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Kreiskulturtage: Der Mensch ist mehr als nur Chemie

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Von: Dieter Roettig

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Kreiskulturtage Landsberg Mannschaft in Dießen
Freuen sich auf die Kreiskulturtage: Organisatorin Annunciata Foresti, die Künstlerinnen Luise Loué, Katalin Fischer und Francesca Rappay und Landrat Thomas Eichinger (von links). © Roettig

Landkreis – Nach der Corona-Zwangspause gibt es jetzt ganz viel Kultur im Landkreis. Die „Kreiskulturtage“ vom 14. Mai bis zum 4. Juni bieten zum Thema „Sehnsucht“ ein Mammutprogramm von über 50 Veranstaltungen mit mehr als 150 Künstlerinnen und Künstlern in 21 Orten. So in Landsberg, Entraching, Thaining, Pestenacker, Windach oder Kaufering. Und am Ammersee-Westufer in Schondorf, Utting, Holzhausen und natürlich Dießen. Die Marktgemeinde ist die Wahlheimat der Malerin Annunciata Foresti. Sie ist die Kulturbeauftragte im Landkreis und hat das Programm auf die Beine gestellt.

„Es war alles andere als einfach, die Leute zusammenzu­trommeln“, verriet sie bei der Präsentation des 128 Seiten starken Programmheftes im Garten ihres „Stellwerk“-Ateliers. „Wegen der Pandemie waren viele in einer Art Schockstarre und mussten erst motiviert werden.“ Lob für ihre Fleißarbeit kam von Landrat Thomas Eichinger, Schirmherr der Kreiskulturtage. Er war Gast im Stellwerk, ebenso auch als Vertreter der Mitwirkenden die Violinistin Francesca Rappay, Luise Loué vom „Museum der Liebe“ und Katalin Fischer, Autorin und Theaterregisseurin.

Es war nicht leicht für Foresti, aus der Vielzahl von Ausstellungen, Konzerten, Theatervorstellungen und Vorträgen einige repräsentative herauszupicken. Als Highlight gleich zum Start empfahl sie die Eröffnungsfeier am 14. Mai im Landsberger Stadttheater. Mit Stelzern, Ballett, Luftakrobatik, viel Musik und Bodenständigem wie der Dießener Trachtenjugend. Sie ist am 15. Mai im Rahmen der erstmals angeschlossenen Jugendkulturtage des Kreisjugendrings nochmals zu bewundern. Im Boxlerpark der Dießener Seeanlagen führen die Nachwuchs­trachtler Volkstänze mit und ohne Gesang sowie Schuhplatteln auf. Ein Höhepunkt ist am 28. Mai das „Sehnsuchtsfest für die ganze Familie“ in Schondorf direkt am Ammersee. Hier gibt es eine original-venezianische Gondel mit Fahrten im See, eine über den Platz schwebende Kinderseilbahn, die Landsberger Stelzer, ein nostalgisches Kinderkarussell und vieles mehr. Auf der Open-Air-Bühne spielt die populäre Hochzeitskapelle „folkloristisch-elegischen Rumpeljazz“ zum Mittanzen.

Am 15. und 19. Mai stellt sich in der Evangelischen Friedenskirche Dießen die Frage „Soll man Sehnsüchte stillen?“ Die Antwort geben Sängerin Maggie Jane und Performerin Manuela Hartel mit einer „Vokalperformativen Videoinstallation“. Im Schacky-Park gibt es am 15. Mai vom Trio Nautico Musik von Swing über Bossa Nova bis Dixie und eine Erklärung, „wie der Jazz das Sehnen sucht“.

Am 20. Mai liest Eichinger im Café Goldammer aus von ihm ausgesuchten „literarischen Perlen“ zum Thema „Sehnsucht ist unendlich“. Videokünstlerin Vanessa Hafenbrädl lädt am 19. und 20. Mai nach Holzhausen zum Künstlerhaus Gasteiger. Sie präsentiert einen Lichtspaziergang, untermalt mit einer eigens konzipierten Soundcollage von Anna McCarthy. Maria Well am Cello und Matthias Well an der Geige, als Duo „Two Well“ aus der berühmten Well-Familie hervorgegangen, bringen am 21. Mai im Dießener Marienmünster zum Thema „Sehnsucht Heimat“ eine scheinbar mühelose Synthese aus Kunst- und Volksmusik vom klassischen Menuett bis zum indischen Raga. Bei den vielen Kunstausstellungen im gesamten Landkreis sind Künstler wie Mathias Rodach, Christoph Frank, Katinka Schneeweis, Eva Mähl, Oliver Grüner, Tanja Hust, Birgit Roschach oder Martin Gensbauer beteiligt. An alte und kranke Mitbürger denken am 21. Mai im Seniorenheim Vilgertshofen die Sängerin Siso Hagen und die Pianistin Maria Anastasia. Sie bringen altbekannte Schlager zum Mitsummen, Mitschwelgen und Mittanzen.

Am 28. Mai bringt der Landsberger Autorenkreis Lyrik, Prosa und Musik für blaue Stunden ins Teehaus des Dießener Schacky-Parks, gemäß der Sehnsucht, in Zeiten von Digitalisierung und Hochtechnologie Mensch und Natur wieder in Einklang zu bringen. Die Sehnsucht sowohl nach Vergangenem als auch nach der Zukunft präsentiert Konzertorganist und Kirchenmusiker Stephan Ronkov am 5. Juni als um einen Tag verspätetes Finale im Marienmünster zu Dießen.

Die bei der Programmheft-Vorstellung im Stellwerk anwesenden Künstler stellten natürlich auch ihre Beiträge vor. Wie die Dießenerin Katalin Fischer, die mit ihrer „Virtuellen Companie“ am 19., 20. und 31. Mai sowie am 1. Juni in der Theaterscheune Windach das extra zum Thema Sehnsucht geschriebene Theaterstück „Rauf, runter, crash“ aufführt. Die Uttinger Violinistin Francesca Rappay ist nicht nur bei der Auftaktveranstaltung im Stadttheater dabei. Zusammen mit Pianistin Masako Ohta aus Tokyo spielt sie am 28. Mai im Ammersee-Landheim in Schondorf und nach einem gemeinsamen Spaziergang mit dem Publikum im Studio Rose. Luise Loué schließlich öffnet ab dem 15. Mai für drei Sonntage ihr „Museum der Liebe“ im Tiny-House am Ammersee-Ufer in Holzhausen. Sie zeigt 130 emotionale Erinnerungsstücke von „ganz normalen Leuten“, die Einblicke in Sehnsüchte und Realitäten der Liebe geben.

Annunciata Foresti schloss ihre Vorstellung mit einem Zitat des zu früh verstorbenen Theater- und Filmregisseurs Christoph Schlingensief: „Der Mensch besteht nicht nur aus Chemie, sondern auch aus ganz viel Sehnsucht“. Und die könne bei den Kreiskulturtagen zumindest etwas gestillt werden.

Das kostenlose Programmheft liegt in Rathäusern und Fremdenverkehrsämtern sowie ausgewählten Geschäften aus. Infos und Programmänderungen online unter www.kreiskulturtage-landsberg.de.

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