Zu wenig Daten

Kritik an der Energie- und CO2-Bilanz des Landkreises Landsberg

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Die Stromerzeugung mittels Photovoltaik – hier Kaufering – ist im Landkreis von 2011 bis 2018 um 95 Prozent gestiegen. Dennoch ausbaufähig, sagt die aktuelle Energiebilanz.

Landkreis – Eine aktuelle Energie- und CO2-Bilanz für den Landkreis ist dringend notwendig. Denn die letzte stammt von 2011. Im Umweltausschuss vergangene Woche wurde nun die Bilanz für 2018 vorgestellt. Und die ist in Bezug auf CO2-Emissionen eigentlich gar nicht so schlecht. Doch der Teufel liegt im Detail. Was vor allem mit den spärlichen Daten zu tun hat, die für die Erstellung der Bilanz verwendet werden konnten.

Es gehe hier um eine Trendbilanz, betont Klimaschutzbeauftragte des Landkreises Andrea Ruprecht. Als Basisjahr diene notgedrungen 2011, dessen Daten auch für das Kimaschutzkonzept (KSK) des Landkreises 2013 verwendet wurden. Doch auch dabei habe es sich nur um Rohdaten gehandelt, betont Ruprecht. Zudem seien im KSK keine demographischen oder wirtschaftlichen Entwicklungen berücksichtigt worden. Insofern handele es sich bei der Bilanz eher um einen Trendnachweis.

Das im KSK geforderte Ziel, die CO2-Emissionen bis 2030 um 50 Prozent zu reduzieren, verfehlt der Landkreis in seiner Tendenz im Jahr 2018 um neun Prozent: 2018 hat der Landkreis rund 100.000 Tonnen Treibhausgas zu viel produziert. Das Ziel eines Pro-Kopf-Verbrauchs von unter sechs Tonnen (2011: 11,7 Tonnen) bis 2030 wird in der Tendenz 2018 nur um drei Prozent verfehlt. Grund dafür sei der Rückgang der Stromerzeugung mittels Kohle explizit in den Jahren 2013 bis 2014. Einen Grund hierfür könne er nicht nennen, betont Jan Schwarz vom Frank­furter Verein Klima-Bündnis, der für den Landkreis und für rund 1.800 Gemeinden in Europa das Rechnungstool zur Datenverarbeitung bereitstellt. Die vorliegenden Daten ließen keine Rückschlüsse zu. Es handele sich wohl um Prozesseinstellungen oder auch Änderungen in der Produktion seitens der Industrie. Weiterhin gebe es einen regionalen Energieverbrauchsrückgang vor allem im industriellen Bereich – und zwar um satte 51 Prozent. Der Großteil der Energie fließe in die Wärmeerzeugung, an zweiter Stelle stehe der Verkehr, gefolgt von der Stromerzeugung.

Bei den erneuerbaren Energien gebe es einen Zuwachs von 57 Prozent. Lediglich die Wasserkraft (sie wird ohne die Lech-Wasserkraft gerechnet) habe um mehr als die Hälfte abgenommen. Potential und Handlungsbedarf für den Landkreis sieht Schwarz bei der Wärmeerzeugung durch erneuerbare Energie und dementsprechend bei der Wärmeeinsparung – vor allem in den privaten Haushalten, da hier der Verbrauch um zehn Prozent gestiegen sei. Die Stromerzeugung durch erneuerbare Energien sei zwar „akzeptabel“, ausbaufähig seien dennoch das „Zugpferd Photovoltaik“ und Windkraft – wobei Letzteres in Bayern aufgrund der Abstandsregel schwierig sei.

„Wir sind momentan auf einem Pfad, mit dem wir das CO2-Ziel nicht erreichen“, urteilte Dr. Peter Friedl (Grüne). Zudem könne das Jahr 2018 nicht als mustergültig angesehen werden. „2018 ist ein Ausreißerjahr nach unten. Es war sehr heiß, durch die viele Sonne gab es einen hohen PV-Ertrag und es gab einen warmen Winter.“ Eine Einordnung ohne Zwischendaten sei also schwierig. Schwarz wies darauf hin, dass es im Monitoring nur um die „grobe Richtung“ gehe.

Auch an der Darstellungsweise übte Friedl Kritik: Durch das Nebeneinanderstellen der Emissions-Balken 2011 und 2018 suggeriere man einen steilen Abfall der Emissionskurve, der bei einer Verteilung auf die dazwischenliegenden Jahre weitaus flacher ausfalle.

Auch Peter Satzger (Grüne) kritisierte die Daten: Da der Verbrauch der Industrie bayernweit gestiegen sei, verwundere ihn der angebliche Rückgang im Landkreis. Man dürfe keine Mittelwerte verwenden, sondern nur validierte Zahlen. Heidrun Hausen (CSU) forderte zudem Vergleiche zu anderen Landkreisen. Die Bezüge in der Bilanz zu den Durchschnittswerten für Bayern gesamt und Deutschland seien nicht hilfreich.

Klimamanagerin Ruprecht betonte, man werde die Kritik aufnehmen und die Bilanz dementsprechend überarbeiten.
Susanne Greiner

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