Von strikter Hierarchie zu echter Kameradschaft

KREISBOTEN-Serie: Feuerwehrkommandanten im Landkreis - Florian Hoffmann aus Utting

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Florian Hoffmann ist seit März 2019 1. Kommandant in Utting – bei der Feuerwehr ist er aber schon seit 22 Jahren.

Utting – Noch recht frisch ist er, der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Utting. Im März wurde Florian Hoffmann zum Mann an der Spitze gewählt. Doch an Erfahrung mangelt es ihm nicht – seit 22 Jahren verstärkt er mittlerweile schon die Uttinger Truppe. Hoffmann erzählt vom Zusammenhalt der Kameraden und den Veränderungen in der Gesellschaft.

„Ich war einfach neugierig wie Sau“, lacht der Uttinger. Schon als Kind sei er mit dem Radl hinter den Feuerwehrautos hergefahren. Mit 14 Jahren, dem damaligen Mindestalter, ist er dann beigetreten. Und vor gut sechs Jahren haben ihn die Kameraden zum 2. Kommandanten gewählt – im März dieses Jahres vertrauten sie ihm dann die Stelle des 1. Kommandanten an.

Die Kameraden, das sind 50 aktive Feuerwehrler. Dazu kommen noch 16, die sich in der Jugendfeuerwehr engagieren. „Das darf ich gar nicht laut sagen, aber an Nachwuchs mangelt es uns derzeit nicht“, so Hoffmann. Wobei die Feuerwehr in den letzten Jahren durchaus „schmerzliche Verluste“ hatte. Die hohen Mieten in Utting und junge Menschen, die weggehen, um zu studieren, hätten sich bemerkbar gemacht.

Dass es so viele zu dem Ehrenamt zieht, könnte auch daran liegen, dass sich innerhalb der Feuerwehr mit der Zeit viel geändert hat. Hoffmann erinnert sich an seine Anfangszeiten. Es galt eine „strikte Hierarchie“ und die Mannschaft wurde mitunter „streng geführt“. „Heute ist es nicht mehr so steif. Die Leute sind viel offener geworden und die strenge Hierarchie gibt es nicht mehr.“

Natürlich wird auch viel gemeinsam unternommen. Ausflüge, gemeinsames Grillen, Weihnachtsfeiern – alles regelmäßig vom Verein organisiert. Aber eine eher ungewöhnliche Aktion ist: „Einmal die Woche treffen sich 14 Feuerwehrler im Haus, um Pilates zu machen.“ Das würde zwar immer ein bisschen belächelt. Aber die Freiwilligen sollen nicht das Gefühl haben, „nur zum Arbeiten herzukommen“.

Ein gutes Mannschaftsgefüge ist sicherlich auch bei den Einsätzen extrem wichtig. „Wir haben da ein recht breites Spektrum. Von der Blindschleiche in der Regentonne über Menschen, die im Aufzug feststecken bis hin zu Verkehrsunfällen.“ Von Kurios bis Routine scheint also alles dabei zu sein.

Wie alle Rettungskräfte, erleben aber auch die Feuerwehrler teilweise schlimme Unglücke, die ihnen auch noch nachhängen, wenn sie ihre Uniform schon längst wieder abgelegt haben. Ein solch dramatischer Einsatz war für Hoffmann ein Verkehrsunfall in Entraching. Ein junger Mann verunfallte mit seinem Pkw und trug schwerste Verletzungen im Gesicht davon. „Das Bild vergisst man nicht mehr.“ Und obwohl man als Feuerwehrler immer mit so etwas rechnen müsse, sei es dennoch ein Schock. „Man bekommt ja von der Leitstelle nur gesagt: ‚Verkehrsunfall mit schwerverletzter Person‘.“ Was sich den Freiwilligen dann tatsächlich für ein Bild biete, wisse vorher keiner.

Um mit solchen Erlebnissen nicht allein klarkommen zu müssen, gibt es für alle Wehren einen Seelsorger. Der Diakon Franz Bauer ist für den gesamten Landkreis zuständig. „Da sitzen alle zusammen und dann redet man einfach“, erklärt Hoffmann. Es sei ein recht lockerer Umgang. „Man fühlt sich da gut aufgehoben.“

Es wird sich also um die Ehrenamtler gekümmert. Auch die Menschen, denen die Feuerwehr hilft, zeigen sich dankbar. „Da steht dann zum Beispiel eine Mutter mit ihrer Tochter und einem großen Geschenkkorb bei uns vor der Tür“, freut sich Hoffmann. „Das ist natürlich Futter für uns.“ Doch scheinen nicht alle Bürger die Arbeit der Freiwilligen zu schätzen zu wissen. Das Anspruchsverhalten habe sich sehr gesteigert. „Für einige sind wir einfach nur moderne Dienstleister.“ Auch höre Hoffmann immer mal wieder davon, dass manche zum Beispiel die Rechnungen für die Einsätze nicht bezahlen wollen.

Nichtsdestotrotz macht dem Uttinger sein Job offensichtlich Spaß. „Ich mag einfach das Große und Ganze. Es ist abwechslungsreich, man muss sich immer wieder neu erfinden.“

Zur KREISBOTEN-Serie

In loser Folge stellt der KREISBOTE Feuerwehr-Kommandanten aus dem Landkreis Landsberg vor. Die Einsatzleiter berichten von ihren persönlichen Erfahrungen, der Arbeit ihrer Mannschaft, von Herausforderungen und von dem guten Gefühl, anderen geholfen zu haben.
Stephanie Novy

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