anstrengenden Beruf an den Nagel.

Mittlerweile hat der Förderverein Schacky-Park, in dem sich Karls Enkelin seit zehn Jahren engagiert und dem sie seit einem Jahr vorsteht, viel zur Instandsetzung des Landschaftsparks getan: Wildwuchs wurde gerodet, Wege und Teiche wurden instand gesetzt, Baudenkmäler wie das asiatische Teehaus und der Monopteros wurden restauriert, Brunnen und Brunnenfiguren saniert und vieles mehr. „Die Tatsache, dass der Schacky-Park heute nicht mehr als privater Landschaftsgarten fungiert, sondern der Allgemeinheit zur Verfügung steht finde ich einfach großartig. Und es ist schön zu sehen, wie glücklich die Leute sind, wenn sie durch den Park gehen“, freut sich Reichert.

Im Dezember feiert der Förderverein Schacky-Park, der mittlerweile 500 Mitglieder umfasst, sein zehnjähriges Bestehen. „Allerdings nur mit einer internen Feier“, betont Reichert. Im Mai 2016 soll dann die Sommersaison im Park mit einem Jubiläumsprogramm eröffnet werden. Dass rechtzeitig auch die Restaurierung der Apollon- und der Diana-Statue in trockene Tücher gebracht werden konnte ist für den Verein ein besonderes Highlight.

Als nächstes soll die Instandsetzung des Eisenzaunes angegangen werden, den der Freiherr einst erbauen ließ und an dem nun der Rost nagt. Er verliert immer mehr Stäbe und verfällt „wie ein marodes Gebiss“, erklärt Reichert. Rund 50000 Euro, so eine vorläufige Schätzung, könnte es kosten, den mehr als 100 Jahre alten Zaun, wieder instand zu setzen. Beraten wird der Verein vom Amt für Denkmalspflege, hinsichtlich der Spendenakquise ist Reichert bereits mit Stiftungen in Kontakt, auch bei Leader möchte sie anklopfen. Reichert: „Der Zaun ist 160 Meter lang. Er ist ein wirklich schönes, barock anmutendes, gestalterisch und handwerklich hochwertiges Baudenkmal. Die Investition lohnt sich also.“

Aber nicht nur als Vorsitzende des Schacky-Parks kennt man die Rentnerin, sondern auch als Literaturkennerin und begeisterte Cineastin. Seit 2008 unterstützte Christine Reichert als Stellvertreterin den 1. Vorsitzenden des kunstsinnigen Heimatvereins, Dr. Thomas Raff. „Be- reits 1996 habe ich angefangen Lesungen zu organisieren. Und dann kam natürlich der Film dazu. Den Heimatverein habe ich immer als Ermöglicher erlebt“. Das KurzFilmFestival, das heute Cineasten und Filmemacher gleichermaßen nach Dießen lockt, hat Reichert 2004 aus der Taufe gehoben. Insgesamt waren es sechs Festivals, die im zweijährigen Turnus unter ihrer Regie organisiert wurden. Die Verantwortung dafür hat sie im Rahmen der letzten Jahresversammlung innerhalb des Heimatvereins weitergegeben, um sich nun voll und ganz dem Schacky-Park widmen zu können.

Danach befragt, was das Ehrenamt für sie bedeutet, sagt Christine Reichert: „Unendlich viel. Und das Schöne ist, man lernt im Ehrenamt die interessanteren Menschen kennen. Diese Leute sind offen, bringen Erfahrung mit, ihr Horizont ist weit gespannt. Daraus ergibt sich eine ganz besondere Dynamik.“

Ursula Nagl

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