Mit dem Radl was bewegen

Ehrenzeichen des Ministerpräsidenten: Martin Baumeister aus Kaufering

Der ADFC-Vorsitzende Martin Baumeister mit seinem Fahrrad.
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Einsatz für die Radler und selbst ständig mit dem Rad unterwegs: der ADFC-Vorsitzende Martin Baumeister.

Kaufering – Sein Leben und seine Leidenschaft gilt dem Fahrrad. Klaus Baumeister radelt in seinem Alltag. Er radelt, um sich sportlich fit zu halten. Und mehr noch, er engagiert sich: für das Fahrrad als Verkehrsmittel. Für den Klimaschutz. Für die Belange der Radfahrer. 25 Jahre Tourenleiter, fast 19 Jahre Vorstandsarbeit im Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) Landsberg, Einsatz für so wichtige Projekte wie Stadtradeln oder Erweiterung des Radwegenetzes. Dafür ist der Kauferinger mit dem Ehrenzeichen des Ministerpräsidenten ausgezeichnet worden.

Gründungs-, dann Vorstandsmitglied, zwölf Jahre lang zweiter Vorsitz – und seit mehr als sechs Jahren Vorsitzender im Vorstand des ADFC Landsberg. Trotz dessen vielfältiger Tourenangebote handele es sich nicht um einen Sportverein, betont Martin Baumeister. Sondern um einen Verein, der die Interessen der Alltagsradfahrer vertrete. Die versuchen er und seine Mitstreiter so gut wie möglich weiterzubringen und durchzusetzen. „Wir haben dabei keine Entscheidungsmacht“, erklärt er, „sondern betreiben Lobbyarbeit, nehmen Einfluss auf Stadt und Gemeinden.“ Dabei werde eng mit dem Landkreis Landsberg zusammengearbeitet.

So sei man etwa dabei gewesen, als dieser im Jahr 2013 begann, ein Klimaschutzkonzept zu erarbeiten. „Unser Mitwirken setzt unter dem Punkt ‚Mobilität‘ an, so Baumeister: „Förderung und Verbesserung des Radverkehrs steht für uns erster Stelle.“

Weniger Stau

Es heiße immer: ‚Fahrt mehr Fahrrad statt Auto.‘ Das sei schnell mal gesagt, so Baumeister. Aber dazu sei auch eine gute Infrastruktur nötig. „Der Autofahrer hat die bereits“, meint er. Und der Mensch sei bequem – im Auto vor Wind und Wetter geschützt. Dennoch gebe es im Auto einen wichtigen Stressfaktor: den Stau. Ein Jeder könne zu einer Verkürzung eines solchen beitragen, wenn er öfter das Rad nutze.

Damit genau das mehr Menschen tun, war eine Ausweitung des bestehenden Radwegenetzes im Landkreis dringend erforderlich, sagt der ADFC-Vorsitzende. Früher habe man hier überwiegend ein touristisches Netz vorgefunden. Denn das Rad sei damals sei eher als Freizeitgerät genutzt worden. Das Auto dagegen als Verkehrsmittel Nummer eins. Erst nach und nach – auch durch das Voranpreschen der E-Bikes – würden die Leute das Rad wieder mehr und anders nutzen: als ebenbürtiges Verkehrsmittel. „Man kann locker aus der Umgebung Landsbergs in die Innenstadt fahren“, meint Baumeister. Das habe eigentlich nur Vorteile. Neben der frischen Luft und der sportlichen Betätigigung gebe es etwa keine Parkplatzprobleme mehr.

Immer noch würden aber Auto- und Lkw-Verkehr stetig zunehmen, Radfahren werde zunehmend unbequemer und gefährlicher. „Man fährt nicht gerne auf einer Straße, auf der man mit Tempo 100 überholt wird“, sagt Baumeister.

Stadtradeln

Es wurden zwar nach und nach Radwege gebaut. Und es könne auch nicht für jede Straße einen Radweg geben. Dennoch gebe es Lücken. Die habe man sich seitens des ADFC angeschaut. Und dem Landrat „einen Maßnahmenkatalog auf den Tisch gelegt“, sagt Baumeister. Zum Teil sei der umgesetzt, zum Teil noch in Planung oder eben in Teilen auch nicht durchführbar. Die Zusammenarbeit funktioniere hier sehr gut.

Ebenso gemeinsam mit dem Landkreis organisiere man die Aktion „Stadtradeln“. „Wir helfen hier so gut wir können bei der Durchführung vor Ort und organisieren auch die Auftakt- und Abschlusstour“, berichtet Baumeister. Zudem würden die Mitglieder aktiviert, in diesem Zeitraum möglichst viele Kilometer zu fahren. Die Aktion sei wichtig, um das Bewusstsein fürs Radfahren zu wecken und gebe einen weiteren Schub in Richtung Verbesserung des Verkehrswesens, meint Baumeister. Auch würden sich dadurch Radfahrer im Landkreis kennenlernen.

Der mittlerweile über 500 Mitglieder zählende Verein organisiert darüber hinaus Jahr für Jahr von Frühjahr bis Herbst ein ausgedehntes Radtourenprogramm, mit Tages- oder auch Mehrtagestouren, Besichtigungs- oder auch sportlichen Touren. „Ich habe dadurch im Laufe der Jahre ganz Deutschland mit dem Rad kennengelernt“, erzählt Baumeister.

Ein Räder-Quartett

Vier Fahrräder stehen bei ihm daheim in der Garage. Die werden auch alle genutzt. Etwa das Trekking Bike für Alltagstouren wie die Fahrt zum Einkaufen, aber auch für mehrtätige Radtouren mit viel Gepäck. Ein Rennrad zum Sport treiben, „schließlich brauche ich zum Radfahren ja die nötige Kondition“, sagt der passionierte Radler. Ein Mountain-Bike für Touren nicht nur in den Bergen, sondern auch daheim vor der Tür, über Wald und Flur. Und noch sein altes Trekkingbike. Das nutzt er im Winter, um das Neue vorerst noch vor Schmutz und Salz zu schützen.

Nur ein E-Bike ist nicht dabei. Er sei jetzt 71 Jahre alt und nicht mehr der Jüngste. Trotzdem verspüre er „gar keinen Drang“, sich ein E-Bike zuzulegen. „Das hat keine Eile“, meint Baumeister.

Ganz ohne Auto geht es aber selbst bei Martin Baumeister nicht. Zwei seiner drei Kinder wohnen nicht um die Ecke, eine Tochter am Chiemsee, die andere in Karlsruhe. „Das wäre doch etwas weit mit dem Rad“, schmunzelt er. Dennoch: „Meine Frau und ich fahren pro Jahr mehr Kilometer mit dem Rad als mit Auto“, betont er.

Mit dem Rad zur Schule

Schon immer sei er gern Fahrrad gefahren. Als Kind den relativ langen Schulweg. Später auch als Elektriker-Lehrling zur Arbeit. Beruflich hat er weniger mit Rädern zu tun gehabt: als Leitwartenfahrer hatte er bei der ehemaligen BAWAG die Kraftwerke im Blick. Seit 16 Jahren ist er nach einigen Jahren des Vorruhestandes in Rente. Hat Zeit, sich um sein intensives Hobby zu kümmern.

Sein Engagement für das Fahrradfahren ist ihm ein wichtiges Anliegen. Er ist überzeugt, „dass es richtig ist, was wir machen.“ Der Beweis: Im Frühjahr kam der Brief vom bayerischen Ministerpräsidenten, über den er sich „natürlich sehr gefreut“ habe. Das Ehrenzeichen sollte eigentlich schon längst persönlich übergeben werden. Bis heute sei das nicht passiert, wegen Corona, sagt Baumeister. „Irgendwann werde ich das Ding schon in den Händen halten.“

Das Ehrenzeichen des Ministerpräsidenten

Es ist für Personen, die sich durch ihre Aktivitäten in Vereinen, Organisationen und sonstigen Gemeinschaften mit kulturellen, sportlichen, sozialen oder anderen gemeinnützigen Zielen hervorragende Verdienste erworben haben: das Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten. Er überreicht es entweder selbst oder beauftragt den Landrat damit; in diesem Jahr jedoch ist alles anders, der feierliche Rahmen für die Ehren­zeichen-Verleihung lässt sich pandemie­bedingt nicht umsetzen. Deshalb würdigt der KREISBOTE das herausragende ehrenamtliche Engagement der neuen Ehrenzeichen-Träger*innen im Rahmen einer Serie.
Andrea Schmelzle

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