Trachtler und Schlossherr

KREISBOTEN-Serie Ehrenzeichen des Ministerpräsidenten: Anton Draxl

Ehrenzeichenträger Anton Draxl aus Epfach.
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Heimatverbunden und dennoch weltoffen: Ehrenzeichenträger Anton Draxl aus Epfach.

Epfach – Er ist ein überzeugter Trachtler und Musiker, der sich seit vielen Jahrzehnten den Erhalt des Brauchtum auf die Fahnen schreibt: Anton Draxl aus Epfach. Für Freunde ist er schlicht der Toni; einige Bekannte nennen ihn heute noch den „Schlossherrn“. Was es damit auf sich hat? Anton Draxl war, bevor er 2014 in Rente ging, Chef der Finanzamtsdienststelle in Füssen. Sein Büro hatte er im Hohen Schloss mit Blick hinunter zur Stadt und zum Lech.

Daheim ist der Draxl Toni im beschaulichen Epfach. Das Dorf­leben hat er in den vergangenen vier Jahrzehnten maßgeblich mitgeprägt. Für all seine Verdienste, sei es in der Musik, sei es im Brauchtum, hat Anton Draxl das Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten bekommen, das 2020 im Landkreis Landsberg an 15 engagierte Frauen und Männer verliehen wurde.

Inzwischen ist der Draxl Toni 70 Jahre alt. Geboren ist er in Schliersee. Als kleines Kind wuchs er in Fischbachau auf. Von dort kam die Familie nach Kinsau, als der Bub zwei Jahre alt war. Seine Kinder- und Jugendzeit verbrachte Toni Draxl in der Lechrain-Gemeinde. Nach der Heirat mit seiner Frau Helmine, geborene Wilm, zog er schließlich nach Epfach.

26 Jahre hat Anton Draxl die Bläsergruppe des Trachtenvereins Lechroaner geleitet. Er spielte das Bariton und das Tenorhorn. Auch hatte er Zither gelernt. Angefangen hatte er auf der Trompete; Draxl erinnert sich noch gut, wie sein Vater mit der Stricknadel in der Probenstunde neben ihm hockte und dem Buben damit auf die Finger klopfte, wenn er falsch spielte.

Im Epfacher Heimat- und Trachtenverein war der 70-Jährige, der seine Blasinstrumente nach einer längeren Erkrankung im vergangenen Jahr nicht mehr spielen kann, 21 Jahre Volksmusikwart. Auch war er zwölf Jahre Schriftführer bei den Lechroanern. „Auf ihn war immer Verlass, und er sorgte für Harmonie“ – so fasst es Walter Eglhofer zusammen, der sein Nachfolger als Volksmusikwart ist.

Mehr als 25 Jahre bereicherte Draxl mit seiner Bassstimme auch den Kirchenchor. Außerdem war er 40 Jahre war er ein zuverlässiger Kamerad in der Epfacher Tanzlmusik. Im Vergleich dazu nimmt sich die Zeit in der Kommunalpolitik geradezu kurz aus: Von 1984 bis 1990 gehörte er dem Gemeinderat von Denklingen an. Zehn Jahre war er Jugendleiter bei den Fußballern; genauso lang hatte er die A-Jugend trainiert.

Mit seiner Frau hat Draxl zwei Kinder und drei Enkel. Der Sohn wohnt mit der Familie im Haus. Die Tochter hat es nach Karlsruhe verschlagen. Beruflich war der Epfacher in der Finanzverwaltung tätig. Insgesamt brachte er es auf 48 Jahre. Stationen waren die Finanzämter in Kaufbeuren, Weilheim- Schongau und zuletzt in Füssen, wo er die Dienststelle führte, was ihm angesichts des historischen Gebäudeensembles den Titel „Schlossherr“ bescherte.

Ein großes Projekt war für Draxl, die Reise nach Amerika zu organisieren, zu der die Kapelle des Lechgaus im Sommer 2019 aufgebrochen war. Anlass war das Gaufest in Washington. Was musste da nicht alles vorbereitet werden, damit die 25-köpfige Gruppe zu diesem außergewöhnlichen Gaufest in der Hauptstadt der Vereinigten Staaten kommen konnte. „Das war eine Mordsarbeit“, bekennt Toni Draxl rückblickend.

Er sei aber auf jeden Fall froh, dass dieser besondere Ausflug der Lechgaukapelle schon im Jahr 2019 Wirklichkeit werden konnte. Denn letztes Jahr wäre so ein Ausflug nicht mehr möglich gewesen – wegen der Coronapandemie und auch wegen seiner Erkrankung, die ebenfalls 2020 kam.

Die achttägige Reise nach Washington mit der Gaukapelle, mit der er schon früher viele schöne Auftritte hatte: Für Toni Draxl bleibt das deshalb allemal unvergessen – im langjährigen und vielfältigen Einsatz als Musiker und Trachtler.
Johannes Jais

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