Hilfe und Sport

Seit 30 Jahren ist Johann Brodschelm Mitglied bei der Wasserwacht. Dass er dort Sport und Ehrenamt miteinander verbinden kann, macht für ihn das Besondere aus.

Landsberg – „Bei der Wasserwacht kann ich Sport und Ehrenamt verbinden.“ Für den 75-jährigen Johann Brodschelm einer der Gründe, sich bei der Wasserwacht in der Ortsgruppe Landsberg zu engagieren.

„Wasser mochte ich schon immer“, erzählt er, und als dann seine Kinder Schwimmen lernen wollten, absolvierte er sozusagen seine ersten Stunden als Schwimmlehrer – woraus eine über 30 Jahre lange Mitgliedschaft bei der Wasserwacht Landsberg resultierte. Sechs Jahre lang war er Vorsitzender des 1949 gegründeten Kreisverbandes Landsberg, „seit drei Jahren bin ich aber nur noch ein normaler Aktiver“, so Brodschelm. Der Wasserwachtler ist vor allem in der Vermisstensuche und im Bereich der Leichenbergung tätig. Zudem engagiert er sich als Ausbilder für die Jugendrettungsschwimmer. „Zu uns können schon Kinder mit acht Jahren kommen“, betont Brodschelm. „Mit 16 können sie Juniorwasserretter werden und mit 18 ihre Ausbildung zum Wasserretter starten“. 

Die Jugendgruppe hat im Moment 60 Mitglieder, die jeden Montag und Mittwoch Abend im Inselbad oder im Lechtalbad Kaufering trainieren. Kondition sei für die Arbeit sicher wichtig, „aber man sollte auch wissen, wie man einen Einsatz plant und im Team arbeiten können“, so Brodschelm. Natürlich muss man den Geretteten dann „an Land“ helfen können, weshalb zur Ausbildung auch ein mehrwöchiger Lehrgang als Sanitätshelfer gehört. Von den 60 Jugendlichen werden der Wasserwacht aber leider nicht viele erhalten bleiben. „Zwar kommen mit den Jugendlichen auch oft deren Eltern zur Wasserwacht“, erzählt Brodschelm, „aber im Moment haben wir nur 15 aktive Mitglieder – bei rund 320 Mitgliedern insgesamt.“

Früher, als die Bundeswehr noch in Landsberg stationiert war, sei das deutlich anders gewesen. Besonders in der Altersgruppe zwischen 20 und 40 klaffe ein tiefes Loch. Brodschelm führt das mit darauf zurück, dass die beruflichen Anforderungen inzwi- schen so hoch seien, dass viele gar nicht nebenher ehrenamtlich tätig sein könnten, selbst wenn sie wollten. Die Wasserwacht ist nicht nur für Notfälle und Vermisstensuche zuständig, sie setzt sich zudem für den Schwimm- unterricht bei Kindern ein. „Manche Kinder lernen das nicht mehr in der Schule“, erzählt Brodschelm. 

Oftmals sei dafür die fehlende Infrastruktur verantwortlich: Das nächste Schwimmbad ist einfach zu weit entfernt, um einen regelmäßigen Schwimmunterricht durch die Schulen zu garantieren. Wenn es den Mitgliedern der Wasserwacht möglich ist, helfen sie auch als Bademeister im Inselbad aus. Oder sie werden zu gemeinsamen Einsätzen mit dem Technischen Hilfswerk gerufen. Damit sind die 15 Aktiven aus Landsberg jedoch voll ausgelastet. 

Dennoch wird sich die Wasserwacht auch damit befassen, wie die Durchführung von Schwimmkursen für Asylsuchende zu stemmen wäre. Dass dringender Bedarf sei, stehe außer Frage, so Brodschelm. Er habe sich die Stelle, an der kürzlich ein Asylsuchender ertrunken sei angeschaut: „Ein guter Schwimmer hätte sich da noch retten können.“ Einige Aktionen der Wasserwacht machen aber auch einfach Spaß: Ende Januar nehmen die Landsberger wieder am Donauschwimmen in Neuburg teil. „Das ist dann Kältetrainig“, lacht Brodschelm, „genauso wie das Nikolausschwimmen an der Teufelsküche und das Sylvester- schwimmen.“ 

Bei Letzterem schwimmen die Wasserwachtler mit brennenden Fackeln und Feuerwerkskörpern in den Händen den Lech hinunter. Und kurz vor der Karolinenbrücke lassen es die Wasserwachtler dann richtig krachen.

Susanne Greiner

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