Landsberger Kriminalstatistik

Falsche Polizisten und andere Betrüger

Kriminalitätsstatisik 2020 - Landsberg - Telefonbetrug
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Allein im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Trickbetrügereien im Bereich der Polizeiinspektion Landsberg um 115 Fälle – nicht selten am Telefon.
  • Toni Schwaiger
    vonToni Schwaiger
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Landkreis – Statistiken entwickeln gerne eine gewisse Dynamik – auf den ersten Blick. Deshalb gilt es die Veränderungen, in der Regel in Prozent ausgedrückt, genauer zu betrachten. Exakt das ist jetzt bei der Kriminialstatistik des Polizeipräsidiums Oberbayrn der Fall. In dessen Zuständigkeitsbereich verzeichnet der Landkreis Landsberg den größten Anstieg: stolze 23,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Aber: Wesentlich dazu beigetragen habe ein Betrugs-Großverfahren mit 1.137 von insgesamt 4.735 Fällen. Und: Im Bereich der Polizeiinspektion Landsberg ist das Gesamteinsatzgeschehen „leicht rückläufig“.

Mit fast 7.750 Einsätzen sei trotz vieler Einschränkungen im öffentlichen (Veranstaltungs-)Bereich nur ein leichter Rückgang von knapp 2,3 Prozent zu vermerken, führt Poli­zei­oberkommisarin Julia Siebert aus. Auch im Landsberger Inspektionsbereich habe sich die Corona-Pandemie auf die Krimi­nalitätslage ausgewirkt, habe die Behörden vor besondere Herausforderungen gestellt und neue Aufgabenbereiche generiert.

So habe sich die Überwachung der Infektionsschutzvor­schriften zu einer neuen Aufgabe des täglichen Dienstes entwickelt; 391 Ordnungswidrigkeitenanzeigen seien hier aufgenommen worden. Und: Knapp 65 Anzeigen nach dem Strafgesetzbuch im Zusammenhang mit der Corona-­Pandemie bearbeitete die PI Landsberg – vor allem neuartige Betrugsmaschen sowie das Ausstellen von unrichtigen Gesundheitszeugnissen, vornehmlich durch den Kauferinger Arzt, Coronaleugner und Impfgegner Rolf Kron. Siebert betont: „Bei allen Einsätzen zur Überwachung der Infektionsschutzverordnung wurde durch die Landsberger Polizei ein bürgerorientiertes Vorgehen gewählt und mit dem erforderlichen Augenmaß sanktioniert beziehungsweise belehrt.“

Im „Phänomenbereich Häusliche Gewalt“ wurden im vergangenen Jahr 164 Fälle polizeilich bekannt. Das ist einer mehr als im Vorjahr. Der teilweise erwartete Anstieg durch die Ausgangsbeschränkungen in Zeiten von Corona blieb damit aus.

Die PI Landsberg betreute im Jahr 2020 auf einer Fläche von 611,06 Quadratkilometer 95.350 Einwohner. Für 2020 ergibt sich eine Häufigkeitszahl (Belastung der Bevölkerung mit Straftaten) von 3.913 pro 100.000 Einwohner. Sieht man von den 1.137 Fällen des Betrugs-Großverfahren ab, beträgt die Häufigkeitszahl nurmehr 3.130. Somit könne kein negativer Trend in Landsberg abgeleitet werden. „Die allgemeine Sicherheitslage für die Bevölkerung ist weiterhin auf hohem Niveau“, sagt Siebert und ergänzt: „Die Gefährdung im öffentlichen Raum, insbesondere (Gewalt-)Taten auf öffentlichen Straßen und Plätzen, sanken zum Vorjahr“. Erfreulich auch die Aufklärungsquote: 3.179 Straftaten habe man aufklären können, was einer Quote von 77.7 Prozent entspricht. Das seien 11,1 Prozent über dem Niveau des Vorjahres.

Im Zusammenhang mit der Bekämpfung von Betäubungsmittelkriminalität nahmen die Rauschgiftdelikte im Vergleich zum Vorjahr um 24 Fälle zu. Die Betäubungsmitteldelikte sind meist sogenannte „Kontrolldelikte“ und würden weiterhin im Fokus der Landsberger Polizei liegen.

Im Bereich der „Callcenterbe­trüge“ notierte die Polizei im ver­gangenen Jahr insgesamt 186 Fälle. Im Vergleich zum Vorjahr stieg diese Zahl der Trickbetrüge um 115 Fälle. Das ansteigende Betrugsphänomen umfasse vor allem Anrufe von sogenannten „falschen Polizeibeamten“, aber auch falsche Gewinnversprechen oder Mitarbeiter von Ämtern/Computerfirmen. Das Polizeipräsidium Oberbayern Nord versucht den steigenden Zahlen unter anderem mit der Präventionskampagne „Leg auf“ entgegenzuwirken.

Die Zahl der Wohnungseinbruchdiebstähle sank mit 16 Fällen im Vergleich zum Vorjahr um 15,8 Prozent. Auch hier sei ein möglicher Erklärungsansatz das „konsequente, konzeptionelle Vorgehen der Polizei“, vermutlich aber auch der Lockdown: Die Bürger waren mehr zu Hause, was in der Summe potenziellen Einbrechern das Leben noch schwerer machte.

Unter den im Zuständigkeitsbereich der Landsberger Polizei ermittelten Tatverdächtigen (ohne Aufenthalts- beziehungsweise Asylverfahrensgesetz) waren 356 Nichtdeutsche. Hier sei im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang von 52 zu verzeichnen. Insgesamt betrug der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger im vergangenen Jahr 24,3 Prozent und sank damit zum dritten Mal in Folge. 12,1 Prozent oder 177 der ermittelten Tatverdächtigen waren Zuwanderer, 47 weniger als im Jahr zuvor.
Toni Schwaiger

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