Paradies für Eisvogel und Mehlschwalbe

KREISBOTEN-Serie Naturschutzgebiete: Oberhauser Weiher 

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Große Pflanzenvielfalt und ein Rastplatz für reisende Tiere - der Oberhauser Weiher
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Große Pflanzenvielfalt und ein Rastplatz für reisende Tiere - der Oberhauser Weiher

Landkreis – Mit 25 Hektar ist das Naturschutzgebiet um den Oberhauser Weiher das kleinste im Landkreis. Es liegt ziemlich genau in der Mitte von westlich Vilgertshofen und östlich Dettenschwang. Familie Hafner ist der Besitzer dieses Gebiets und betreibt nördlich des eigentlichen Weihers das bekannte „Gut Oberhausen“ mit einer Zucht von Waygu-Stieren und Galloway-Kühen. Die Geschichte des Guts lässt sich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen und ähnlich alt dürfte auch der Oberhauser Weiher sein.

Es handelt sich nicht um ein natürliches Gewässer, sondern streng genommen um einen von Menschenhand angelegten Teich. Der Zulauf liegt im Südwesten und als Ablauf dient südöstlich der Hauser Bach. Erst 1986 wurde der Weiher unter Schutz gestellt. Laut Verordnung gehören auch die Verlandungszone, der Streuwiesenbereich, der Erlenbruchwald und der Gehölzsaum um den Weiher dazu. Als besonders schützenswerte Pflanzen gelten hier der Fieberklee, die Weiße Seerose und der Schwalbenwurz-Enzian.

Christian Niederbichler ist seit 1997 „Gebietsbetreuer Ammersee“ beim Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Bayern. Seine Stelle war das erste Pilotprojekt, mittlerweile gibt es rund 50 Gebietsbetreuer im Freistaat. Seit er zwölf Jahre alt war, spielte die Natur eine große Rolle in Niederbichlers Leben. Er machte verschiedene Praktika und auch den Zivildienst in einem Naturschutzgebiet und studierte schließlich Geografie. Auf diese Weise hat er es geschafft, seine Leidenschaft und sein Hobby zum Beruf zu machen.

Expeditionsleiter

Er wird für heute mein Expeditionsleiter sein und rückt mit schwerem Gerät an: ein leistungsstarkes Fernrohr auf einem Stativ. Das wird uns später noch großartige Dienste leisten. Wir stehen am nördlichen Ufer, wo die Straße verläuft. Zu morgendlicher Stunde liegt der Weiher vollkommen ruhig da. Im Süden ist ein Schilfgürtel auszumachen und die dort jagenden Graureiher sind sogar mit dem bloßen Auge zu erkennen. Ein paar Enten paddeln gemächlich in ihrer Bahn, alles scheint friedlich, doch plötzlich ist es mit der Ruhe vorbei. Mehl- und Rauchschwalben tauchen auf und bringen Leben in den Himmel. Immer wieder stoßen sie aus der Luft nieder und stecken ihre spitzen Schnäbel ins Wasser.

Rastplatz für Vögel

Christian Niederbichler kommt gleich auf eine wichtige Funktion des Schutzgebietes zu sprechen: „Es handelt sich auch um eine Art Trittstein für viele Vögel und Insekten. Auf ihrer Reise vom Lech zum Ammersee können sie hier Rast machen. Die Schwalben, die wir gerade sehen, trinken nur etwas und ziehen dann weiter.“

Und tatsächlich – die quirlige Bande verlässt den Weiher nach wenigen Minuten und alles ist wieder mucksmäuschenstill. Die Farbe des Wassers ist bräunlich, aber nicht wie bei einem Moor. Dieser Umstand bereitet Christian Niederbichler Sorge. „Das wundert mich ein wenig und es sind auch gar keine Seerosen zu sehen. Der Sache werde ich mal nachgehen müssen“, sagt er nachdenklich und macht ein paar Fotos.

Die strukturreiche Verlandungszone im Süden, mit ihren vielen kleinen Buchten, ist für Schilfbrüter, wie beispielsweise die Wasserralle, ideal. Aber auch die Feuchtgebietsvegetation im Westen bietet unter anderem vielen Pflanzen ein Zuhause: Blut- und Gilb-Weiderich, Sumpf-Storchschnabel, Ross-Minze oder auch diversen Weidenarten. Doch Niederbichler hat zunächst kein Auge für die Flora, denn immer wieder fliegt eine Gebirgsstelze über unsere Köpfe und der Vogelkundler ist ganz aufgeregt.

Mit dem Artenreichtum am Südende des Ammersees könne der Weiher natürlich nicht mithalten, erklärt der Gebietsbetreuer. Aber als Zwischenstation habe das Naturschutzgebiet eine wichtige Funktion. Ein Baumfalke sei vor einer Weile gesichtet worden, im Schilf würden Wasserrallen und Teichrohrsänger brüten und einige rare Libellen und Schmetterlinge seien ständige Gäste.

Glück und Unglück

Ein helles Pfeifen schwirrt durch die Luft. Niederbichler baut flugs das Fernrohr auf und peilt verschiedene Stellen am Ufer an. Dann hält er inne und flüstert: „Da! Ein Eisvogel! Habe ich doch richtig gehört. Schauen Sie auf diesen Ast, der über dem Wasser hängt.“ Als sich mein Auge an die starke Vergrößerung gewöhnt hat, erkenne ich den Vogel mit seinem beeindruckenden blau-orangen Gefieder. Regungslos sitzt er auf dem Ast und spät nach Fischen im Wasser. „Der Eisvogel ist das ganze Jahr hier und brütet auch. Aber man bekommt ihn nur selten zu Gesicht. Da haben wir wirklich Glück gehabt.“

Weniger Glück hatten die 14 toten Ringelnattern, die wir auf der Straße zählen, als wir uns auf den Weg Richtung Abfluss im Südwesten machen. Der warme Asphalt lockte sie aus der Deckung und nichtsahnende Autofahrer machten ihnen den Garaus. Betrübt betrachtet der Gebietsbetreuer das grässliche Schicksal der kleinen Schlangen und seufzt: „Die haben die Autos einfach nicht gespürt und gehört. Ein wirklich trauriger Anblick.“

Schweigend ziehen wir weiter, überqueren eine gemähte Wiese und dann geht es hinein in den Urwald, wo kein Pfad zu erkennen ist. Wir sind nun am Ablauf des Oberhauser Weihers. Große Spinnennetze hängen an dünnen Ästen und wir umgehen sie vorsichtig. Der Boden ist feucht, Wasserarme schlängeln sich fast unsichtbar durch den Wald und an den Bäumen sieht man die Spuren der obligatorischen Biber.

Über einen Baumstamm gelangen wir über einen Bach und stoßen auf eine kleine Lichtung mit einer schlammigen Suhle. „Aha“, sagt Niederbichler, „ich habe mir schon gedacht, dass hier Wildschweine sind. Die Spuren sind eindeutig. Und nun sind wir auch hier verewigt, denn schauen Sie, was dort hängt.“ Ein Jäger oder Förster hat an einem Baum eine Wildkamera angebracht, die bei Bewegungen ausgelöst wird. Wir winken noch einmal freundlich in die Linse und verabschieden uns schnell wieder.

„Dieser Abfluss ist natürlich ein ganz anderer Lebensraum, als der Weiher“, erklärt Niederbichler. „Hier leben Nagetiere und kleine Jäger. Libellen und Schmetterlinge. Ich finde es gut, dass man hier den Wald sich selbst überlässt. Für die Artenvielfalt ist das entscheidend.“ Umgestürzte Bäume und abgeknickte Äste scheinen uns den Weg ebenso versperren zu wollen wie hartnäckige Dornen und Ranken. Wir kämpfen uns aus diesem Gebiet heraus und marschieren zurück zu unserem Ausgangspunkt. Mittlerweile hat die Sonne an einem höheren Punkt am Himmel Position bezogen und es wird schwül-warm. Die Mücken scheinen Spätaufsteher zu sein und belästigen uns erst jetzt.

Wir spähen erneut nach dem Eisvogel, aber nur sein spitzer Ruf ist zu hören. Für uns ist es gleichsam der Abschiedsruf des faszinierenden Vogels. Christian Niederbichler verstaut seine Ausrüstung im Wagen und muss gleich zum nächsten Termin: Die Wasservögel am Ammersee müssen gezählt werden. Er winkt und ist schon bald am Horizont verschwunden. Ich werfe einen letzten Blick auf den stillen Weiher und verlasse ihn schweren Herzens.

Dietrich Limper

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