Kreisseniorenheime

Die Konkurrenz aus Landsberg belastet

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Die Bewohner im Kreisseniorenheim Theresienbad in Greifenberg und Pflegerin Dorothea Mooshuber (rechts) machen sich wegen der hohen Verluste noch keine Sorgen.

Landkreis – Dass es mit der „schwarzen Null“ in den beiden Seniorenheimen des Landkreises nichts wurde, tue ihm „persönlich leid“, erklärte deren Leiter Thomas Söldner dem Kreisausschuss. Schuld an dem hohen sechsstelligen Verlust sei allerdings vor allem die neue Pflegekonkurrenz in Landsberg.

Söldner nannte das neue Seniorenheim in der Nähe des Bahnhofs nicht beim Namen, machte aber klar: „Wir merken deutlich, dass ein weiterer Anbieter mit im Teich wildert.“ In Zahlen bedeutet das, dass das Kreisseniorenheim Theresienbad in Greifenberg 2012 einen Verlust von 329000 Euro gemacht hat, in Vilgertshofen beträgt der „Jahresfehlbetrag“ 285000 Euro. Richtige Besserung ist nicht in Sicht, auch wenn Landrat Walter Eichner darauf hinwies, dass man in Vilgertshofen in diesem Jahr mit wesentlich geringerem Verlust abschneiden werde. „In Greifenberg wird aber wohl wieder ein Dreier vorne dran stehen.“

Zumal sich die Situation durch die weitere Planung der Stadt Landsberg eher noch einmal verschärfen wird. „Bis jetzt hat das Heilig-Geist-Spital Betten abgebaut“, erinnerte Söldner, „wenn dort jetzt stattdessen noch ein neues Pflegeheim mit über 100 Betten entsteht, wird es für uns nicht leichter, weil viele Leute dann doch lieber in der Stadt bleiben.“

Das machte im Kreistag Dr. Manfred Rapp (CSU) erkennbar Sorgen. „Wenn die Entwicklung so weitergeht, wäre doch im Theresienbad in einigen Jahren das Eigenkapital verzehrt“, mutmaßte er und fragte, ob es nicht besser sei, die beiden Einrichtungen zusammenzulegen, um eine stärkere Kapitaldecke zu schaffen. „Ich kann aus dem Stegreif nicht sagen, ob das möglich wäre“, entgegnete Kreiskämmerer Jürgen Felbinger, „aber es würde das Problem nicht lösen, dass der Landkreis hier in die Zahlungsverpflichtung kommt, spätestens in fünf Jahren.“ Nach dieser Frist muss der Kreis die Defizite ausgleichen, wenn das in den Einrichtungen selbst bis dahin nicht gelungen ist – „pleite gehen können diese Häuser nicht, um das deutlich zu sagen“, betonte Landrat Eichner.

Die neue Konkurrenz aus Landsberg merke man in beiden Häusern vor allem daran, dass man frei gewordene Betten nicht mehr so schnell belegen könne wie noch ein Jahr zuvor, erläuterte Söldner, der aber auch einen Lichtblick parat hatte. „Wir werden jetzt wieder Vollbelegung haben, vor allem auch durch Kurzzeitpflege, die stark zunimmt.“ Als weitere Maßnahmen habe man bereits verstärkt zu Werbung in Kliniken und in der Presse gegriffen, der Kontakt mit Schulen sei ebenfalls sehr gut angenommen worden.

Auch an der Ausgabenseite werde gearbeitet. Zum einen versuche man, den Personalschlüssel so gut wie möglich anzugleichen. Die Mitarbeiter flexibel in beiden Häusern einzusetzen, bringe dabei allerdings wenig – „wenn wir im einen Haus einen Überhang haben, haben wir den im anderen auch.“ Sparen könnte man dagegen an anderer Stelle. Söldner: „Wir haben aber auch sehr hohe Energiekosten, man sollte eventuell darüber nachdenken, eine Kraft-Wärme-Kopplungsanlage zu errichten.“

Christoph Kruse

Der Preis der Pflege

Landkreis – „Wir haben noch Zimmer frei“, heißt es derzeit in vielen Senioreneinrichtungen im Landkreis. Gründe hat das viele, unter anderem aber auch günstige häusliche Pflege aus dem Ausland. Immer mehr Menschen ziehen diese Rund-um-die-Uhr-Betreuung im eigenen Zuhause dem klassischen Seniorenheim vor. Dazu kommen Betreuerinnen – meist nicht qualifiziert – aus dem Ausland, etwa aus Polen. Justyna Godek war eine von ihnen, jetzt lebt sie in Kaufering und betreibt selbst eine Vermittlungsagentur.

Derzeit sind in den Kreisseniorenheimen Vilgertshofen und Greifenberg insgesamt bis zu 20 Betten nicht belegt. „Das private Engagement von Pflegekräften hat sicherlich Aus-wirkungen auf die Situation stationärer Pflegeeinrichtungen“, so Heimleiter Thomas Söldner. „In einigen Fällen signalisierten Interessenten uns gegenüber, dass sie sich für eine private ausländische Pflegekraft und gegen einen stationären Pflegeplatz entschieden haben.“ Söldner könne sich sogar gut vorstellen, dass die Entscheidung für eine private Pflegeperson aus dem Ausland auch zu einer Unterbelegung stationärer Betten führen kann. Als Bedrohung empfinde Söldner die Pflege aus dem Ausland für seine Häuser noch nicht. Aber sowohl er, als auch Ralf Dietrich, Leiter des Senioren-Zentrums Pichlmayr Landsberg, beobachten die steigende Nachfrage.

Alles ganz legal

 „Es ist schon ein Problem für uns“, schätzt Dietrich. Schockierend sei es vor allem, dass die Pflegerinnen, die meist aus Osteuropa kommen, weder ausreichende Qualifikation noch Deutschkenntnisse vorweisen können. Auch die rechtliche Situation sei proble-matisch. „Bei mir passiert alles auf legalem Weg“, hält Justyna Godek dagegen. Die Polin kam selbst als „häusliche Seniorenbetreuerin“ nach Deutschland, jetzt vermittelt sie andere Pflegerinnen aus Polen.

Direkte Arbeitsverträge mit den Polinnen sind illegal – es könnte sich nach deutschem Recht um eine Scheinselbstständigkeit handeln. Daher beruft sich Godek auf das Prinzip der Entsendung: Die Pflegerinnen sind bei einem polnischen Unternehmen angestellt und werden für bis zu sechs Monate nach Deutschland „entsendet“. Auch Deutschkenntnisse müssen die Frauen, die Godek vermittelt, vorweisen. „Ohne die macht es ja keinen Sinn“, sagt die Agenturleiterin, „man muss sich ja miteinander verständigen können.“

Pflegerinnen, die besonders gutes Deutsch sprechen sind teurer. Zwischen 1650 und 1950 Euro im Monat kostet die 24-Stunden-Betreuung; Kost und Logis sind frei – wirklich qualifiziert sind die Polinnen allerdings tatsächlich nicht. „Meistens sind es Hausfrauen, die sich ihr Wissen in der Praxis angeeignet haben“, erklärt die Kauferingerin. „Sie haben zum Beispiel Angehörige gepflegt oder einem ambulanten Pflegedienst in Deutschland über die Schulter geschaut.“ Medizinische Pflege wie Verbandswechsel oder Spritzen geben dürfen die Frauen demnach nicht ausführen.

„Ein Vorteil der ausländischen Pflegekräfte scheint der finanzielle Aufwand zu sein“, sagt Söldner. Aber: „Qualitativ hochwertige, einfühlsame und professionelle pflegerische Dienst-leistungen haben ihren – in meinen Augen verdienten – Preis.“ Warum sich dennoch derzeit rund 40 Senioren im Landkreis von einer polnischen Pflegerin betreuen lassen? „Die Leute wollen daheim bleiben und ihre vertraute Umgebung nicht aufgeben“, erklärt Godek. „Die Nachfrage ist daher sehr groß.“

24-Stunden-Einsatz

Holt sich ein Pflegebedürftiger eine Kraft aus dem Ausland, steht sie ihm Tag und Nacht zur Verfügung. Daher habe es sich laut Godek bewährt, dass sich die Polinnen in der Regel nach zwei Monaten abwechseln und nicht die erlaubten sechs Monate am Stück in Deutschland bleiben. „Die Frauen sind 24 Stunden im Einsatz, da sind sie nach zwei Monaten ausgelaugt und brauchen eine Pause“, so Justyna Godek.

In einer stationären Einrichtung könne eine „Eins-zu-Eins-Betreuung“ nicht geleistet werden, allein aus Kostengründen, sagt der Leiter der Kreisseniorenheime. Dem gegenüber stehe jedoch die außerordentliche Qualität in deutschen Pflegeheimen. Die Ausbildung zur Pflegefachkraft dauere drei Jahre und stelle damit hohe Ansprüche an Wissen und Kompetenz. Janina Bauch

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