In der Krise nach vorn schauen

Von der globalen zur regionalen Krise – wie hart trifft es Wirtschaft und Arbeitsmarkt im Landkreis Landsberg? Über diese Fragestellung diskutierten auf der Frühjahrsveranstaltung des Informationskreises der Wirtschaft in der Staatlichen Berufsschule eine Reihe erfolgreicher Unternehmer aus der Region. Fazit: Sie kombinieren ihre Reaktion auf die Krise bereits mit vorausschauendem Handeln für die Zeit danach. Mitarbeiter sollen möglichst gehalten und Zukunftstechnologien entwickelt werden, um gut aufgestellt zu sein, wenn die Wirtschaft wieder anspringt.

So berichtete Günter Veit, Geschäftsführer des gleichnamigen Landsberger Unternehmens für Bügeltechnik, von einer Serie neu entwickelter Maschinen, die 20 bis 40 Prozent weniger Energie verbrauchen. „Wir wollen nicht nur überleben, sondern erfolgreich überleben“, erklärte Veit. In der derzeitigen Situation sei es vor allem wichtig, viel mit den Mitarbeitern zu kommunizieren. „Wir haben zur Zeit mindestens eine Betriebsversammlung im Monat.“ Die Chance in der Krise sieht man auch bei der Hirschvogel Umformtechnik GmbH in Denklingen. Während der schlechten Auftragslage mit Kurzarbeit begegnet wird, tüftelt die Entwicklungsabteilung bereits an neuen Technologien. Bauteile sollen leichter und damit umweltfreundlicher konstruiert werden. „Wir wollen schneller sein als der Wettbewerb und Lösungen parat haben, während die anderen noch nachdenken“, sagte Geschäftsführer Michael Dahme. Kurzarbeit fährt man seit vergangener Woche auch bei Hilti in Kaufering, allerdings nicht im Entwicklungsbereich. „Wir bauen Kompe- tenz auf für die Zeit nach der Krise“, berichtete Dr. Thomas Berden. Auch werde man weiterhin auf gewohntem Niveau ausbilden. Sogar ein neues Ausbildungszentrum werde entstehen, „denn wir glauben immer noch an ein Wachstumsszenario“. Betriebsbedingte Entlassungen seien während der Kurzarbeit ausgeschlossen, und ein Sozialfonds garantiere jedem Mitarbeiter ein bestimmtes Mindestgehalt, so dass niemand ins Bodenlose stürzen könne. Stephan Wohlfahrt von der Wohlfahrt Verwaltungs GmbH berichtete, sein Unternehmen sei vor allem im Speditionsbereich von der Krise betroffen und müsse „LKW und Arbeitsplätze so sozial verträglich wie möglich abbauen“. Jutta Huttner von der Huttner Fahrzeugbau GmbH bezeichnete die Auftragslage ihrer Firma derzeit als dramatisch, rechnet aber damit, „dass es sich auf niedrigerem Niveau wieder einpendeln wird.“ Die geringsten Sorgen hat offensichtlich Wolfgang Zeit, Inhaber der gleichnamigen Kauferinger Schreinerei. „Das Handwerk ist regional, und wir sitzen hier auf dem Sahnehäubchen.“ Seine Firma habe in den vergangenen Jahren auf Vielseitigkeit gesetzt und sich mit dem Sanierungsbereich ein ganz wichtiges Geschäftsfeld erschlossen. Die Rolle der Banken hinterfragte Bayern-1-Moderatorin Ulla Müller, die den Abend moderierte. „Wo hört Unterstützung auf, und wo beginnt die Beihilfe zur Insolvenzverschleppung?“ Man könne ohne weiteres Unternehmen stützen, die ein gutes Konzept vorlegten, erwiderte Klaus Schmalholz, Vorstand der Landsberg-Ammersee Bank. „Hier deckt sich unser sozialer Auftrag mit einem vitalen Geschäftsinteresse: Jedes Unternehmen, das in die Insolvenz geht, fehlt uns später als Kreditkunde.“

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