Die Küche als Mörderparadies

Zu Besuch bei der „Ex“ Hilary (Edith Konrath, rechts): Ken (Stefan Lehnen) und Laura (Anja Klawun). Foto: Eckstein

Es ist ein uraltes Klischee: ein Mann zwischen zwei Frauen. Braucht es wirklich noch eine weitere, bestimmt 10000ste Aufarbeitung des Themas? Ja! Wenn es sich um eine so schwungvolle und witzige Inszenierung wie die des Ensembles „Theaterlust“ aus München im Stadttheater handelt.

Ken und Hilary sind seit zehn Jahren verheiratet. Sie liebt seine Elvis-Parodien, er ihre Kochkunst. Doch als die Partymaus Laura auftaucht, will Ken sich wieder jung und wild fühlen. Doch entscheiden möchte er sich nicht, lieber den Alltag zwischen beiden aufteilen, selbst wenn sich das recht strapaziös gestaltet. Nach der Enthüllung leben alle drei in scheinbarer Freundschaft, bis zu jenem festlichen Dinner… Regisseur Thomas Luft erzählt die Geschichte des unfreiwilligen Dreigespanns rasant, mit Rückblenden, Erinnerungen, Monologen und Tanzeinlagen, zwischen klassischer Musik und Elvis-Schmachtsongs. Die zwei Welten, die die Frauen zunächst (scheinbar) verkörpern, werden durch das Bühnenbild (Erwin Kloker) illustriert – auf der einen Seite eine Essgruppe vor elegan­ter Tapete, auf der anderen Seite ein Bett vor grellfarbigem Blumenmuster. Doch mit geschickter Beleuchtung verschwimmen die Muster ineinander, gleichen sich die Frauen und Themen immer mehr an. Ken, der als typischer Macho am liebsten alles haben will, macht sich nicht nur bei seiner Ex, sondern auch bei der neuen Frau zunehmend unbeliebter. Und als er schließlich an einer Fischgräte erstickt, fühlt sich keine der Damen wirklich zuständig: „Ist doch Ihr Mann!“ Natürlich steht und fällt eine solche Geschichte mit den Darstellern, die wirklich großartig agieren: Stefan Lehnen als Elvis-Verschnitt Ken (köstlich seine Tanzeinlagen), Edith Konrath als Hilary, die die Bandbreite von Schmerz bis Rachsucht teilweise mit antiker Größe, komisch und zu Herzen gehend verkörpert, und Anja Klawun als Laura, die vom Partygirl zur angespannten Zicke mutiert. Alle drei meistern bravourös die Gratwanderung aus Komik und Ernst derart, dass den Zuschauern im ausverkauften Stadt­theater Landsberg das laute und ausgelassene Lachen manchmal förmlich im Hals stecken blieb und sich kleine, böse Gedanken im Hinterkopf breitmachten. Und das Publikum auch heimlich spaltete: Welcher Mann versteht nicht den Möchtegern-Casanova, und welche Frau applaudierte mehr oder weniger laut den Mörderinnen?

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