Im Alleingang

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Gabriele Helling hat den Landsbergern gezeigt, wie ein Schenktag funktioniert.

Landsberg – Gabriele Helling ist eine Frau, die Herausforderungen annimmt. Eine, die sich nicht scheut, Neues auszuprobieren – erst recht, wenn es angeblich unmöglich ist. Als sie auf die Idee kam, in Landsberg nach dem Vorbild anderer Städte einen Schenktag ins Leben zu rufen, hörte sie von allen Seiten den Satz: „Das geht hier nicht.“ Eine bessere Motivation hätte es kaum geben können. Inzwischen hat Gabriele Helling in Eigenregie bereits zweimal den Landsberger Schenktag auf die Beine gestellt – und von allen Seiten Lob geerntet.

Das Prinzip ist simpel: Menschen bringen zum Schenktag gut erhaltene, funktionstüchtige Gegenstände aller Art, die sie nicht mehr brauchen. Und jeder darf kommen und mitnehmen, was er möchte. Damit das innerhalb eines Tages reibungslos funktioniert, müssen Planung und Organisation generalstabsmäßig ablaufen. Und das taten sie. 

Gabriele Helling hatte sich zuvor in Kempten und Königsbrunn Schenktage angeschaut, sich Tipps geben lassen und rund 20 Helfer rekrutiert – Kollegen aus dem Ehrenamtsbereich, Familie und Freunde. Als Veranstaltungsort hatte sie das Sportzentrum gewählt und als Sponsor die VR-Bank Landsberg-Ammersee gewonnen – ohne finanzkräftigen Partner wäre das Projekt bereits an der Raummiete gescheitert. Das alles schaffte die Bürokauffrau im Alleingang, ohne Verein oder sonstige Organisation im Rücken. „Man muss risikofreudig sein und für eine Sache brennen“, sagt die 63-Jährige mit den roten Locken und der mädchenhaften Stimme, der man die Berliner Färbung auch nach 15 Jahren Oberbayern noch anhört. 

Dass sie als Zugereiste den Landsbergern nicht nur gezeigt hat, wie ein Schenktag funktioniert, sondern auch, dass er selbst in einer scheinbar wohlhabenden Region dringend gebraucht wird – nun ja, das freut sie ganz nebenbei. An die 300 Menschen kamen im Juni zur zweiten Veranstaltung. Am Ende waren die vielen Tische und Kisten mit Waren aller Art wie leergefegt. Nicht nur sozial Schwache waren unter den Besuchern. „Es kommen auch Leute einfach so, weil man immer etwas Nettes findet“, sagt Gabriele Henning. „Es ist dieses Stöbern, das hat was.“ Schenktag, das ist die nächste Ebene nach der Schnäppchenjagd. 

Und die vielen Spender sind froh, wenn sie Dinge nicht wegwerfen müssen, sondern anderen damit eine Freude machen. Schon seit Jahren engagiert sich Gabriele Henning im sozialen Bereich, unter anderem arbeitete sie im Kleiderladen des Roten Kreuzes. Deshalb weiß sie: „Es gibt auch hier genügend Bedürftige – Menschen, die ihre Arbeit verloren haben, Hartz-IV-Empfänger, Flüchtlinge.“ Auch sie selbst weiß, was es heißt, den Job zu verlieren und erfolglos Hunderte von Bewerbungen zu verschicken. Also verließ sie mit knapp 50 ihre Heimatstadt und ihren großen Freundeskreis, um dort einen Neuanfang zu wagen, wo es Arbeit gab – im Großraum München. 

Gutes Gefühl 

Mit dem Schenktag hat die Mutter eines Sohnes nicht nur anderen etwas Gutes getan, sondern auch dem eigenen Selbstwertgefühl einen Schub gegeben. „Dieses Glücksgefühl kann man gar nicht beschreiben“, sagt sie. Damit der Schenktag weiterhin stattfinden kann, muss aber nun ein Verein gegründet werden. Und dafür fehlen Gabriele Helling die Mitstreiter. Noch.

Ulrike Osman

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