Antiker Schatz im Deckengewölbe

Kreuzkappelle in Dießen-St. Georgen wird grundlegend saniert

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Von den Arbeiten überzeugten sich Pfarrer Josef Kirchensteiner, Bernhard Andreas vom Soldaten- und Reservistenverein, Kirchenpfleger Peter Keck und Georg Schwarzer von der Kirchenverwaltung.

Dießen-St. Georgen – Aller guten Dinge sind drei, dachte sich wohl Propst Ulrich Trieg, als er im Jahr 1570 gleich drei Kapellen im Schatten des mächtigen und alles überragenden Marienmünsters bauen ließ: Die Fetzenkapelle an der Lachener Straße (benannt nach dem zeitweiligen Eigentümer Fetzenbäck), die Mooskapelle an der Straße nach Raisting und die Kreuzkapelle in St. Georgen, die heute als Gedächtnisstätte für die Gefallenen beider Weltkriege dient. Fetzen- und Mooskapelle befinden sich inzwischen in Privatbesitz, das historische und denkmalgeschützte Kleinod in St. Georgen immer noch im Eigentum der Kirche.

Der Zahn der Zeit hat der Kreuzkapelle am Kirchsteig zwischen St. Georgen und Kindergarten St. Gabriel heftig zugesetzt. Zwar wurde sie 1959 auf Initiative und Kosten des Soldaten- und Reservistenvereins Wengen-St. Georgen bereits einer Restaurierung unterzogen, aber nach fast 60 Jahren ist wieder eine umfangreiche Sanierung nach Feuchtigkeitsschäden fällig. Der leicht geneigte Glockenturm und die Fußpunkte vom Dachstuhl am Auflager der Mauerkrone müssen stabilisiert werden. Zur Sicherung der Zerrbalken werden angefaulte Sparren entfernt, ergänzt und geschient. Der gesamte Dachstuhl erhält eine Neuauflattung und wird mit Kirchenbieberplatten neu eingedeckt. Die Turmzwiebel mit Kugel und Kreuz wird einer genauen Sicherheitsprüfung unterzogen. Blitzschutz und elektrische Anlagen werden erneuert und nach Putzreparaturen erhält auch die Fassade einen neuen Anstrich.

Die ausführenden Handwerker erhielten jetzt Besuch von Pfarrer Josef Kirchensteiner, Kirchenpfleger Peter Keck, Georg Schwarzer von der Kirchenverwaltung und Bernhard Andreas vom Soldaten- und Reservistenverein. Sie überzeugten sich vom Fortschritt der komplizierten Arbeiten, denn bereits Ende Juni soll die Sanierung abgeschlossen sein. Laut Peter Keck werden sich die Kosten auf rund 50.000 Euro belaufen, die von der Diözese Augsburg und der Kirchenstiftung getragen werden. Peter Keck gab seiner Freude Ausdruck, dass mit der denkmalgeschützten Kreuzkapelle wieder ein wertvolles Kulturgut erhalten werde.

Bei der Entschuttung des gemauerten Deckengewölbes fanden fanden die Handwerker übrigens einen antiken Schatz. In den Trümmern lag ein altes Leinenbild mit der Darstellung der Kapelle, das laut mühsam entzifferter Inschrift von „Hofmarkmüller Zachariä Schaur und seiner Hausfrau Ursula“ zwischen 1696 und 1731 nach einem Gelübde gespendet wurde. Die Restaurierung des historischen Fundes ist laut Peter Keck leider zu kostenaufwendig. Trotzdem wird die Leinwand wieder aufgespannt und erhält einen Ehrenplatz in der Kapelle.

Die Kreuzkapelle wurde im Jahre 1570 als Satteldachbau mit halbrundem Chor errichtet. 1748 vergrößerte sie Propst Herkulan Karg mit einem Anbau nach einer Stiftung des 1747 verstorbenen Hofschreibers Augustin Eisele. Die Turmglocke wurde im Jahre 1803 bei der Klosteraufhebung veräußert, aber schon zwei Jahre später stiftete ein großzügiger Wohltäter gleich zwei neue Glocken. Diese verschwanden allerdings irgendwann in Richtung „Unbekannt“. Bei der letzten Sanierung im Sommer des Jahres 1959 verewigte der Dießener Maler Konrad Robert Brieger an den Innenwänden in wochenlanger Arbeit die Namen und Daten der 117 Gefallenen beider Weltkriege aus Wengen und St. Georgen. Seitdem dient die Kapelle als Gedächtnisstätte.

Dieter Roettig

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